Di, 21. November 2017

Einsatz im Dunkeln

23.08.2010 13:08

Zwei Kletterer von Traunstein-Westwand geholt

Ein 38-jähriger Linzer und ein 33-jähriger Wiener haben am Wochenende der Bergrettung im Bezirk Gmunden gleich zwei Einsätze beschert. Am Samstag lösten die zwei Kletterer einen nächtlichen Rettungseinsatz aus, als sie den Eingang zu einem Klettersteig erkundeten. Am Sonntag mussten sie schließlich bei einbrechender Dunkelheit aus der Traunstein-Westwand geborgen werden.

Die beiden gut ausgerüsteten Alpinisten bekamen auf ihrer Klettertour wegen der Hitze und des Flüssigkeitsmangels große Probleme mit dem Kreislauf und Krämpfe. Der Wiener litt außerdem an Durchfall. Außerdem dürften ihnen Kondition und Erfahrung gefehlt haben, denn ihre letzte große Kletterei lag bereits zehn Jahre zurück.

Nach 23 Seillängen beschlossen die beiden Männer am späten Nachmittag, sich wieder zum Wandfuß abzuseilen. Sie verfehlten jedoch durch ihr senkrechtes Abseilen die Routenführung und konnten in einer Seehöhe von 880 Metern weder vor noch zurück. Einer der beiden stand relativ sicher, der andere hing 50 Meter unterhalb mitten in der Wand und konnte sich nur auf einem schmalen Felsband an den Fels klammern.

Schwierige Bergung durch Dunkelheit
Gegen 20 Uhr riefen die beiden mit dem Handy die Bergrettung. Diese forderte noch einen Rettungshubschrauber an. Die einbrechende Dunkelheit erschwerte die ohnehin schwierige Bergung. Der Flugretter hing am 65 Meter langen Seil unter dem Hubschrauber und war zentimetergenau in die Wand zu dirigieren. Bei der Bergung des zweiten Kletterers wurden die Positionslichter und das weiße Blinklicht des Hubschraubers von vielen Bewohnern rund um den Traunsee als alpines Notsignal gedeutet, was einige Anrufe Besorgter zur Folge hatte.

Überrascht waren die Bergretter, als sie erkannten, dass die beiden Unglücksraben schon am Vortag einen Einsatz ausgelöst hatten: Da waren der Linzer und der Wiener mit Stirnlampen nach Einbruch der Dunkelheit zum Wandfuß aufgestiegen, um den Einstieg in die Kletterroute zu erkunden und um dort einen Teil der Ausrüstung zu deponieren. Die Lichter der Lampen hatten besorgte Anrainer aus Traunkirchen und Altmünster wiederum als alpines Notsignal gedeutet und daraufhin einen Bergrettungseinsatz ausgelöst.

Touren werden oft unterschätzt
Wäre die Bergung am Sonntagabend mit dem Hubschrauber nicht geglückt, hätten die Kletterer die Nacht in der Wand verbringen müssen und wären erst am Montag in einer aufwendigen terrestrischen Bergung aus der Wand geholt worden.

Die Traunstein-Westwand ist mit 30 Seillängen oder 1.500 Klettermetern eine der längsten Kletterwände in den Ostalpen und wird von Alpinprofis als sehr schwierig eingestuft. Die Bergrettung warnte, dass sich immer mehr Alpinisten im Internet über Touren informieren und dabei Trugschlüssen aufsitzen.

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