Di, 19. Dezember 2017

Länger als gedacht

27.03.2017 21:00

Mäuse lebten schon vor 15.000 Jahren bei Menschen

Mäuse leben schon weit länger in menschlichen Gemeinschaften als bisher angenommen. Schon vor 15.000 Jahren habe es Hausmäuse auf dem Gebiet des heutigen Israels gegeben, berichten Forscher in den "Proceedings" der US-Akademie der Wissenschaften.

"Bisher hatten viele angenommen, dass Hausmäuse erstmals mit dem Menschen zusammengekommen sind, als die Landwirtschaft aufkam", sagte Lior Weissbrod von der Universität Haifa. Dies sei vor etwa 12.000 Jahren gewesen. Stattdessen seien die Tiere bereits im späten Pleistozän aufgetaucht, als sich die umherziehenden Jäger und Sammler niedergelassen hätten, erklären die Forscher um Weissbrod und Thomas Cucchi vom französischen Forschungszentrum CNRS in Paris, die für ihre Studie Backenzähne von Mäusen aus fünf Fundstätten in Israel untersucht haben.

Essensreste der Menschen zogen Nager an
Die Menschen hätten Essensvorräte angelegt, unter anderem mit wildem Getreide, das die Nager vermutlich anzog. Außerdem warfen die Menschen Nahrungsreste weg. Der Müll ließ bestimmte Pflanzen wachsen, die vermutlich ebenfalls für die Hausmäuse interessant waren, wie Weissbrod erläuterte. Die Hausmaus habe dabei auch zeitweise die eng verwandte Art Mus macedonicus komplett verdrängt. Die Hausmaus habe einen längeren Schwanz, einen kürzeren Schädel und ein weißes Bauchfell.

Die Studie zeige, wie stark der Einfluss des Menschen auf seine natürliche Umgebung sei. "Es gab eine überraschend große Wirkung des Menschen auf seine Umwelt, bevor die Landwirtschaft aufkam", erklärte Weissbrod. Viele Forscher gingen bisher davon aus, dass der Beginn der Landwirtschaft einen Wendepunkt in der Wechselbeziehung zwischen Mensch und Umwelt bedeutet habe. "Nun sieht es danach aus, dass dies viel früher begonnen hat."

Das frühere Auftauchen der Hausmaus und die Verdrängung der wilden Maus seien zudem ein "starker Hinweis" darauf, dass Menschen Bauern wurden, weil sie sesshaft waren - und nicht anders herum. "Darüber gibt es grundsätzlich eine große Diskussion in der Archäologie", erklärte Weissbrod. Manche Forscher argumentierten, dass die Menschen zwar Behausungen gebaut hätten, aber vielleicht trotzdem immer wieder weitergezogen seien. Dann hätte sich nach Ansicht von Weissbrod die Hausmaus aber nicht so etablieren können.

Erst Landwirtschaft machte Mäuse zur Plage
Die ersten Hausmäuse hatten nach Ansicht der Forscher übrigens keinen so schlechten Ruf wie heute etwa in Europa. "Das Aufkommen der Landwirtschaft hat die Beziehung zwischen Mäusen und Menschen verändert", sagte Weissbrod. Zuvor hätten die Hausmäuse von den Menschen profitiert, sie aber nicht gestört. Mit der Landwirtschaft kam die Sorge, dass die Nager das mühsam gezogene Getreide wegfressen. Die Menschen wollten die Mäusevermehrung daher eindämmen und stellten Fallen auf.

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