So, 19. November 2017

„Er hat gelitten“

11.01.2017 14:04

Nazi-Scherge Brunner starb in syrischem Keller

Unter elenden Bedingungen ist der aus Österreich stammende Nazi-Scherge Alois Brunner im Jahr 2001 im Alter von 89 Jahren in Syrien gestorben, wie das französischen Magazin "XXI" am Mittwoch berichtete. Laut ehemaligen Mitgliedern des syrischen Geheimdienstes habe er die letzten Jahre im Keller eines Wohnblocks von Damaskus verbracht. Er habe "gelitten und viel geweint", sei aber bis zu seinem Ende fanatischer Antisemit und Nazi geblieben.

Karg seien seine Mahlzeiten gewesen, heißt es weiter. "Militärrationen - grässliches Zeug - sowie ein Ei oder eine Kartoffel" habe Brunner zu essen gehabt. Laut dem Simon-Wiesenthal-Zentrum war der gebürtige Österreicher und SS-Kommandant Brunner - Jahrgang 1912 - für die Deportation von 128.500 Juden aus Österreich, Griechenland, Frankreich und der Slowakei verantwortlich. Nach dem Zweiten Weltkrieg entzog er sich einer strafrechtlichen Verfolgung, indem er eine falsche Identität annahm.

In Syrien Schutz der politischen Führung genossen
Brunner arbeitete zwei Jahre lang für die US-Besatzung in Deutschland, 1953 flüchtete er nach Ägypten und von dort aus nach Syrien, wo er den Schutz der politischen Führung genoss. Er soll der syrischen Geheimpolizei als Berater gedient und dabei vor allem die Verhör- und Foltermethoden der Nazis weitergegeben haben. 1986 wurde der völlig reuelose Brunner in Damaskus von "Krone"-Journalist Kurt Seinitz interviewt. Wie er die letzten Jahre bis zu seinem Tod verbrachte, war bis heute unklar.

In Frankreich in Abwesenheit zum Tode verurteilt
Das Wiesenthal-Zentrum hatte Brunner 2014 von der Liste der meistgesuchten NS-Verbrecher entfernt, nachdem es von deutschen Geheimdienstmitarbeitern die Information erhalten hatte, Brunner sei in Damaskus gestorben und begraben worden. Deutschland, Österreich und andere Länder forderten von Syrien vergeblich Brunners Auslieferung. In Frankreich wurde er 1954 in Abwesenheit zum Tode und 2001 zu lebenslanger Haft verurteilt. Der israelische Auslandsgeheimdienst Mossad soll vergeblich mehrere Versuche unternommen haben, Brunner zu töten. Dabei soll der Gejagte drei Finger und ein Auge verloren haben.

"Einmal im Raum, schloss sich Tür und öffnete sich nie wieder"
Laut Angaben von "XXI" stand Brunner seit 1989 in seiner Wohnung im Diplomatenviertel von Damaskus praktisch unter Hausarrest. Ende der 1990er-Jahre habe er dann aus "Sicherheitsgründen" in den Keller umziehen müssen, wo er bis zu seinem Tod gelebt habe. "Einmal in dem Raum, schloss sich die Tür hinter ihm und öffnete sich nie wieder", sagte Wachmann Omar dem Magazin. Laut Omar wurde Brunner nach seinem Tod in aller Heimlichkeit nach muslimischem Ritus auf dem Friedhof Al Affif in Damaskus bestattet.

"Freuen uns, dass er eher schlecht als gut lebte"
Der französische Nazi-Jäger Serge Klarsfeld hält den Magazinbericht für "sehr glaubwürdig". "Wir freuen uns zu erfahren, dass er eher schlecht als gut lebte", sagte Klarsfeld der Nachrichtenagentur AFP. In einer Diktatur wie in Syrien habe Brunner als "unantastbar" gegolten, "solange der Diktator ihn nicht loswerden wollte".

 krone.at
Redaktion
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