So, 27. Mai 2018

Agieren "politisch"

30.10.2014 18:00

Kolkraben stören Flirts, um mächtig zu bleiben

Das Römische Reich achtete sorgsam darauf, dass verbündete und unterworfene Völker nicht miteinander, sondern nur mit Rom kooperierten. Das Prinzip "Teile und herrsche!" wenden auch Kolkraben an: Tiere, die bereits eine Beziehung und damit hohes Prestige haben, stören Flirts anderer Vögel und damit deren sozialen Aufstieg, wie Wiener Forscher jetzt herausgefunden haben.

Der Kognitionsbiologe Thomas Bugnyar und sein Team von der Universität Wien und der Konrad Lorenz Forschungsstelle Grünau im Almtal (Oberösterreich) beobachteten eine Gruppe wild lebender Kolkraben in dem Alpental. Bis zu 300 Vögel umfasst diese Gruppe, wobei die hierarchische Stellung der Individuen von ihrem Beziehungsstatus abhängt.

Tiere ohne Beziehung in Hierachie ganz unten
"Wenn zwei Vögel eine gute Beziehung haben, sind sie hochrangig, wenn ein Vogel keinen Freund hat, ist er ganz unten in der Hierarchie", erklärte Erstautor Jorg Massen im Gespräch. Das höchste Ansehen hätten Pärchen, die schon ein Territorium haben. Geknüpft werden Beziehungen durch gegenseitiges Kraulen mit dem Schnabel, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal "Current Biology".

Die Wissenschaftler beobachteten, dass solche Flirts immer wieder gestört und von anderen Raben unterbrochen werden. Entweder ging ein Rabe aggressiv auf die beiden Turtelnden los oder platzierten sich einfach zwischen den beiden. In 53 Prozent der Fälle war der Störenfried dabei erfolgreich und trennte die Flirtenden, ging in den übrigen Fällen aber das Risiko ein, gewaltsam vertrieben zu werden.

Mit Störungen soll soziale Macht gesichert werden
Es stellte sich heraus, dass die Unruhestifter vor allem jene Kolkraben waren, die bereits über eine gute Beziehung verfügen. "Offensichtlich wollen sie nicht, dass andere Tiere eine Beziehung aufbauen und sie damit Konkurrenz im Sozialprestige bekommen", sagte Massen. Weil gut in die Gruppe eingebundene Raben soziale Macht hätten, könnten sie sich solche riskanten Manöver leisten.

Dabei stellt der Flirt zum Zeitpunkt der Störung noch keine unmittelbare Gefahr für die soziale Stellung des Unruhestifters dar. "Es schaut ganz danach aus, als ob Raben ständig die Beziehungen anderer beobachten und wissen, wann es zu handeln gilt, um mögliche zukünftige Probleme zu verhindern", so Massen. Die Vögel würden auch nicht gleich bei jedem Flirt dazwischengehen, aber auch nicht warten, bis es zu spät ist. Ein derartiges "politisches" Vorgehen sei bisher noch bei keiner Tierart beschrieben worden.

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