Fr, 15. Dezember 2017

"Putschversuch"

28.06.2017 19:11

Venezuela: Hubschrauberangriff auf Höchstgericht

Am Dienstag ist es womöglich zu einem Putschversuch gegen den venezolanischen Präsidenten Nicolas Maduro gekommen. Ein gestohlener Polizeihubschrauber kreiste über der Hauptstadt Caracas und warf zwei Granaten auf das Gebäude des Höchstgerichts ab. In der Nähe befindet sich der Amtssitz des umstrittenen sozialistischen Staatschefs. Maduro sprach von einem "Putschversuch" bzw. einem "Terroranschlag", dessen Drahtzieher "schnellstmöglich" gefunden würden. Die Armee ist in Alarmbereitschaft.

Laut staatlichen Medien wurde der Hubschrauber entführt und von Dissidenten zu dem Angriff auf den Obersten Gerichtshof im Norden von Caracas genutzt. Nicht jede Granate sei explodiert. Zudem sei der Hubschrauber auch über das Innen- und das Justizministerium geflogen. Auf das Innenministerium sollen 15 Schüsse abgefeuert worden sein, Verletzte gebe es nicht.

Abtrünniger Pilot kündigt Kampf gegen Regierung an
Der Pilot wurde von den venezolanischen Medien als Oscar Perez identifiziert. Als Beweis für den Putschversuch wertet die Regierung in Caracas auch eine Videobotschaft des Mannes, die dieser auf Instagram veröffentlicht hat. In dieser sagt Perez: "Wir haben die Wahl: Entweder wir werden morgen von unserem Gewissen beurteilt oder wir befreien uns ab heute selbst von der korrupten Regierung. Wir sind Krieger im Namen Gottes. Es lebe Venezuela!" Sein Instagram-Profil beschreibt ihn als Ermittler der venezolanischen Polizei.

Wenige Stunden zuvor hatte Maduro mit einem bewaffneten Kampf zur Verteidigung seines sozialistischen Projekts gedroht. "Wenn Venezuela in Chaos und Gewalt gestürzt und die Bolivarische Revolution zerstört werden sollen, werden wir in den Kampf ziehen", sagte der Staatschef unter dem Jubel von Anhängern. Im Hinblick auf eine geplante Verfassungsreform, die seine Rolle stärken soll, sagte er: "Wenn wir es nicht mit den Stimmen schaffen, dann mit Waffen."

Staatschef mobilisiert Streitkräfte
Nach der Hubschrauber-Attacke am Dienstag sprach Maduro von einem "terroristischen Angriff" und einem Putschversuch und versetzte die Armee in Alarmbereitschaft. "Ich habe die gesamten Streitkräfte aktiviert, um den Frieden zu verteidigen", sagte der Staatschef, der seit fast drei Monaten mit Massenprotesten konfrontiert ist. Maduro machte rechtsgerichtete "Putschisten" für den Vorfall verantwortlich. Die Besatzung des Hubschraubers werde "sehr bald" gefasst werden. Bei Unruhen und Protesten im Land mit den weltgrößten Ölreserven kamen seit Anfang April 77 Menschen ums Leben. Maduro behauptet, die Opposition arbeite mit den USA an einem Staatsstreich.

Maduro will mit neuer Verfassung Macht einzementieren
Für den 30. Juli plant Maduro eine Wahl zur Einberufung einer Verfassunggebenden Versammlung - doch es gibt massive Proteste gegen den Plan. Maduro will mit der Verfassungsreform die Mittel erhalten, um die dramatische politische und wirtschaftliche Krise zu bewältigen, die den Ölstaat derzeit fest im Griff hat. Angesichts der geplanten Zusammensetzung der Versammlung mit einer Mehrheit für Sympathisanten der Sozialisten fürchtet die Opposition einen endgültigen Übergang zu einer Diktatur.

Gabor Agardi
Redakteur
Gabor Agardi
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