6+5-Regel

Blatter setzt sich für fairen Wettbewerb ein

Fußball
07.05.2008 16:00
Ganz im Stile eines Robin Hood des Weltfußballs will FIFA-Präsident Joseph Blatter für Chancengleichheit und einen internationalen Finanzausgleich bei Europas Fußballvereinen sorgen. Der Schweizer treibt daher die Einführung der von ihm propagierten 6+5-Regel zum Schutz nationaler Fußballtalente weiter voran und fürchtet dabei auch keine rechtliche Auseinandersetzung mit der Europäischen Union.

Beim Kongress des Weltverbandes am 29. und 30. Mai in Sydney (Australien) soll deshalb die juristisch zumindest umstrittene Protektionsformel für heimische Profis abgesegnet werden. "Es ist etwas falsch in der Grundausrichtung des Spiels. Sollen wir die Reichen reicher werden lassen und nichts unternehmen? Wir müssen aktiv sein", sagte Blatter am Mittwoch bei einer Telefon-Pressekonferenz in Zürich.

6+5-Regelung ab Sommer 2012
Nach dem Plan des FIFA-Chefs sollen von der Saison 2010/11 an in jedem Team mindestens vier nationale Spieler zum Einsatz kommen. Ein Jahr später sollen es fünf heimische Akteure sein. Vom Sommer 2012 an soll der 6+5-Plan dann komplett umgesetzt sein und ein Minimum von sechs für das Nationalteam des Landes spielberechtigte Profis in der Startformation jedes Clubs stehen.

Die daraus resultierende Legionärs-Beschränkung verstößt nach Ansicht Blatter nicht gegen EU-Recht. "Ich würde nicht einen Kampf gegen bestehende Gesetze aufnehmen. Das 6+5-Prinzip verstößt nicht gegen das Recht auf Freizügigkeit", sagte Blatter. Im Gegenteil: Die FIFA unterstütze damit das Recht auf einen fairen Wettbewerb.

UEFA steht Blatter zur Seite
Alle Vereine dürften weiterhin unbegrenzt ausländische Spieler unter Vertrag nehmen, daher würde EU-Recht nicht gebrochen, sagte Blatter. Beim Bosman-Urteil (1995) und im Fall des schottischen Profis Andy Webster (2008) waren die Regeln der Fußball-Verbände zum Transfer-System von der internationalen Gerichtsbarkeit gekippt worden. Obwohl sich UEFA-Präsident Michel Platini skeptisch geäußert habe, stehe der Chef der Europäischen Fußball-Union an seiner Seite, betonte Blatter.

Nach Blatters Plan sollen durch die 6+5-Regel nicht nur die kleineren Clubs wieder mehr Chancen bekommen, mit den Spitzenteams mitzuhalten. Durch die notwendige Ausbildung heimischer Talente würden auch die Nationalteams profitieren. Besonders am Herzen liege ihm aber eine Umverteilung der Geldströme im Weltfußball in bisherige Entwicklungsländer in Afrika und Asien. Ein Exodus der Talente von dort nach Europa könnte gestoppt werden. In Afrika sollten sich auch durch den erwarteten Schwung der WM 2010 Profiligen entwickeln. In Indien würden derzeit Gespräche für die Einführung einer Profi-Spielklasse geführt.

Kommt es zu Streit mit der EU?
Ganz ohne Sorge ist Blatter aber offenbar nicht. Bei einem möglichen Rechtsstreit mit der EU setzt er auf die Unterstützung nationaler Regierungen und großer Sportprominenz. Mit FIFA-Vizepräsident Franz Beckenbauer und Manchester Uniteds Trainer Alex Ferguson hat er zwei prominente Fürsprecher auf seiner Seite und sogar beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) stoße er auf Zustimmung, betonte Blatter. Auch in anderen Sportarten wie Volleyball oder Basketball würden Beschränkungsregeln diskutiert, sagte IOC-Mitglied Blatter.

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