Di, 24. Oktober 2017

Stelzer im Interview

09.02.2017 23:59

„Kinder sind so wichtig wie Staatsgeschäfte“

Seit gestern ist es offiziell: Thomas Stelzer (49) folgt Josef Pühringer am 6. April als neuer VP-Landeshauptmann von Oberösterreich. Im "Krone"-Interview abseits der Politik zeigte sich der Vater zweier Kinder von der ganz privaten Seite, sprach nicht nur über Ehefrau Bettina und seine Familie, sondern auch über seine "roten Wurzeln", Hausübung, Gitarre, Einkaufen und Opa als SP-Gemeinderat.

"Krone": Das Spekulieren um den Zeitpunkt für Ihre Pühringer-Nachfolge als LH ist zu Ende. Etwas erleichtert?
Thomas Stelzer: Ich freue mich  und  spüre gleichzeitig, dass es eine riesige Verantwortung ist, die auf mich zukommen wird.

"Krone": Der Tag der offiziellen Bekanntgabe begann wie?
Thomas Stelzer: Etwas turbulenter, aber sonst fast wie immer. Meine Eier mit Schinken habe ich selbst zubereitet und gemeinsam in der Küche mit der Familie genossen.

"Krone": Drehen wir das Rad vor: Was wird sich in Ihrem Leben ab 6. April total ändern?
Thomas Stelzer: Klar ist, es wird von einem Landeshauptmann  zu Recht  erwartet, dass er einfach präsent und bei vielen Gelegenheiten für die Menschen ansprechbar ist. Das will ich sein. Nur wenn man im Kontakt mit den Menschen ist, behält man sich das Gespür, was wirklich los ist und wo es Sorgen gibt. Das heißt, der zeitliche Einsatz wird noch einmal zunehmen.

"Krone": Kann man sich auf die Dauerbeobachtung in der Öffentlichkeit vorbereiten?
Thomas Stelzer: Natürlich mache ich mir darüber Gedanken, aber auf der anderen Seite mache ich mich auch nicht kopfscheu. Ich denke, ich bringe das nötige Rüstzeug mit, damit gut  umgehen zu können.

"Krone": Trotz vollem Terminkalender nehmen Sie sich viel Zeit für die Familie. Wie schaffen Sie das in Zukunft?
Thomas Stelzer: Zu meiner Person gehört es eben, mit Kindern und Familie zu leben. Und auch sie haben mich  nur einmal und daher muss für die wesentlichen Anlässe ausreichend Zeit bleiben.

"Krone": Wie zum Beispiel für?
Thomas Stelzer: Sei das als Zuseher beim Fußball meines Sohnes Lukas oder beim Geigenauftritt meiner Tochter Lena. Das muss drinnen sein, wie meine  Mithilfe bei der einen oder anderen Hausübung.

"Krone": In welchen Fächern?
Thomas Stelzer: Etwa beim Übersetzen eines kurzen Lateintexts  das war  in der Schule mein Lieblingsfach.  Oder, so weit es  noch geht, in Mathematik. Da helfen moderne Kommunikationsmittel wie WhatsApp, damit kann man als Vater bereits untertags unterstützen. Wobei unsere Kinder wirklich sehr selbstständig sind.

"Krone": Der letzte gemeinsame Ausflug mit Ihrer Familie?
Thomas Stelzer: Mit meiner Frau war ich gerade  Langlaufen in Hinterstoder und  als Familie haben wir zu Weihnachten einige klasse Skitage erlebt.

"Krone": Hören Sie auf Ihre Frau Bettina bei Entscheidungen?
Thomas Stelzer: Wir sind ein tolles Team. Für mich heißt Partnerschaft, dass man sich über alles, was einen bewegt, austauscht. Ich höre auch auf ihre politische Meinung.

