Mo, 20. November 2017

24.10.2017 18:08

„Hygiene kaum vorhanden!“

In einem Lager in Bangladesch für tausende Flüchtlinge der burmesischen Rohingya hat Rotkreuz-Experte Wilfried Hildenbrand (50) aus Sattledt einen Monat lang beim Aufbau von Trinkwasseranlagen mitgeholfen. Die Herausforderungen waren für ihn enorm: Regenfälle, keine Zufahrt und prekäre hygienische Verhältnisse.

"Krone": Sie waren im Lager Mainnerghona für den Aufbau einer Trinkwasserversorgung für 77.600 Menschen zuständig - was waren die größten Herausforderungen?
Wilfried Hildenbrand: Es sind dort keine Straßen für Lkw vorhanden, das Material musste daher mühsam drei Stunden lang händisch transportiert werden. Teils geht es steil bergauf und bergab, Schluchten müssen überwunden werden. Außerdem ist gerade Regenzeit - es hat dort 32 Grad und 90 Prozent Luftfeuchtigkeit, sodass es überall dunstet.

"Krone": Wie war die Situation bei Ihrer Ankunft im Lager?
Hildenbrand: Wir konnten keinen unserer gewohnten Anlagen-Typen verwenden und mussten neue Systeme entwickeln. Es gibt dort keine Flüsse, sondern lediglich Rinnsale, in die auch noch salziges Meerwasser reingedrückt wurde. Es waren einige vier bis sechs Meter tiefe Wasserlöcher vorhanden, aus denen mit Handpumpen gefördert wird und die in etwa ein bis zwei Monaten austrocknen werden. Daneben befanden sich aber auch Latrinen, das Wasser war erschreckend mit Coli-Bakterien belastet.

"Krone": Ist in dem Lager etwa auch die Cholera ausgebrochen?
Hildenbrand: Es gibt Durchfallerkrankungen, die mehr werden. Dagegen wird nun unter anderem mit Chlor und Cholera-Impfungen angekämpft.

"Krone": Der Großteil der Flüchtlinge sind Frauen und Kinder.
Ihr Anteil beträgt etwa 80 Prozent, sie sind stark traumatisiert. Täglich kommen 12.000 neue Flüchtlinge.

Interview: Jürgen Pachner, Kronen Zeitung

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