AIs Leon Fian am 27. September über die Ziellinie des ersten Wörthersee-Marathons lief, lagen 42,195 Kilometer hinter ihm - und einige überraschende Monate. Eigentlich hätte sein Marathon-Debüt bereits im Frühjahr in Wien stattfinden sollen. Bis zu 160 Laufkilometer pro Woche hatte er dafür absolviert, ehe ihn ein Knochenmarksödem im Schienbein für sechs Wochen stoppte. Der Wörthersee-Marathon war später eigentlich nur als kontrollierter Trainingslauf geplant. Doch nach der Hälfte merkte Fian, dass an diesem Tag mehr möglich war. Er nutzte die Chance - und gewann bei seinem Marathon-Debüt ausgerechnet das Heimrennen. „Im Ziel war da vor allem eines: pure Genugtuung. Ich hatte das Gefühl: „Jetzt hat es sich endlich ausgezahlt“, erzählt der Mühldorfer.
Ein aktives Leben ist mehr als Sport
Wer einen Marathon gewinnt, muss seinem Körper einiges abverlangen. Vital zu leben, bedeutet für den Physiotherapeuten trotzdem nicht, ständig auf Leistung zu schauen. „Es geht für mich um eine gute Balance: sich zu bewegen, auf seinen Körper zu achten und trotzdem das Leben zu genießen und Dinge zu machen, die einem Freude bereiten, auch wenn sie manchmal gar nicht als klassisch gesund zählen.“ Gesundheit solle nicht bedeuten, sich ständig einzuschränken, sondern die Grundlage dafür schaffen, möglichst lange aktiv leben zu können. Bewegung ist dabei nur ein Teil. Für Fian gehören Ernährung, Schlaf und Erholung genauso dazu. Training setze zwar einen Reiz, die Anpassung passiere aber erst danach. Kleine Pausen haben deshalb einen festen Platz in seinem Alltag: das Handy weglegen, eine halbe Stunde auf der Couch, ein Kaffee mit Freunden oder, wenn es sich ausgeht, ein Power-Nap.


„Schlafen und Essen gehört zelebriert“, sagt Fian, der betont: „Wer beruflich viel leistet, muss genauso darauf achten, seinem Körper und Kopf ausreichend Erholung zu geben.“ Das gelingt dem bodenständigen Oberkärntner aber selbst nicht immer perfekt. Denn auch er hat schlechte Tage. Entscheidend sei, dass solche Tage nicht zur Gewohnheit werden. Was hilft, sind Routinen und kleine Rituale im Alltag. „Gerade deshalb ist gutes Zeitmanagement für mich entscheidend.“ Und wenn die Motivation zum Laufen fehlt? Dann zieht Fian zunächst einfach die Schuhe an. Nach zehn Minuten könne man immer noch umdrehen. Meistens läuft es dann aber doch. Gleichzeitig hat ihn seine Verletzung gelehrt, die Signale des Körpers ernster zu nehmen. Nach seinem Marathonsieg tauschte er deshalb einen Großteil seiner üblichen 100 bis 130 Wochenkilometer gegen Padeltennis mit Freunden, Wandern und Buschenschank ein. „Ehrgeiz und Erholung schließen sich auf keinen Fall aus.“
Klein anfangen, lange dabeibleiben

Genau darin steckt auch seine Botschaft an Menschen, die ihr Leben aktiver und vitaler gestalten möchten. Niemand müsse plötzlich fünfmal pro Woche trainieren. 20 bis 30 Minuten zügiges Gehen am Tag, zwei kurze Krafteinheiten pro Woche, ausreichend Schlaf und bewusste Erholung seien ein guter Anfang. „Die beste Bewegung ist nicht die, die auf dem Papier am effektivsten ist, sondern die, die man auch in sechs Monaten noch macht.“ Vor allem jungen Menschen rät Fian, sich nicht von sportlichen Erfolgen auf Social Media unter Druck setzen zu lassen. Es muss nicht sofort ein Marathon sein. „Ein Fünf-Kilometer-Lauf ist ebenso schon ein hohes Ziel und eine großartige Leistung.“ Sein vielleicht wichtigster Gedanke reicht ohnehin weit über den Sport hinaus: „Der wahre Gewinner ist nicht der, der innerhalb von sechs Monaten Training einen Marathon finisht, sondern der, der nach zehn Jahren noch immer Sport macht, Ziele hat und vor allem Spaß daran hat.“