02.12.2016 08:43 |

Geldnot, Depression

Was trieb Fünffachmörderin zu dieser Wahnsinnstat?

Nach dem schrecklichen Fund in einem ehemaligen Gasthof in Niederösterreich - eine 35-Jährige hatte ihre drei Kinder (sechs bis neun Jahre alt), ihren Bruder und ihre Mutter erschossen und sich danach selbst gerichtet - fragen sich nicht nur die Einwohner des 170-Seelen-Ortes Schildberg, einem Vorort von Böheimkirchen: Was trieb die Fünffachmörderin zu so einer Wahnsinnstat? Die Waffe, mit der sie die Bluttaten verübte, besaß die Mutter der 35-Jährigen legal.

Mehrere Tage waren die Kinder der 35-jährigen Martina R. nicht mehr in der Schule gewesen. Deshalb hielt die Polizei am Donnerstag Nachschau in dem Haus in Schildberg und entdeckte die Familientragödie: In dem ehemaligen Gasthof lagen die Leichen von drei Erwachsenen und drei Kindern. Auch der Hund war erschossen worden. Alle Leichen wiesen laut Ermittlern mehrere Schusswunden auf. Tatwaffe ist Berichten zufolge eine Walter 765. Martina R.s Mutter Mathilde hatte sie demnach legal besessen.

Kinder durften nicht mit Nachbarskindern spielen
Nachbarn beschreiben die 35-Jährige als Eigenbrötlerin. Niemand hatte engeren Kontakt zu ihr. Die Familie war erst vor zwei Jahren zugezogen, besonders Martina R. schottete sich von den Anrainern völlig ab. Die dreifache Mutter holte ihre Tochter, die siebenjährige Michelle, und die Buben Fabian (9) und Sebastian (10) immer gleich direkt vom Schulbus ab, verbot selbst den Mädchen und Buben aus der Nachbarschaft das Spielen mit ihren Kindern. Auch zu Mutter Mathilde und Bruder Peter hatte kaum jemand Kontakt.

Nachbarn: "Geld war knapp, Kinder hatten Probleme in der Schule"
Hinter der brüchigen Fassade der Außenseiter-Familie dürfte sich das Drama langsam angekündigt haben. Eine Drogenvorgeschichte der getrennt vom Familienvater lebenden 35-Jährigen wird erzählt, das Geld sei immer knapp gewesen. Zudem hätten die Kinder psychische und schulische Probleme gehabt. Die Geschwister wären im Ambulatorium Sonnenschein, einem Sozialpädiatrischen Zentrum in St. Pölten, angemeldet gewesen - hatten die Therapie aber nie besucht.

Die Ermittlungen im Umfeld laufen auf Hochdruck. "Abschiedsbrief wurde bis jetzt keiner gefunden, eine Obduktion ist angeordnet", sagte Staatsanwältin Michaela Schnell noch am Donnerstag der "Krone".

Für Gerichtspsychiater Reinhard Haller ist klar: Die Frau hat "aus Liebe" getötet. "Nicht aus Rache, wie bei Männern, die im Zuge einer Trennung ihre Familie auslöschen." Die 35-Jährige könnte unter Wahnvorstellungen gelitten haben. "Zu 90 Prozent" stünden schwere Depressionen dahinter.

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