Di, 21. November 2017

Freigabe erteilt

07.11.2017 12:19

Keine Einigung: Metaller drohen nun mit Streiks

Das Ringen um einen Abschluss des Kollektivvertrags für die rund 130.000 Beschäftigten der Metalltechnischen Industrie geht weiter und wird härter: Nach einer erfolglosen fünften Verhandlungsrunde drohen die Gewerkschafter nun mit Streiks. Eine entsprechende Freigabe vom ÖGB gibt es bereits. Die Arbeitgeber hatten zuletzt ein Plus von 2,5 Prozent angeboten, die Gewerkschaften fordern einen Zuwachs von vier Prozent.

Die Arbeitgeber reagierten auf den Abbruch der Verhandlungsrunde mit Unverständnis. "Die Gewerkschaften haben heute die Sozialpartnerschaft schwer beschädigt," kritisierte Fachverbandsobmann Christian Knill seine Verhandlungspartner.

Arbeitgeber halten Streiks für "unangebracht"
"Wir halten das für unangebracht in der derzeitigen Situation", sagte Veit Schmid-Schmidsfelden, ebenfalls Verhandler auf Arbeitgeberseite, am Dienstag nach der gescheiterten fünften Verhandlungsrunde. "Wir waren nicht so weit auseinander", so Schmid-Schmidsfelden. Er sehe im Abbruch auch ein Zeichen dafür, dass die Sozialpartnerschaft "zutiefst reformbedürftig" sei. "Für den Standort Österreich wäre es wichtig und notwendig gewesen, fertigzuverhandeln und zu einem Ergebnis zu kommen", so der Arbeitgebervertreter.

Zuletzt hätten die Arbeitgeber 2,5 Prozent Lohn- und Gehaltserhöhung geboten, die Arbeitnehmerseite sei von ihren ursprünglich geforderten vier auf drei Prozent zurückgegangen. Man werde den Betrieben vorschlagen, bereits ab November freiwillig auf Betriebsebene Lohnanpassungen durchzuführen. "Wir wollen faire Löhne bezahlen", so der Arbeitgebervertreter. Vonseiten des Fachverbandes gebe es noch keine weiteren Termine für Verhandlungen. Man müsse zuerst in die Gremien gehen und Beschlüsse fassen, danach werde man wieder die Gewerkschaften einladen, mit neuen Vorschlägen Verhandlungen aufzunehmen.

Arbeitnehmer: "Regierungsbildung spielt keine Rolle"
Dass bei den festgefahrenen KV-Verhandlungen auch die anstehende Regierungsbildung eine Rolle gespielt haben könnte, verneinte Rainer Wimmer, Verhandlungsführer der Produktionsgewerkschaft Pro-Ge und Industriesprecher der SPÖ. Mit diesem Thema habe er sich zuletzt gar nicht beschäftigt.

Vier Runden lang hatten die Sozialpartner knapp 40 Stunden faktisch ohne eine Annäherung verhandelt, dafür wurde der Ton der Verhandlungspartner zusehends unfreundlicher. Bereits vor der fünften Runde hatten die Gewerkschaften mit Warnstreiks gedroht, sollte es zu keiner Einigung kommen. Nun stellten die Arbeitnehmervertreter der Arbeitgeberseite ein Ultimatum bis kommenden Montagabend. Ohne Abschluss sind gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen ab Dienstag, 14. November, geplant. In den nächsten Tagen stehen Betriebsversammlungen auf dem Programm, wo die konkreten Kampfmaßnahmen beschlossen werden sollen.

ÖGB-Chef: "Sozialpartnerschaft noch lange nicht beschädigt"
Für ÖGB-Chef Erich Foglar ist die Forderung der Gewerkschaft berechtigt, weil es derzeit eine "außerordentlich gute Wirtschaftslage" gebe, die Auslastung in der Metallindustrie "sehr gut" sei und hohe Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet würden. "In Zeiten wo es gut geht" brauche es "einen kräftigen Reallohnzuwachs", so Foglar. In wirtschaftlich besseren Zeiten müsse es einen höheren Zuwachs geben als in schlechten. Mit Kampfmaßnahmen werde man vonseiten der Gewerkschaft "wie immer äußerst sorgfältig umgehen". Für den ÖGB-Präsidenten ist der Abbruch bei den Kollektivvertragsverhandlungen in der Metalltechnischen Industrie "noch lange nicht eine Beschädigung der Sozialpartnerschaft". Es sei "immer wieder zu Auseinandersetzungen gekommen", etwa im Jahr 2011.

 krone.at
Redaktion
krone.at
Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden