Sa, 16. Dezember 2017

Rätsel gelöst

23.03.2015 17:00

Explosion am Himmel anno 1670 war Stern-Kollision

Mehr als 340 Jahre nach dem plötzlichen Aufleuchten eines "neuen Sterns" am Nachthimmel über Europa sind Forscher der Ursache für das seltene Himmelsschauspiel auf die Spur gekommen: Grund für das im Jahr 1670 von Astronomen beobachtete Phänomen war offenbar eine heftige Karambolage zwischen zwei Sternen, wie die Europäische Südsternwarte ESO am Montag mitteilte.

Über seine Entdeckung berichtet das Wissenschaftlerteam unter der Leitung des Max-Planck-Instituts für Radioastronomie in Bonn in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift "Nature".

Lange Zeit hatten Astronomen angenommen, dass es sich bei dem im 17. Jahrhundert aufleuchtenden Stern im unscheinbaren Sternbild Füchschen um eine gewöhnliche Nova gehandelt hat. Wie die Forscher heute wissen, lassen sich die meisten solcher Novae mit explosiven Ausbrüchen in engen Doppelsternsystemen erklären. Im Fall des "neuen Sterns" von 1670, der als Nova "Vul 1670" in die Astronomie-Geschichte einging, schien dies aber anders zu sein.

Das Objekt habe viele Jahre als Nova gegolten, aber bei intensiveren Untersuchungen immer weniger nach einer Nova ausgesehen, erklärte der Erstautor der Studie, Tomasz Kaminski, der bei der ESO und beim Max-Planck-Institut für Radioastronomie in Bonn arbeitet. Bei ihren aktuellen Beobachtungen fanden die Forscher nun heraus, dass die gesamte Umgebung des Überrests in ein kühles Gas eingebettet ist, das eine Vielzahl von Molekülen in ungewöhnlicher chemischer Zusammensetzung enthält.

Eindrucksvolle Kollision zweier Sterne
Die Menge dieses kalten Gases war aber zu groß, um bei einem "herkömmlichen" Nova-Ausbruch entstanden zu sein. Statt dessen gehen die Forscher nun von einer eindrucksvollen Kollision zweier Sterne aus - ein sehr seltenes Ereignis, bei dem ein Stern aufgrund des Zusammenstoßes mit einem weiteren Stern explodiert. Dabei wird Materie in die Umgebung hinausgeschleudert, und es bleibt ein nur schwach leuchtender Überrest übrig, eingebettet in eine kalte Hülle aus Molekülen und Staub.

Für ihre Forschungen nutzten die Wissenschaftler unter anderem das von der ESO betriebene APEX-Teleskop in Chile und das 100-Meter-Radioteleskop in Effelsberg bei Bonn. Bei den ersten Beobachtungen im Jahr 1670 war die Nova "Vul 1670" noch leicht mit bloßen Auge am Himmel sichtbar gewesen, mit Helligkeitsschwankungen im Lauf der nächsten beiden Jahre. Danach verschwand das Objekt, erschien aber später zweimal erneut am Himmel, bevor es endgültig für das bloße Auge unsichtbar wurde.

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