Mo, 23. April 2018

Blutiges Attentat

16.01.2018 11:36

Kosovo: Serbenführer auf offener Straße erschossen

Dienstagfrüh hat sich in Nord-Mitrovica im Kosovo ein blutiges Attentat ereignet, bei dem der kosovarische Serbenführer Oliver Ivanovic ums Leben kam. Der prominente Politiker ist kurz nach acht Uhr vor seinem Büro angeschossen worden, Reanimierungsversuche im Krankenhaus blieben vergeblich. Ivanovic (64) wurde von mindestens fünf Schüssen in die Brust getroffen.

Eine Belgrader Regierungsdelegation, die am Dienstag nach monatelanger Pause in Brüssel die EU-initiierten Normalisierungsgespräche mit Vertretern Pristinas aufnehmen sollte, hat nach dem Anschlag entschieden, die Gespräche zu unterbrechen und nach Belgrad zurückzukehren, meldete der serbische Sender RTS. Der Tod von Ivanovic wurde offiziell von Shuqri Syla, dem Chefankläger der Region, gegenüber dem Sender Free Europe bestätigt.

Fahndung nach Tätern läuft
Der Überfall passierte gegen 8.15 Uhr. Von der Polizei sind nach dem Angriff vor den Büroräumen drei Patronenhülsen sichergestellt worden, ließ Ivanovics Partei SDP verlauten. Über die Angreifer ist noch nichts bekannt, die Fahndung läuft auf Hochtouren. Bei einem nur wenige Hundert Meter vom Tatort sichergestellten verbrannten Opel Astra soll es sich laut Medienberichten um den Wagen der Täter handeln.

Nicht der erste Anschlag auf Ivanovic
Dem Attentat ist bereits ein Anschlag auf Ivanovic vorausgegangen: Erst vor wenigen Monaten war der Wagen des Politikers vor seinem Wohnhaus in Brand gesetzt worden. Vor den Kommunalwahlen im Oktober 2017 hatten sich vier Kandidaten seiner Sozialdemokratischen Partei nach Drohungen zurückgezogen.

Schuldspruch wegen Kriegsverbrechen im Jänner 2016
Ivanovic war im Jänner 2016 von einem internationalen Gericht in Mitrovica wegen Kriegsverbrechen im Jahr 1999 schuldig gesprochen und zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Im Februar 2017 hatte ein Berufungsgericht im Kosovo die Haftstrafe aufgehoben, der Prozess wurde seit August 2017 neu aufgerollt. Der 64-Jährige galt als einer der wenigen Politiker, die auch Albanisch sprachen und gute Beziehungen zur albanischen Mehrheit im Land unterhielten. In den vergangenen Jahren war er mit der serbischen Regierung zunehmend in Konflikt geraten.

EU vermittelt seit vielen Jahren erfolglos
Der fast nur noch von Albanern bewohnte Kosovo war vor zehn Jahren von Serbien abgefallen. 1999 hatten NATO-Bomben serbisches Militär und Freischärler gezwungen, den Kosovo zu verlassen. Zuvor hatten Serben etwa 800.000 Albaner mit Waffengewalt vertrieben. Serbien will sich mit dem Verlust des Kosovo nicht abfinden und verlangt seine Rückkehr in den Staatsverband. Die EU bemüht sich seit vielen Jahren weitgehend erfolglos, zwischen den zerstrittenen Nachbarn zu vermitteln.

 krone.at
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