Sa, 18. August 2018

Reform in Gefahr?

22.09.2008 15:56

Finanzieller Ausgleich gefordert

Die Bundesländer und Gemeinden wollen eine finanziellen Ausgleich der Einnahmenausfälle, sollte der Nationalrat am kommenden Mittwoch eine Halbierung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel und Medikamente beschließen. So weit war man sich bei einem Treffen der Landesfinanzreferenten mit Finanzminister Wilhelm Molterer (V) am Montagvormittag einig. In der Sache selbst ging es nach Parteilinien. Während sich Jörg Haider nicht festlegen wollte, lehnte Vorarlbergs Landeshauptmann Herbert Sausgruber (V) die Senkung der Mehrwertsteuer explizit ab. Wiens Finanzstadträtin Renate Brauner (S) wiederum, ist dafür.

Einer hätte der Diskussion ein rasches Ende bereiten können, nämlich Landeshauptmann Jörg Haider, dessen BZÖ bei der Abstimmung im Nationalrat das Zünglein an der Waage ist. Doch der Bündnischef wollte sich auch im Kreis der Finanzreferenten nicht festlegen. Zwar berichtete Molterer im Anschluss von "großer Skepsis" des Landeshauptmannes in der Sitzung, Haider selbst äußerte sich vor Journalisten hingegen nicht eindeutig.

Haider für rasch wirksame Maßnahmen
Der BZÖ-Obmann gab lediglich zu bedenken, dass die Mehrwertsteuersenkung erst langfristig etwas bringe. Deshalb hätte er mehr Sympathien für zusätzliche rasch wirksame Maßnahmen wie etwa einen Steuerbonus. Darüber gelte es nun noch mit der SPÖ zu verhandeln. Keine großen Erwartungen hat Haider, dass der Bund den Ländern die Einnahmenausfälle aus einer Mehrwertsteuer-Senkung kompensieren würde. Dann müsste die Steuerreform in geringerem Umfang ausfallen.

Sausgruber besorgt über Kosten
Sausgruber äußerte sich besorgt über die Höhe der Kosten einer Mehrwertsteuer-Halbierung, die dazu führen würde, dass für die eigentliche Steuerentlastung zu wenig Geld übrig bliebe. Denn eine Reform mit einem Volumen von unter drei Milliarden sei für die Betroffenen nicht spürbar. Deshalb appelliere er, auch im Wahlkampf Hausverstand und Grundrechnungsarten nicht zu vergessen.

Brauner: Jetzt Maßnahmen setzen
Brauner sah das nicht so eng. Sie argumentierte, dass jetzt Maßnahmen gesetzt werden müssten, um die Inlandsnachfrage anzukurbeln. Die Mehrwertsteuersenkung sei notwendig, nachdem die ÖVP nicht bereit gewesen sei, die Steuerreform vorzuziehen. Kompensationen erwartet sich freilich auch Brauner für die Hauptstadt - und zwar in Form einer Vermögenszuwachssteuer zur Finanzierung der Gesundheitsreform. Das Volumen der Steuerreform nahm die Stadträtin mit vier Milliarden an.

Molterer sieht Reform in Gefahr
Der Finanzminister vertrat hingegen weiter den gemeinsamen Regierungsbeschluss von April, der eine Steuerentlastung von drei Milliarden vorsieht. Und diese Reform sieht Molterer nun in Gefahr durch den Einnahmenentfall von über einer Milliarde, der sich durch die Senkung der Mehrwertsteuer ergäbe. Er könne dann keine Entlastung mehr garantieren, wenn der Nationalrat am Mittwoch tatsächlich entsprechende Beschlüsse fällen würde - umso mehr, wenn jetzt die Länder auch noch Kompensationen verlangten. Verpflichtet, Ländern und Gemeinden den Einnahmenausfall zu ersetzen, ist der Bund freilich nicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Kärnten

Newsletter

Melden Sie sich hier mit Ihrer E-Mail-Adresse an, um täglich den "Krone"-Newsletter zu erhalten.