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01.10.2014 - 00:01

ÖFB- Teamchef Josef Hickersberger zieht Bilanz

29.11.2007, 23:44
Video: fan.tv/tipp3
Mit dem torlosen Remis gegen Tunesien hat sich Österreichs Nationalteam auf dem Weg zur Fußball- EM 2008 bis zum nächsten Test am 6. Februar gegen Deutschland in die Winterpause verabschiedet. Im Interview zog ÖFB- Teamchef Josef Hickersberger eine Zwischenbilanz. Dabei ließ er anklingen, dass eine Einberufung von LASK- Regisseur Ivica Vastic in den EM- Kader "nicht ganz ausgeschlossen" sei. Der 59- Jährige erklärte in dem Gespräch aber auch, warum Didi Kühbauer für ihn kein Thema ist, und sprach über die allgemeine Entwicklung seiner Mannschaft im abgelaufen, dem zweiten Jahr seiner Teamchef- Ära II.

Was sagen Sie Experten, Kritikern oder Fans, die permanent die Einberufung von Routiniers wie Vastic, Kühbauer usw. ins Nationalteam fordern?
Hickersberger: "Ivica Vastic bringt trotz seiner 38 Jahre in der Bundesliga noch immer sehr gute Leistungen. Ob er bei der EM dabei sein wird, bleibt abzuwarten. Es ist nicht ganz ausgeschlossen, dass er bei der EM spielt. Er hat nie seine Teamkarriere offiziell beendet. Bei Kühbauer verhält sich die Situation anders. Kühbauer ist schon unter Hans Krankl nach der 2:3- Niederlagen in Polen im September 2005 zurückgetreten. Ich habe seinen Teamrücktritt immer respektiert und akzeptiert. Es gibt von mir keine Bestrebungen, Kühbauer für die EM zu reaktivieren."

Von den Rängen der Stadien sind auch in regelmäßigen Abständen immer wieder "Hicke- Raus"- Rufe zu hören. Wie gehen sie mit solchen Kundgebungen gegen ihre Person um?

Hickersberger: "Das sind keine Kundgebungen für mich, das sind Unmutsäußerungen oder Proteste einzelner Fans, die in erster Linie einen anderen Teamchef und auch andere Spieler sehen wollen. Die Leute glauben, die wirklich besten Spieler ergeben eine bessere Mannschaft. Sie wollen ihre Lokalhelden auch im Nationalteam sehen."

Trotz der negativen Jahresbilanz mit nur einem Sieg und fünf Niederlagen in zwölf Länderspielen hat es auch Positiva gegeben. Wie z. B. die Konsolidierung in der Abwehr sowie Franz Schiemer und Roman Kienast, die "Teamaufsteiger" des Herbstes waren. Sehen Sie das ähnlich?

Hickersberger: "Es haben einige Spieler 2007 in der Nationalmannschaft debütiert, unter anderem auch Spieler, die dann während der U20- WM in Kanada sehr gute Leistungen gebracht haben. Vorher haben schon Prödl, Kavlak, Junuzovic und Hoffer im Nationalteam gespielt. Weil diese Vorbereitung auf die EM ohne Qualifikationsspiele auch eine sehr gute Gelegenheit ist, jungen Spielern die Chance zu geben, internationale Erfahrung zu sammeln. In der Champions League werden wenig Österreicher spielen, daher ist es wichtig, dass die Spieler sich an das hohe internationale Niveau und hohe Tempo gewöhnen. Das war der Grund dafür, dass wir sehr gute Gegner für die Länderspiele ausgesucht haben, die Besten die wir bekommen konnten."

Und was sagen Sie zu den Darbietungen von Schiemer und Kienast, die sich bei der Austria bzw. Norwegen enorm entwickelt haben?

Hickersberger: "Es ist natürlich erfreulich, wenn Schiemer und Kienast in den Länderspielen sehr gute Leistungen bringen und ihre Nominierung rechtfertigen. Das trifft aber auch auf ander junge Spieler zu. Es hat gegen Tunesien Kavlak gut gespielt, es hat Prödl in den Länderspielen zuvor seine Nominierung immer wieder gerechtfertigt. Im Grund bin ich mit der Entwicklung der jungen Spieler wirklich zufrieden. Auf der anderen Seite verstehe ich dann teilweise die Rufe nach den ganz erfahrenen Spielern wie eben Vastic, Kühbauer, Haas, Baur oder Drechsel nicht ganz. Ich habe immer großen Wert darauf gelegt, dass nicht zu viele junge Spieler gleichzeitig im Team spielen, weil das nicht funktionieren kann. Genauso trifft das auch auf zu viele Routiniers zu. Wenn zu viele in einer Mannschaft spielen, sich ihre Kräfte einteilen müssen, dann kann das auch nicht funktionieren. Im Team hat in der Innenverteidigung immer ein Junger mit einem Routinier gespielt, alles andere wäre teilweise schlecht für die jungen Spieler."