"Krone": Mir hat jemand geflüstert, dass Sie  wenn Ihre Kinder am Handy anrufen , durchaus auch einmal eine Besprechung unterbrechen.
Thomas Stelzer: Es wissen andere Gott sei Dank nicht immer, wer gerade dran ist. Und wenn einen die Kinder brauchen, kann es genauso wichtig sein wie  Staatsgeschäfte.

"Krone": Geht Familie immer vor?
Thomas Stelzer: So gut es eben geht  ja, weil die Phase, in der man als Familie mit Kindern leben kann, ohnehin nur eine gewisse Zeit  dauert. Und diese Zeit kann man nie wieder nachholen.

"Krone": Ehrlich, wie hoch stehen die Chancen, Sie als Landeshauptmann beim Einkauf im Supermarkt zu treffen?
Thomas Stelzer: Wenn man Wert darauf legt, dann jedes Wochenende  in Wolfern. Den Einkaufszettel tippe ich selbst in mein iPhone hinein.

"Krone": Politisch spielen Sie in OÖ bald die erste Geige,  auch privat fiedeln Sie gerne und spielen Gitarre. Ist das Ihre Art, um zu relaxen?
Thomas Stelzer: Gerade in der letzten Zeit habe ich mich öfter hingesetzt und mit der Gitarre Songs der Beatles und von Elvis gesungen. Dabei kann ich in eine andere Welt abtauchen. Geige habe ich als Kind gelernt, und als meine Tochter damit begonnen hat, habe ich den Ehrgeiz entwickelt, wieder einzusteigen. Ich muss zugeben, es ist bei mir an der Zeit fürs Üben gescheitert. Das kann man nicht irgendwie nebenbei machen. Jetzt höre ich lieber meiner Lena zu.

"Krone": Ihr Vater war Buchhalter, Ihre Mutter war Hausfrau - was haben Ihnen Ihre Eltern mitgegeben?
Thomas Stelzer: Was mir erst im Nachhinein bewusst wurde, ist, dass sie mir alles ermöglichten und persönliche Vorlieben, wie  eine größere Wohnung, zurücksteckten. In der  Linzer Genossenschaftswohnung, in der ich aufgewachsen bin, lebt meine Mutter übrigens auch heute noch.

"Krone": Sie sind sicher auch mit dem Leistungsgedanken groß geworden.
Thomas Stelzer: Bei mir hat sich verinnerlicht: Wer etwas im Leben erreichen will, muss sich dafür auch selber anstrengen.

"Krone": Ist es sehr provokant, wenn ich   jetzt behaupte, Sie sind   Landeshauptmann mit  politisch "roten Wurzeln"?
Thomas Stelzer: Nein,  es stimmt. Mein Großvater, den ich leider nicht kennengelernt habe, war in St. Florian bei Linz Gemeinderat der SPÖ und hat die Konsumgenossenschaft mitbegründet. Vielleicht habe ich daher auch die Gene, mich politisch zu betätigen. Es ist aber das andere Lager geworden.

"Krone": Sie geben selbst an, dass Ungeduld Ihre Schwäche ist. Wie äußert sich diese?
Thomas Stelzer: Wann ich mir etwas vornehme, hätte ich gerne, dass es, so bald es  ausgesprochen ist, geschieht. Da kann es schon sein, dass ich mein Team mit vielen SMS und Anrufen  "buseriere".

"Krone": Und worin unterscheiden Sie sich vom Noch-LH?
Thomas Stelzer: Es ist nicht wichtig, was ich anders mache oder worin ich mich unterscheide, sondern, dass wir im totalen Umbruch leben. Und daher braucht es  andere Zugänge, Antworten und Lösungen.

"Krone": Das Wichtigste, das Sie von Josef Pühringer für Ihre Amtszeit mitnehmen?
Thomas Stelzer: Immer geerdet bleiben  und dass Politik nicht irgendwie ein Kunsthandwerk ist, das auf einer übergeordneten Ebene passiert, sondern immer auf Du und Du mit den Menschen sein.

Andi Schwantner, Kronen Zeitung

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