So, 17. Dezember 2017

"Amphicut" im Einsatz

17.08.2010 14:28

Schilfgürtel des Neusiedler Sees entstehen neu

Im Schilf des Neusiedler Sees werden aus ökologischen Gründen Schritt für Schritt die in den vergangenen Jahrzehnten verschwundenen Kanäle wieder angelegt. Ein Projekt des Landes Burgenland befasst sich mit der Revitalisierung dieser Lebensadern im Schilfgürtel. Zum Einsatz kommt dabei ein speziell konstruiertes Amphibienfahrzeug, der "Amphicut". Ursprünglich zum Schilfschneiden für den Einsatz im Nahen Osten gedacht, wird der 35-Tonner nun quasi als schwimmende Planierraupe eingesetzt.

Früher hielten Fischer und vor allem die Schilfschneider, die sich viel im Schilf bewegten, die Kanäle offen. Dadurch waren Teile des Schilfgürtels befahrbar, so Agrarlandesrat Werner Falb-Meixner (ÖVP) am Dienstag in Oggau. Mit dem Rückgang der beiden Berufszweige begannen auch die Kanäle zu verschwinden. Für die Ökologie des Sees sei es aber überlebensnotwendig, sie freizuhalten.

Amphicut seit 1980ern im Einsatz
Den Neusiedler See umgeben rund 178 Quadratkilometer Schilfgürtel - eine Fläche, die jener von rund 30.000 Fußballfeldern entspricht, schilderte der Seebeauftragte des Landes, Hofrat Helmut Rojacz. Mitte der 80er-Jahre des vorigen Jahrhunderts wurde der Amphicut zunächst als Schilfschneidegerät präsentiert. Damals habe man festgestellt, dass das Gerät das Schilf nicht zerschneide, sondern es mit dem Wurzelbereich zerstöre.

In Zusammenarbeit mit seinem Entwickler, dem Maschinenbauer Josef Pasteiner, versuchte man schließlich, das Amphibienfahrzeug am Neusiedler See einzusetzen, um die Kanäle zu reaktivieren. Das Gerät bewegt sich auf zwei Stahlrohren fort, an denen sich außenseitig Gewinde befinden. Durch die Drehrichtung der beiden Schneckenwellen kann der Fahrer - ähnlich wie bei einem Panzer mittels der Ketten - die Fahrtrichtung und das Tempo bestimmen. Am Bug befindet sich die Fahrerkabine, im Bereich des Hecks wurde der Drehturm eines Baggers montiert.

"Es kommt überall durch"
"Es schraubt sich durch die Gegend und es kommt überall durch. Es gibt auch kein Bergegerät. Wenn ich irgendwo steckenbleibe, muss ich mich selbst befreien", erzählte Pasteiner. Das gelinge in der Regel auch binnen einer Stunde. Das Fahrzeug, dessen Wert er auf etwa 700.000 bis 800.000 Euro schätzt, kann sich am Land, im Wasser und im Schilfbereich ebenso bewegen wie im Morast: "So manche Häfen haben wir auch schon freigelegt" - im vergangenen Winter etwa jenen in Jois.

Als Arbeitsmaschine ist das Tempo des Amphicut begrenzt: Auf offener Wasserfläche beträgt die Höchstgeschwindigkeit acht Stundenkilometer. In den 80ern war das Gerät eigentlich für den arabischen Raum zum Einsatz im Bereich von Euphrat und Tigris bestimmt. Ein Embargo verhinderte aber damals die Ausfuhr in den Irak.

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