27.12.2017 17:27 |

Gut zu hören!

Audi RS3: Es lebe die Unvernunft! Sie lebe laut!

Wenn es einen Oskar für Motorsound gäbe - der Audi RS3 würde ihn in der Kategorie "Kompaktsportler" bekommen. Über seinen 2,5-Liter-Fünfzylindermotor geht einfach nichts drüber, auch das Feuerwerk eines A45 AMG nicht. Und 400 PS bekommt man in dieser Fahrzeugklasse sonst auch nur beim Tuner.

Es ist Audi hoch anzurechnen, dass sie diese höchst unvernünftige Kompaktrakete tatsächlich bauen. Natürlich sind solche Spaßfahrzeuge mittlerweile verpönt, natürlich aus guten Gründen, schließlich ist dieses Knallbonbon kaum unter zehn Liter auf 100 Kilometer zu bewegen und wenn es wirklich um den Spaß geht, sollte man es vermeiden, allzu genau auf die Verbrauchsanzeige zu schauen. Mein Durchschnittsverbrauch beläuft sich nach einer Woche auf nicht repräsentativ ermittelte 16 Liter und ich gebe mich nicht der Illusion hin, dass es nach zwei Wochen oder zwei Jahren wesentlich weniger wäre. Aber da kann ich mich täuschen, wie gesagt: nicht repräsentativ.

Aber, hey, in einem serienmäßigen Kompaktwagen in 4,1 Sekunden von Null auf Tempo 100? Der kleine Audi krallt sich mit seinen vier Rädern (quattro ist Serie) ultimativ in den Asphalt und reißt dich nach vorn, während die Nackenhärchen soundbedingt senkrecht abstehen. Danke, Auspuffklappen! Im Komfortmodus öffnen sich die erst bei knapp 4000 Umdrehungen pro Minute, darunter bleibt die Soundkulisse gemäßigt. Trotzdem ist der Fünfzylinder immer präsent. Schub gibt es fast immer, außer ganz unten: Ab 1700/min. liegen 480 Nm an. Geschaltet wird per Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe. Das Maximaltempo liegt bei 250 km/h, lässt sich aber zum Preis von gut 2000 Euro auf 280 km/h steigern.

Das Fahrfeeling ist sportwagenartig, angefangen beim fetten, teilweise alcantarabezogenen Sportlenkrad bis zur verbindlichen Art der Härte, mit der das optionale "RS-Sportfahrwerk plus" mit adaptiver Dämpferregelung zwischen Straße und Fahrzeug bzw. Lenker vermittelt. Durch "magnetic ride" werden die Räder in Kurven gezielt abgestützt, was Wankbewegungen weitgehend unterdrückt (25 Millimeter tiefergelegt ist der RS3 auf jeden Fall, auch mit dem Standard-Sportfahrwerk). In engen Kurven neigt der Audi dazu, geradeaus zu schieben. Hier wäre etwas Unterstützung vom Allradantrieb wünschenswert, der das aber sogar zu unterstützen scheint.

Über den "Drive Select"-Knopf lässt sich spürbar Komfort aus den Dämpfern abrufen. Um den Fahrmodus zu wechseln muss man auf das Display schauen und so oft den Knopf drücken, bis der richtige Modus angewählt ist. Das lenkt unnötig ab.

Angesichts des herrlichen Fahrwerks ist es erstaunlich, dass die Progressivlenkung nicht ganz mithalten kann, sie dürfte etwas gefühlvoller und direkter arbeiten. Es entsteht kein ruhiges, geschmeidiges Carven, stattdessen sind häufig Lenkkorrekturen nötig. Dadurch wird der eventuell nervöse Magen eines Beifahrers mehr herausgefordert als in vergleichbaren Geräten. Im Komfortmodus verstärkt sich dieser Effekt.

Unterm Strich
Was für ein Spaßgerät! Vom Innenraum mit Alcantara, Leder und roten Nähten über das Fahrwerk bis zum mächtigen Motor ist alles purer Sport, der Sound ist purer Sex, die Lenkung etwas gewöhnungsbedürftig. Dass man sich den Spaß etwas kosten lassen muss, ist klar. 66.800 Euro stehen in der Liste, der Testwagen kostet inklusive Notwendigkeiten wie LED-Matrix-Scheinwerfern, Assistenzpaket und Bang-&-Olufsen-Sound fast 23.000 Euro mehr. Erstaunlich, dass sogar für den roten Lack an die 1000 Euro fällig werden. Aber solange es den Fünfzylinder gibt, sollte man nicht so genau hinschauen - sondern lieber hinhören.

Warum?

  • Haben wir's schon erwähnt? Der Sound!
  • Mit 400 PS der stärkste seiner Klasse

Warum nicht?

  • Relativ gefühllose Lenkung

Oder vielleicht …

… Mercedes-AMG A 45, VW Golf R Abt, BMW M2 - oder die Limousinenversion.

Stephan Schätzl
Stephan Schätzl
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