Sa, 18. November 2017

Gute Führung

20.10.2008 14:48

„Saliera“-Dieb ist frei

Der "Saliera"-Dieb wird vorzeitig aus der Haft entlassen: Der zu fünf Jahren verurteilte Wiener, der nach seiner Verhaftung zum Frauenschwarm mutierte, wurde unter Anrechnung der U-Haft exakt zwei Jahre und neun Monate verbüßt haben - um drei Monate mehr als die Hälfte seiner Strafe.

Nach dem Absitzen der Strafhälfte können rechtskräftig abgeurteilte Täter ihre vorzeitige bedingte Entlassung beantragen. Beim spektakulärsten Kunstraub der Zweiten Republik hatte der ehemalige Alarmanlagenbauer im Mai 2003 in einer Nacht- und Nebelaktion das auf einen Wert von 36 Millionen Euro geschätzte Salzfass des Renaissance-Künstlers Benvenuto Cellini aus dem Kunsthistorischen Museum gestohlen.

Das zuständige Vollzugsgericht Steyr hatte im Fall des 52-Jährigen keine Einwände gegen dessen Entlassung. "Es stehen dem weder spezial- noch generalpräventive Gründe entgegen", hieß es seitens des Gerichts. Dem früheren Alarmanlagenbauer wurde außerdem eine "ausgezeichnete Führung" bescheinigt, zudem habe er ein gesichertes Entlassungsumfeld.

52-Jähriger will Öffentlichkeit meiden
Der Mann, der einst mit dem spektakulären Diebstahl aus dem Kunsthistorischen Museum (KHM) für Schlagzeilen gesorgt hatte, will nach seiner Entlassung die Öffentlichkeit meiden. "Es wird mit Sicherheit keine Interviews, keine Pressekonferenzen und keine Verfilmung geben", kündigte sein Anwalt Richard Soyer an. Der 52-Jährige sehe sich nicht als Held, betonte sein Rechtsbeistand.

Job und Wohnmöglichkeit vorhanden
"Mein Mandant hat sich bisher nicht und wird sich auch zukünftig nicht medial in Szene setzen. Er hat eine Straftat begangen, zu der es unter besonderen Lebensumständen gekommen ist", sagte Soyer. Zur Zukunft des 52-Jährigen bemerkte der Rechtsanwalt, sowohl ein Job als auch eine Wohnmöglichkeit wären vorhanden. Der Mann werde "ein unspektakuläres Leben" führen. Die Frage, ob er das Alarmanlagen-Geschäft, das er zuletzt in Wien-Neubau betrieben hatte, wieder aufsperren wird, verneinte Soyer: "Das Gewerbe ist ruhend gestellt. Ein Fortsetzen des Geschäfts ist nicht angedacht."

36-Millionen-Kunstwerk gestohlen
Der damals 47-Jährige war am 11. Mai 2003 weit nach Mitternacht über ein Baugerüst ins Kunsthistorische Museum (KHM) eingedrungen, indem er nach oben kletterte und im ersten Stock ein Fenster aufzwängte. Er gelangte zufällig in den Raum, in dem unter einer Vitrine das auf einen Wert von 36 Millionen Euro geschätzte Salzfass des Renaissance-Künstlers Benvenuto Cellini ausgestellt war. Der Eindringling nahm das Kunstwerk an sich, begab sich nach Hause und verstaute sie zunächst unter seinem Bett.

Erpresserbriefe geschrieben
Als er den Zeitungen den Wert seiner Beute entnahm, kam er auf die Idee, an die zuständige Uniqa-Versicherung Erpresserbriefe zu richten. Er verlangte zuerst fünf, später zehn Millionen Euro, allenfalls werde er das Kunstwerk einschmelzen, das er in der Zwischenzeit in einem Waldstück bei Zwettl vergraben hatte.

Täter von Anfang an geständig
Im Jänner 2006 konnte der Mann nach intensiven Ermittlungen ausgeforscht und verhaftet werden. Er zeigte sich von Anfang an geständig und führte die Polizisten zur Saliera, die - wie die Beamten später versicherten - ohne seine Mithilfe niemals gefunden worden wäre. Die Saliera ist mittlerweile wieder im KHM ausgestellt.

Abgesichert für die Zukunft
Der "Saliera"-Dieb hat sich während seiner Haft intensiv mit seiner Zukunft auseinandergesetzt und bei bewilligten Ausgängen Vorkehrungen für die "Zeit danach" getroffen. So hat er eine Wohnung in der Bundeshauptstadt gefunden und sich auch einen Job besorgt.

"Er hat uns eine Arbeitsbestätigung vorgelegt, derzufolge er unmittelbar nach seiner Entlassung bei einer Firma anfangen kann", bestätigte Anstaltsleiter Norbert Minkendorfer der APA.

Der Spezialist für Alarmanlagen, der jahrelang ein Geschäft in Wien-Neubau betrieben hatte, dürfte sich im Gefängnis mustergültig verhalten haben. Er genießt jedenfalls den besten Ruf. "Er war ein guter Mann und sehr tüchtig", meinte Minkendorfer, der dem 52-Jährigen die besten Resozialisierungschancen gibt. "Er hat einen Wohnsitz, Familienanschluss, und er ist ein erstklassiger Techniker. Der wird sicher keinen Tag ohne Beschäftigung sein."

Dass ihm das begangene Verbrechen zukünftig große Probleme machen wird, hält der Anstaltsleiter für ausgeschlossen: "Selbst seine ehemaligen Kunden tragen ihm das nicht nach, was er gemacht hat."

Richard Soyer, der Rechtsbeistand des 52-Jährigen, hatte bereits vor Wochen angekündigt, sein Mandant werde nach seiner Enthaftung keine Interviews geben und sich nicht medial in Szene setzen. Vielmehr wolle er "ein unspektakuläres Leben führen". An eine Wiedereröffnung des ruhend gestellten Fachgeschäfts für Alarmanlagen sei nicht gedacht, versicherte Soyer.

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