Di, 17. Oktober 2017

Seit Wochen Proteste

28.11.2013 13:28

Unterbringung von Asylwerbern: Wirbel in Serbien

In Serbien laufen die Bewohner mehrerer Orte Sturm gegen die Unterbringung von Asylwerbern. Im Dorf Skela wurde in der Nacht auf Donnerstag eine Notunterkunft für Flüchtlinge in Brand gesetzt, nachdem die Unterbringung von 70 Asylwerbern mit Straßenbarrikaden verhindert worden war. Auch in Bogovadja und Banja Koviljaca hatten Bewohner in den vergangenen Wochen gegen Asylzentren protestiert. Die Regierung in Belgrad weiß mit dem Problem offenbar nicht so recht umzugehen.

Für Serbien ist die Unterbringung von Asylwerbern aus Ländern wie Syrien, Afghanistan oder Pakistan ein relativ neues Phänomen. Nach der Verstärkung der Kontrollen an der ungarisch-serbischen Grenze bleiben immer mehr Flüchtlinge, die eigentlich nach Westeuropa wollen, in dem armen Balkanland hängen. Im Vorjahr gab es 2.700 Asylanträge in Serbien. Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres folgten 3.193 Anträge, bis Jahresende dürften es 4.000 werden.

Die Bewohner von Skela befürchten, dass sich unter den Asylwerbern auch potenzielle Terroristen befänden. Sie argumentieren, dass die Unterbringung der Betroffenen in der Nähe des für die Stromversorgung Serbiens bedeutenden Wärmekraftwerks des Ortes ein Sicherheitsrisiko darstelle.

Premier Dacic: "Verstehen jetzt die Probleme der EU-Staaten"
Die serbische Regierung scheint hilflos im Umgang mit den Protesten. "Serbien ist ein Teil der modernen Welt, kein rassistisches Land", versuchte Ministerpräsident Ivica Dacic den Groll der Dorfbewohner zu besänftigen. Zugleich wies er darauf hin, dass im Vorjahr 16 Prozent aller Asylanträge in der EU von Bürgern der Westbalkanstaaten gestellt worden seien. "Jetzt kann man die Probleme der EU-Staaten verstehen", sagte der Regierungschef.

Besondere Dringlichkeit erhält das Problem durch den Wintereinbruch, da die 70 Asylwerber in Skela ihrerseits seit Wochen unter freiem Himmel im Ort Bogovadja campiert hatten (Bild). Das dortige Flüchtlingslager ist nämlich ebenso wie jenes in Banja Koviljaca heillos überfüllt.

Die meisten Antragsteller halten sich nach Angaben der Behörden nur vorübergehend in Serbien auf, bevor sie ihre Reise in den Westen fortsetzen. Seit Anfang 2012 haben laut der Tageszeitung "Politika" nur fünf Antragsteller den Abschluss des Asylgewährungsverfahrens in Serbien abgewartet.

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