Wie die Schweizer Nachrichtenseite "20 Minuten" berichtet, suchen immer mehr Jugendliche eine Therapie auf, weil der vermehrte Pornokonsum für sie zum Problem wird. Dania Schiftan vom Zentrum für interdisziplinäre Sexologie und Medizin in Zürich sagt, sie berate vermehrt junge Leute. "Viele von ihnen fragen sich: Ist es noch normal, wie viele Pornos ich schaue?" Bei manchen gehe es sogar am Arbeitsplatz und unterwegs nicht mehr ohne die Sexfilmchen.
Auch die Sexologin Marie-Hélène Stauffacher berichtete, dass sich immer mehr unter 25-Jährige wegen ihres übermäßigen Pornokonsums bei ihr behandeln lassen. "Gerade junge Männer sehen in Pornos einen direkten Weg zur Befriedigung", sagt sie gegenüber der Zeitung "Le Matin". Die Folge: "Sex mit einer Partnerin scheint plötzlich kompliziert zu sein." Junge Männer befürchteten dann, zu wenig Ausdauer zu haben, und die Frauen, den Vorstellungen ihrer Partner nicht gerecht zu werden.
Laut Cornelia Bessler, Chefärztin der Kinder- und Jugendforensik in Zürich, birgt übermäßiger Pornokonsum zudem weitere Gefahren für Teenager. Während der Pubertät seien Jugendliche sehr neugierig, was Sexualität angeht. Doch mit den Bildern, auf die sie während ihrer Suche im Internet stoßen würden, seien viele überfordert: "So kommt es zu Fehlannahmen, was einer Frau gefällt und was nicht." Außerdem seien diese Jugendlichen dann nicht mehr empfänglich für zarte Flirts, es müsse immer gleich zum Geschlechtsverkehr kommen. Diese Jugendlichen bräuchten Aufklärung – "in jeder Hinsicht".
"Wie Essen vor dem Fernseher"
Ein erster Schritt in der Therapie ist laut Schiftan, dass Betroffene lernen, die Filme wieder bewusster zu schauen: Sie rate den Klienten etwa, die Filme im Stehen zu konsumieren, sagt die Therapeutin gegenüber "20 Minuten". "So können sie sich besser auf die Selbstbefriedigung konzentrieren. Sonst ist das wie mit dem Essen vor dem Fernseher: Man macht es einfach, ohne es richtig zu bemerken."
Was die Aufklärung betrifft, sieht Schiftan sowohl die Schulen als auch die Eltern in der Pflicht: "Neue technologische Möglichkeiten schüren immer auch Ängste. Umso wichtiger ist es, dass ein Rahmen geschaffen wird, in dem die Jugendlichen lernen, mit pornografischen Inhalten umzugehen."
"Viele haben einfach nur offene Fragen"
Auch sei nicht jeder Jugendliche, der Pornos schaut, automatisch süchtig. Bei vielen spiele mehr die mangelnde Aufklärung und das im Freundes- und Bekanntenkreis verbreitete Halbwissen eine Rolle. Schiftan: "Längst nicht alle Jugendlichen, die bei mir landen, sind pornosüchtig – viele haben einfach nur offene Fragen."
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