Mo, 21. Mai 2018

Fund im Atlantik

17.01.2015 08:00

Forscher finden statt Tiefseetieren Manganknollen

Eine überraschende Entdeckung haben Wissenschaftler bei der ersten Expedition mit dem deutschen Forschungsschiff "SONNE" gemacht. Bei ihrer Suche nach Tiefseetieren stießen sie auf dem Meeresgrund auf ein Vorkommen von Manganknollen, das möglicherweise alle bisher im Atlantik bekannten Manganknollen-Felder in den Schatten stellt.

Im Rahmen der Expedition lassen die Forscher regelmäßig einen sogenannten Epibenthosschlitten (ein zur Erforschung der Tiefsee entwickeltes Gerät, Anm.) auf den mehrere Tausend Meter tiefen Meeresgrund hinab. Das rund drei Meter lange Spezialgerät (kleines Bild) sammelt dort biologische Proben und nimmt gleichzeitig Bilder auf.

Eines Tages schien es, als hätte sich der Schlitten am Meeresboden verhakt, und als er schließlich doch wieder an Deck der "SONNE" gehievt werden konnte, staunten die Forscher nicht schlecht: Die Sammelnetze, in denen sich am Boden lebende Tiefseeorganismen verfangen sollten, waren gefüllt mit Manganknollen.

Einige Knollen sind über zehn Millionen Jahre alt
Die Erzknollen, die der Schlitten an die Oberfläche brachte, sind sehr gleichmäßig geformt und reichen von Golfball- bis zu Kegelkugelgröße. Bei Wachstumsraten zwischen einem und fünf Millimetern in einer Million Jahre könnten einige der Knollen über zehn Millionen Jahre alt sein. Fotos, die der "Epibenthosschlitten" vom Meeresgrund gemacht hat, zeigen, dass die Knollen in dem untersuchten Bereich dicht an dicht auf dem Boden des Atlantiks liegen.

"Manganknollen finden sich zwar in allen Meeren, aber die größten Vorkommen sind aus dem Pazifik bekannt. Knollen dieser Größe und in dieser Dichte sind aus dem Atlantik bisher nicht bekannt", so der Geologe Colin Devey vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel.

Auch die Biologen an Bord, deren Geräte für den Zufallsfund gesorgt haben, äußerten sich begeistert: "Diese Entdeckung zeigt uns, wie wenig wir die Meeresböden der Tiefsee kennen und wie viel spannende Erkenntnisse noch auf uns warten", sagte Angelika Brandt vom Centrum für Naturkunde der Universität Hamburg. "An dieser Station waren nur sehr wenige Organismen in dem Netzfang mit den Manganknollen zu finden. Möglicherweise finden Lebewesen in unmittelbarer Umgebung der Knollen keine guten Lebensbedingungen vor."

Als potenzielle Rohstoffquelle im Gespräch
Manganknollen sind kugel- oder blumenkohlförmige Erzklumpen, die meist in Tiefen unterhalb von 4.000 Metern auf den großen Ebenen liegen. Sie bestehen nicht nur aus dem namengebenden Mangan, sondern enthalten auch Eisen sowie begehrte Metalle wie Kupfer, Kobalt oder Zink. Deshalb sind sie seit den 1970er-Jahren als eine mögliche Rohstoffquelle im Gespräch. Wegen des technischen Aufwandes sowie potenzieller Umweltschäden bei der Förderung ist ein Abbau derzeit allerdings noch nicht absehbar.

Weil Manganknollen - ähnlich wie eine Perle - schalenförmig um einen Nukleus herum wachsen, zeichnen sie dabei viele Informationen über die jeweils herrschenden Umweltbedingungen auf und sind deshalb für die Wissenschaft hochinteressant. Da die Knollen sehr langsam wachsen, ermöglichen sie mit entsprechend feinen Analysemethoden eine sehr weit in die Erdgeschichte zurückreichende Umweltrekonstruktion.

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