Hingegen ist es um Linz, Prager eher ruhig geworden und Manninger nicht mehr erste Wahl in Siena. Bleibt es für Sie beim Credo "ohne Spielpraxis keine Teamberufung?"

Hickersberger: "Ich habe gesagt, dass man ohne Spielpraxis keine EM spielen kann. Natürlich versuche ich solange wie möglich, Spielern die Chance zu geben, auch über das Team in den Vereinen wieder Fuß fassen zu können. Es ist leider bei Prager nicht gelungen, er hat jetzt sehr wenig Spielpraxis in Heerenveen. Ich verfolge sehr genau, wie unsere Legionäre in ihren Vereinen eingesetzt werden, versuche oft eben mit einer weiteren Teamnominierung zu helfen. Bei Prager war es so, dass er oft nicht die Form des vergangenen Herbstes, wie zum Beispiel sein sensationelles Länderspiel in der Schweiz, hatte. Das ist ihm aufgrund der mangelnden Spielpraxis nicht mehr so gelungen. Das kann sich aber schnell ändern, sollte er in den Niederlanden wieder Stammspieler werden."

Heuer haben Sie in den zwölf Länderspielen 35 Spieler eingesetzt, damit sind es in zwei Jahren insgesamt 47. Wie groß ist die Chance, dass außer Emanuel Pogatetz noch Leute dazukommen oder wird das EM- Aufgebot aus diesem Kreis rekrutiert?

Hickersberger: "Der Kreis ist schon ein Jahr vor der EM noch immer ziemlich groß. Es werden 23 Spieler in den endgültigen Kader berufen und mit wenigen Ausnahmen werden sich die 23 Mann aus den bisher eingesetzten Spielern zusammensetzen."

Welches Hauptaugenmerk legen Sie in den restlichen drei, möglicherweise vier Länderspielen vor der EM im Frühjahr. Gibt es eine Idealelf, die Sie im EM- Hinblick forciert einsetzen werden?

Hickersberger: "Die Zeit für Experimente wird immer weniger, je näher das Turnier kommt. Von der Spielpraxis einzelner, vor allem junger Spieler in den Verein, die ja nicht diesen Stellenwert haben wie die Routiniers, wird in erster Linie abhängen, wer von den jungen Spielern in den Kader berufen wird. Aus dem Aufgebot versuche ich dann jeweils nach Situation und Gegner die beste Elf zu bilden, die am besten mit den Umständen umgehen kann. Am 6. Februar gegen die Deutschen hat bei uns die Bundesliga im Gegensatz zum Gegner ja noch nicht begonnen."

In welchen Bereichen muss das Nationalteam zulegen, um für das EM- Turnier bestmöglich gerüstet zu sein?

Hickersberger: "Wir haben schon gewisse Fortschritt gemacht. Wenn man den Beginn 2006 mit drei Niederlagen daheim gegen Kanada, Kroatien und Ungarn zum Vergleich heranzieht, hat sich die Mannschaft positiv weiterentwickelt. In erster Linie hat sie das Defensiv- Verhalten stabilisiert und ist viel besser geworden. Natürlich passieren noch immer individuelle Fehler, aber von der Organisation her hat sich die Mannschaft schon gesteigert. Daher haben wir auch gegen England wenig Torchancen zugelassen oder in Frankreich nur 0:1 durch eine Standardsituation verloren. Der schwierigere Schritt ist der zweite, die Offensive zu verbessern."

Das Angriffsspiel ist das Um und Auf, um überhaupt zu Chancen zu kommen, Tore zu schießen und letztlich Erfolg zu haben. Muss da von hinten nach vorne nicht alles funktionieren?

Hickersberger: "Die Torgefährlichkeit der Spieler im Offensivbereich ist natürlich von größter Bedeutung. Die wichtigsten Spieler sind immer die, die die Tore vorbereiten und schießen können, auch auf internationalem Niveau. Da haben wir 2007 große Probleme gehabt. Nur in wenigen Spielen hat es geklappt, wie gegen die Elfenbeinküste oder in der Schweiz. Das beste Spiel vom Spielaufbau war gegen Tunesien. Weil der Aufbau aus der Abwehr funktioniert hat, weil wir sehr lange und guten Ballbesitz in der gegnerischen Hälfte gehabt haben. Leider haben wir den letzten Pass nicht gut genug und im letzten Drittel nach vorne nicht ruhig gespielt. Da gilt es, den Hebel anzusetzen und da müssen wir noch viel arbeiten, vor allem in der unmittelbaren Vorbereitung auf die EM im Mai."

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