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Wärmeliebende Arten verdrängen alpine Vegetation

15.01.2012, 09:00
Wärmeliebende Arten verdrängen alpine Vegetation (Bild: Uni Wien/ÖAW/Harald Pauli)
Foto: Uni Wien/ÖAW/Harald Pauli
Die Auswirkungen des Klimawandels auf alpine Vegetation sind stärker als bisher angenommen, wie die erste paneuropäische Studie unter der Leitung von Forschern der Universität Wien und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) zeigt. Die Ergebnisse wurden in der aktuellen Ausgabe des Fachjournals "Nature Climate Change" veröffentlicht.

Auf 867 Probeflächen in ganz Europa konnten die Wissenschaftler deutliche Anzeichen entdecken, dass die kälteadaptierten Pflanzen wie etwa die Nevadensia purpurea (Bild) im Hochgebirge von wärmeliebenderen Arten zunehmend aus ihrem Lebensraum verdrängt werden.

"Wir haben eine Zunahme wärmeliebender Pflanzenarten in größeren Höhen erwartet, aber nicht in diesem deutlichen Ausmaß und in so kurzer Zeit", so Michael Gottfried vom Department für Naturschutzbiologie, Vegetations- und Landschaftsökologie der Universität Wien in einer Aussendung. "Viele kältetolerante Arten wandern buchstäblich in den Himmel. In einigen der niedrigeren europäischen Gebirge können wir beobachten, wie die offene alpine Graslandschaft verschwindet und Zwergsträucher den Lebensraum in wenigen Jahrzehnten erobern werden."

Entwicklung für ganze Europa demonstriert

Die Studie ist weltweit die bislang breitest angelegte Untersuchung ihrer Art. Sie bestätigt den direkten Zusammenhang zwischen erhöhten Sommertemperaturen und der Veränderung alpiner Lebensgemeinschaften. "Regionale Untersuchungen haben diesen Vorgang bereits aufgezeigt. Unsere Ergebnisse demonstrieren diese Entwicklung erstmals für den gesamten europäischen Kontinent", so Gottfried.

Dieses Phänomen, von den Forschern als Thermophilisierung bezeichnet, wurde erstmalig quantitativ erfasst und als messbarer Indikator definiert. Alle 32 an der Studie beteiligten Autoren wandten dieselbe Methodik auf genau dokumentierten Probeflächen an, wodurch eine europaweite Vergleichbarkeit erst möglich wurde. "Wir hoffen, dass unser Thermophilisierungs- Indikator von anderen Forschungsgruppen weltweit übernommen und auf diese Weise ein globaler Vergleich möglich wird", sagt Harald Pauli vom Institut für Gebirgsforschung der ÖAW.

Selber Effekt von Schottland bis Kreta

Die Forscher zeigten auch, dass dieser Effekt sowohl von der Seehöhe unabhängig ist – er findet von der Baumgrenze bis zu den höchsten Gipfeln statt – als auch von der geographischen Breite. Der Rückgang der kältetoleranten Arten konnte von Schottland bis zu den Gebirgsregionen Kretas dokumentiert werden.

"Unsere Arbeit belegt, dass der Klimawandel auch die entlegensten Winkel der Biosphäre beeinflusst", sagt Georg Grabherr, stellvertretender Direktor des ÖAW- Instituts. "Die Thermophilisierung im Hochgebirge kann nicht vor Ort begrenzt werden. Menschliche Anpassungsstrategien sind also keine Option. Wir müssen uns dringend auf die Vermeidung noch stärkeren Klimawandels konzentrieren, um den biogenetischen Schatz der Natur zu wahren."

mbr
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