Jetzt nach der Nationalratswahl in Österreich ist die Welt wieder in Ordnung. Die ÖVP hat dazugewonnen. Die Grünen kamen zurück, stiegen auf wie Phönix aus der Asche. Die Liste Jetzt ist draußen, fehlt niemandem. Würde sie jemandem fehlen, wäre sie gewählt geworden. Und dass die Roten mit „Pam“ an der Spitze das schlechteste Ergebnis bei einer Nationalratswahl einfuhren – breiten wir den Mantel des Vergessens darüber. Wichtig ist: Die FPÖ stürzte ab. „Aktion Ibiza“ und „Aktion Spesen“ haben voll eingeschlagen, die kosmische Ordnung ist wiederhergestellt. Die Blauen werden sich wohl auf die Oppositionsbank zurückziehen und ihre Wunden lecken. In der österreichischen Politik herrscht Zufriedenheit, und die hiesigen Medien sind beruhigt. Auch der Bundespräsident kann beruhigt sein, er wird wohl von Gewissenskonflikten bei der Angelobung von Ministern verschont werden. Ausländische Medien und Regierungen blicken wohlwollend über die Grenze nach Österreich, und auch Brüssel kann beruhigt sein. Schließlich und endlich ist der alte und mit Sicherheit neue Kanzler Kurz dafür bekannt, dass er der EU-Führung in Brüssel fast jeden Wunsch von den Augen abliest. Und ein unsäglicher EU-Kommissar hat sich schon zu Wort gemeldet und Kurz empfohlen, sich mit den Grünen zusammenzutun, denn „so könnte er Österreich aus den negativen Schlagzeilen bringen und zu einem starken Akteur auf der europäischen Bühne machen“. Außerdem gibt es bei der FPÖ einen Richtungsstreit und „nicht aufgearbeitete Fragen bis hin zu Skandalen“, meinte der guten Rat erteilende Kommissar.
Josef Höller, per E-Mail
Erschienen am Di, 1.10.2019
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