Do, 16. August 2018

Schwere Vorwürfe

16.09.2008 21:36

Fall Marco W. als Druckmittel verwendet?

Türkische Zeitungen haben Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan am Dienstag vorgeworfen, er habe den Fall des deutschen Jugendlichen Marco W. als politisches Druckmittel benutzen wollen. Erdogan habe im vergangenen Herbst im Gespräch mit dem deutschen Botschafter in Ankara, Eckart Cuntz, einen Zusammenhang zwischen dem Fall Marco und einem Prozess gegen eine türkische Wohlfahrtsorganisation in Deutschland hergestellt, berichte die Zeitung "Hürriyet". In dem Verfahren in Frankfurt am Main geht es um die Organisation "Deniz Feneri" (Leuchtturm), die Spendengelder an regierungsnahe Medien in der Türkei geschleust haben soll.

Marco W. hatte im vergangenen Jahr acht Monate in türkischer Untersuchungshaft verbracht. Ihm wurde vorgeworfen, sich im Türkei-Urlaub in Antalya an einem 13-jährigen britischen Mädchen vergangen zu haben.

Unter Berufung auf Aussagen eines deutschen Kommissars in dem Frankfurter Prozess gegen "Deniz Feneri" berichteten "Hürriyet" und andere Zeitungen, Botschafter Cuntz habe im November mit Erdogan und Anfang Dezember mit Justizminister Mehmet Ali Sahin über den Fall Marco W. gesprochen. Beide Male sei von türkischer Seite der Fall "Deniz Feneri" angeschnitten worden. Die deutsche Seite habe aber nicht den Eindruck gewonnen, dass dabei politische Überlegungen eine Rolle spielten.

Deutschland gab keine Stellungnahme ab
Die Zeitung "Vatan" berichtete, Daten und Inhalte der Gespräche des Botschafters seien von deutschen Diplomaten bestätigt worden. Am Dienstag lag zunächst aber keine Stellungnahme der deutschen Seite zu dem Thema vor.

Die Berichterstattung in der Türkei über den Prozess gegen "Deniz Feneri" hatte in den vergangenen Wochen einen heftigen Streit zwischen Erdogan und dem mächtigsten Medienunternehmer des Landes, Aydin Dogan, ausgelöst. Erdogan warf Dogan vor, er habe mit "Hürriyet" und anderen Medien einen Rachefeldzug gegen ihn gestartet, weil ein Immobilienprojekt Dogans in Istanbul am Nein der Regierung gescheitert sei.

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