03.04.2017 19:51 |

Futterflächen-Zwist

Die Alm-Misere geht in Salzurg weiter

Von wegen "Problem gelöst". Vier Jahre lang haben der Streit, der Papierkrieg, das Zittern um die Förderungen und der Bürokratie-Dschungel Salzburgs Almbauern und Auftreiber in Atem gehalten. Dann kam ein neuer Landwirtschaftsminister und eine (vermeintliche) Lösung. Geht jetzt alles wieder von vorne los?

Denn nach wie vor werden die zu fördernden Almfutterflächen mit Hilfe von Luftbildern berechnet. Dass diese Methode nichts taugt, um festzustellen, was auf einer Alm Futterfläche ist und was nicht, wussten die Betroffenen schon immer. Und es wird noch absurder: Selbst jene Flächen, die noch vor wenigen Jahren durch einen Experten der Agrar Markt Austria (AMA) an Ort und Stelle berechnet wurden, scheinen so nicht mehr zu existieren.

Rätselhaftes Schrumpfen unserer Almen? Das Beispiel des Polzbauers Sepp Tiefenbacher in Niedernsill zeigt die Vorgangsweise: Bei der letzten so genannten Vor-Ort-Kontrolle im Jahr 2013 wurden ihm 80 Hektar Futterfläche bestätigt. Das aktuelle Ergebnis der Luftbilder, analysiert am Schreibtisch im 300 Kilometer entfernten Wien: Es sollen 15 Hektar weniger sein. Tiefenbacher legte Berufung ein, zack waren es nur mehr acht Hektar weniger, also angeblich 72. "Da ist kein Verlass mehr auf gar nichts. Vor allem stört mich der Umgang mit uns Bauern extrem. Wenn vor einigen Jahren die 80 Hektar bestätigt wurden, wie können es jetzt acht oder gar 15 weniger sein? Wir leben nicht im Dschungel, wo alles schnell zuwächst", schimpft er.

Minister mit Taskforce für ein besseres System
Die Auswirkungen durch den neuerlichen "Pfusch" seien extrem. "Ich muss wahrscheinlich einigen Auftreibern absagen", befürchtet Tiefenbacher. Es dürfen nämlich nicht zu viele Tiere den Sommer auf der Hochweide verbringen. Die Vorschrift lautet: Eine Großvieheinheit pro Hektar, grob gesagt ein Rind pro Hektar. Die neuerliche Reduktion der Futterfläche bringt den Polzbauern in die Bredouille und er ist nicht der einzige. Im Pinzgau und Pongau soll es wieder Dutzende Betroffene geben. Was die Landwirte besonders ärgert: Als Andrä Rupprechter Nikolaus Berlakovich gegen ihn demonstrierten im April 2013 800 Almbauern in Fuschl als Landwirtschaftsminister ablöste, versprach er zu Weihnachten 2013 das Problem endgültig zu lösen. Eine Taskforce unter der Leitung des ehemaligen EU-Kommissars Franz Fischler sollte die strittigen Fälle analysieren und eine neues, praktikables System finden, wie die Almfutterflächen festgestellt werden können. "So lange man auf die Luftbilder setzt, werden wir das nie haben. Jedes Mal kommt etwas anderes heraus, das hat mit Rechtssicherheit nichts zu tun", so  Tiefenbacher. In Salzburg blieben vor zwei Jahren von Hunderten angeblichen Fällen 34 wirklich strittige übrig. "Dabei hätten wir besseres zu tun als diesen Papierkrieg zu führen", bringt es Sepp Tiefenbacher auf den Punkt.

Melanie Hutter, Kronen Zeitung

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