Mo, 23. April 2018

Schwindel

16.03.2018 09:56

Alles dreht sich, alles schwankt

Das Gefühl, den Boden unter den Füßen zu verlieren, macht Angst. Was Sie über die verschiedenen Formen von Schwindel wissen sollten und was man dagegen tun kann.

Bei Schwindel handelt es sich um ein subjektives Empfinden des Drehens oder Schwankens, eine Scheinbewegung der Umwelt. Oft geht diese Störung vom Gleichgewichtsorgan aus, aber auch vom Kreislauf, von neurologischen oder orthopädischen Problemen. Den physiologischen Reizschwindel kennt sicher jeder, eine normale Erscheinung, z. B. wenn wir uns in großer Höhe aufhalten oder mit dem Ringelspiel fahren.

 Drehschwindel hat seine Ursache meist im Gleichgewichtsorgan. HNO-Fachärztin Dr. Katharina Meng, Leiterin der Schwindelambulanz am SMZ-Süd – K.Franz-Josef-Spital: „Auslöser ist oft eine Störung der Reizwahrnehmung. Um die Orientierung im Raum zu ermöglichen, muss die Informationsübertragung zwischen Augen, Muskeln und Gleichgewichtsorgan zusammenpassen. Bei widersprüchlichen Signalen kennt sich das Gehirn nicht aus und berechnet die Position im Raum falsch.“ Am häufigsten sind die so genannten Kristalle im Innenohr schuld, welche ebenfalls zur Orientierung im Raum beitragen. "Verrutschen diese Steinchen, reizen sie die Sinneshaarzellen, was Drehschwindel auslöst. Dieser gutartige Lagerungsschwindel tritt vermehrt ab dem 50. Lebensjahr auf, öfter bei Frauen als Männern. Risikofaktoren sind Osteoporose, langes Liegen und Kopfverletzungen, auch Vitamin D-Mangel wird diskutiert“, so Dr. Meng. Die Störung vergeht oft von selbst, ist aber auch gut behandelbar, dann geht es schneller und Chronifizierung wird vermieden. Mit speziellen Lagerungs-Übungen versucht man, die Kristalle wieder an ihren Platz zu manövrieren. Meist ist der „Spuk“ nach wenigen Tagen vorbei.

 Weitere Schwindel-Ursachen: Da wäre z. B. der Ausfall des Gleichgewichtsorgans durch Entzündung von Nerven zu nennen, vermutlich ausgelöst durch Viren. Davon sind oft auch junge Erwachsene betroffen. Ein typisches Augenzittern ist zu erkennen, wenn diese eine Testbrille aufsetzen. Die Patienten leiden unter Übelkeit, neigen zu Stürzen und Drehschwindel. Die positive Nachricht: Das Gehirn kann diesen Ausfall kompensieren, was etwa ein bis zwei Wochen dauert. Cortisonbehandlung verkürzt die Krankheit, der Nerv erholt sich rascher. „Außerdem sollten sich die Patienten schnell wieder bewegen, um die Anpassung zu erleichtern. Durch diese Impulse errechnet das Gehirn die Situation neu und der Zustand normalisiert sich“, erklärt die Fachärztin.

 Morbus Meniere ist eine multifaktorielle Erkrankung, die von Schwindelattacken, Hörminderung, Tinnitus und Druck im Ohr begleitet wird. Häufig bei 40 bis 60-Jährigen, Frauen sind öfter betroffen. „Dahinter steckt ein Ungleichgewicht der Innenohrflüssigkeiten. Das kann genetisch bedingt sein, an gestörter Druckregulation im Ohr liegen, ebenso im Zusammenhang mit Migräne oder der Durchblutung stehen“, erklärt Dr. Meng. „Die Therapiemöglichkeiten reichen von einer Cortison-Injektion ins Mittelohr bis hin zum chirurgischen Eingriff, um die Druckverhältnisse zu verbessern. Treten Anfälle oft auf, kann das Gleichgewichtsorgan mittels eines Antibiotikums ,stillgelegt‘ werden, um weitere Schwindelattacken zu verhindern.“

 Zu den neurologischen Ursachen zählen Durchblutungsstörungen im Gehirn wie etwa nach einem Schlaganfall (Notfall!) oder Funktionsstörungen der Durchblutung bei Migräne (hier lässt sich mit Medikamenten eingreifen). Ebenso können chronische Nervenerkrankungen wie Polyneuropathie, häufig bei Diabetikern, zu Gangunsicherheiten und Schwindelgefühlen führen. Als orthopädische Ursachen kommen etwa Fehlstellung der Halswirbelsäule, Abnützungen oder Muskelverspannungen infrage. Kurzfristige Medikamenteneinnahme, Massagen, Akupunktur, Infiltrationen, Physiotherapie (spezielle Schwindel-Übungen), Muskelaufbau und Wärme sind hier sehr hilfreich. Chronische Schwindelanfälle, die keine organische Auslöser haben, hängen mit Wahrnehmungsstörungen zusammen, die häufig einen psychischen Hintergrund haben wie z. B. Angststörungen. Neben Antidepressiva wirken sich Physio- und Gesprächstherapie günstig aus. Jede Form von Schwindel rasch ärztlich abklären!

Eva Rohrer, Kronen Zeitung 

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