Sa, 21. Juli 2018

Madrid-Anschläge

30.10.2007 09:06

Urteile im Terror-Prozess von Madrid am Mittwoch

Gut dreieinhalb Jahre sind vergangen, seit die Bombenanschläge vom 11. März 2004 in Madrid ganz Spanien in einen Schockzustand versetzt haben. Am Mittwoch sollen in Madrid nun die Urteile gegen die mutmaßlichen Bombenleger und Planer der Attentate mit 191 Toten und mehr als 1800 Verletzten gefällt werden, zu denen sich das Terrornetzwerk El Kaida bekannt hatte.

Mit den Urteilssprüchen geht ein Mammut-Prozess zu Ende, für den rund 300 Zeugen und 60 Fachleute befragt worden waren. Für die 28 Angeklagten hatte die Staatsanwaltschaft am Ende der gut dreimonatigen Verhandlungen ein Strafmaß in der Rekordhöhe von insgesamt 311.865 Jahren Gefängnis gefordert.

Die Verhandlungen um die Anschläge vom 11. März hatten von Mitte Februar bis Anfang Juli gedauert. Die Anklage gegen einen der 29 Angeklagten, den Marokkaner Brahim Mussaten, wurde aus Mangel an Beweisen fallengelassen. Die übrigen Angeklagten, ebenfalls zumeist Marokkaner, wiesen jegliche Vorwürfe zurück, an der Planung oder Ausführung der Anschläge von Madrid beteiligt gewesen zu sein. Auch Verbindungen zu radikalen Islamisten oder der Al Kaida bestritten sie. Aus Protest gegen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft waren mehrere Gefangene während des Prozesses vorübergehend in Hungerstreik getreten.

40.000 Jahre Haft für Drahtzieher
Besonderes Augenmerk lag während der Verhandlungen auf der Rolle von drei mutmaßlichen Drahtziehern der Madrider Anschläge. Für jeden von ihnen hatte die Staatsanwaltschaft Strafen von rund 40.000 Jahren Haft gefordert, wenn auch in der spanischen Vollzugspraxis das Maximum für terroristische Straftaten bei 40 Jahren Haft liegt. Als Drahtzieher gilt zum einen Rabei Usman Sajed Ahmed, bekannt als "Mohammed der Ägypter".

Da er bereits in Italien wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im Gefängnis sitzt, wird er den Urteilsspruch wohl per Videoschaltung mitverfolgen. Auch der Marokkaner Jussef Belhadsch, mutmaßlicher Al-Kaida-Sprecher in Europa, und sein Landsmann Hassan Al Haski, der früher Chef der Islamischen Kämpfergruppe Marokkos in Europa gewesen sein soll, sollen die Attentate von Madrid mitgeplant haben.

Sieben mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge konnten nicht vor Gericht gestellt werden. Sie hatten sich drei Wochen nach der Tat in der Nähe von Madrid in die Luft gesprengt, nachdem die Polizei ihren Aufenthaltsort umstellt hatte.

Zehn Bomben töteten 191 Menschen
Bei den Anschlägen vom 11. März 2004 waren während des morgendlichen Berufsverkehrs in vier Pendlerzügen auf dem Weg nach Madrid zehn Bomben explodiert. 191 Menschen wurden getötet und 1841 weitere verletzt. Es war der schwerste Anschlag in Europa, seit 1988 beim Absturz eines PanAm-Jumbos über der schottischen Ortschaft Lockerbie 270 Menschen ums Leben kamen. Staatsanwalt Javier Zaragoza sprach vom "schlimmsten Attentat in der Geschichte Spaniens".

Die Anschläge hatten den Ausgang der drei Tage später abgehaltenen Parlamentswahl maßgeblich beeinflusst. Die Regierung von Ministerpräsident Jose Maria Aznar hatte die Taten der baskischen Untergrundbewegung ETA zugeschrieben. Schon bald bekannte sich jedoch das Terror-Netzwerk Al Kaida zu den Attentaten und nannte darin Spaniens aktive Unterstützung der US-Truppen im Irak als Grund.

In der ETA-Version sahen viele Spanier ein Täuschungsmanöver der Regierung Aznar. So gewannen überraschend die Sozialisten von Oppositionschef Jose Luis Rodriguez Zapatero die Wahl. Der neue Regierungschef löste später sein Wahlversprechen ein, die spanischen Truppen aus dem Irak abzuziehen.

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