Triumph für Bode

US-Boy Miller steht als Weltcup-Gesamtsieger fest

Sport
13.03.2008 21:19
Bode Miller steht seit Donnerstag als Gesamtsieger im Weltcup fest. Der US-Amerikaner holte sich zum zweiten Mal nach 2005 die große Kristallkugel. Nach dem Super-G beim Finale in Bormio war nur noch Didier Cuche als Konkurrent übrig geblieben, er verzichtet nach Aussagen der Schweizer Teamsprecherin Kristina Schneider jedoch auf den Start im Slalom am Samstag.

Bei 191 Punkten Rückstand wäre die Chance für Cuche allerdings auch nur noch theoretischer Natur gewesen. Da bei den Damen Lindsey Vonn praktisch fix als Gesamtsiegerin des Weltcups feststeht, dürfte es erstmals seit 25 Jahren ein "US-Double" in alpinen Weltcup geben.

Zweiter Gesamtweltcup-Titel
Mit neuem Skimaterial und als sein eigener Chef hat Bode Miller damit seinen Erfolg von 2005 wiederholt und sich zum zweiten Mal zum Gesamtweltcup-Sieger im Alpinen Skilauf gekrönt. Nach medaillenlosen Olympischen Spielen in Turin 2006 und Weltmeisterschaften in Aare 2007 übernahm der 30-jährige US-Amerikaner wieder die Leaderrolle. Darin fühlt er sich wohl, denn seine Erfolge, so betont der freiheitsliebende Rennläufer immer wieder, wären ohne die Loslösung vom US-Verband nicht möglich gewesen.

Samuel Bode Miller, neben Phil Mahre der einzige US-Amerikaner, der den Gesamtweltcup gewonnen hat, avancierte mit nun insgesamt 31 Weltcupsiegen zum sechsterfolgreichsten Läufer der Geschichte hinter Ingemar Stenmark (SWE/86), Hermann Maier (AUT/53), Alberto Tomba (ITA/50), Marc Girardelli (LUX/46) und Pirmin Zurbriggen (SUI/40). Der Mann aus Franconia im US-Bundesstaat New Hampshire, ein Sohn von Hippies, hat wie die Top-Allrounder Kjetil-Andre Aamodt (NOR), Zurbriggen, Girardelli und Günther Mader (AUT) Siege in allen fünf Disziplinen geschafft.

Trennung vom Verband als Schlüssel zum Erfolg
Der vierfache Weltmeister hat sich im vergangenen Frühjahr vom US-Skiverband abgenabelt. Trotz Anlaufschwierigkeiten und einer Familientragödie - ein Miller-Cousin erschoss einen Polizisten und wurde danach selbst getötet -, schaffte er es, um Coach John McBride und Onkel Michael ein privat finanziertes Team aufzubauen. Seitdem reist er als "Privatier" mit seinem "Team America" im Wohnmobil durch die Weltcupgeschichte. Nominiert und für die Rennen ausgestattet wird er aber vom US-Verband, die Ski-Firma Head lieferte das Siegermaterial.

Miller ist ein genialer Skifahrer, er kann aber auch ein unbequemer Typ sein, legt er sich doch gerne mit Weltcup-Veranstaltern und dem Ski-Weltverband an - oder wer ihm sonst so in die Quere kommt. Was seinen Charakter betrifft, scheiden sich die Geister. Antworten auf Fragen nach der sportlichen Zukunft bleibt er ebenso schuldig wie jene nach dem Privatleben. Eines ist aber gewiss: Bode Miller hinterlässt selbst im trostlosesten Rennort jede Menge bunter Fußnoten.

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