Mo, 19. November 2018

Wien-Niederlage 2008

12.06.2016 10:05

Kroatien brennt auf Revanche gegen Türkei

Im ersten Spiel der Gruppe D der Fußball-EM treffen die ambitionierten Kroaten heute (15 Uhr) im Pariser Parc des Princes auf die Türkei. "Wir können es kaum noch abwarten", sagte Ivan Perisic vor dem Match gegen einen besonderen Gegner. 2008 setzte sich die Türkei in Wien auf dramatische, davor und danach in der EM-Geschichte nie wieder gesehene Art und Weise im Viertelfinale durch.

Die seit sieben Spielen ungeschlagenen Kroaten gehen mit viel Pathos und noch höheren Erwartungen in das Turnier. Die Stars wie Luka Modric, Ivan Rakitic oder Mario Mandzukic sind alle fit, das Team ist heiß. "Es ist Zeit für Kroatien, endlich wieder etwas Großes zu erreichen. Wir wollen unser Volk stolz machen", tönte FC-Barcelona-Star Rakitic. Trainer Ante Cacic sieht seine Mannschaft "unter den zehn besten Teams in Europa".

Vor einer Woche feierten die Kroaten gegen San Marino ein 10:0-Schützenfest - es war der höchste Sieg in der Geschichte als eigenständige Nation. Nun kommen jedoch größere Brocken auf die Mannschaft zu. "Wir haben eine sehr schwierige Gruppe", sagte Mittelfeld-Metronom Modric über die Gegner Türkei, Spanien und Tschechien. Dennoch ist die Marschroute für den Champions-League-Sieger von Real Madrid klar: "Es wäre eine Niederlage für uns, wenn wir die Gruppenphase nicht überstehen."

Revanche für die Niederlage von Wien
Als "Schlüssel" für das Weiterkommen bezeichnete Modric gleich das erste Spiel gegen die Türken, das auch die Gelegenheit für eine weitere Revanche bietet. Im Wiener Ernst-Happel-Stadion war Kroatien im EM-Viertelfinale in der 119. Minute in Führung gegangen, Semih Sentürk gelang jedoch drei Minuten später der Ausgleich. Im Elfmeterschießen scheiterten Modric, Rakitic und Mladen Petric, die Türkei gewann mit 3:1.

"Das war der schwierigste Moment meiner Karriere", sagte Rakitic in einem "Kicker"-Interview. "Am liebsten hätte ich mich danach in einer dunklen Ecke verkrochen." An diesem Sonntag in Paris sind auf beiden Seiten noch jeweils vier Spieler von damals mit dabei. Rakitic, Modric, Vedran Corluka und Darijo Srna bei den Kroaten, Arda Turan, Mehmet Topal, Hakan Balta und Gökhan Gönül beim Gegner.

Terim: "Die Türkei gibt niemals auf, das ist in unserer DNA"
Dazu kommt noch Trainer Fatih Terim, der das beste Beispiel dafür ist, welches Selbstvertrauen die Türken noch acht Jahre später aus diesem Sieg ziehen. "Die Türkei gibt niemals auf, das ist in unserer DNA", tönte der 62-Jährige, der zum dritten Mal in seiner Karriere das Nationalteam betreut.

Nach nur einer Niederlage in den vergangenen 15 Spielen ist das Selbstvertrauen groß. Von den jüngsten sieben Testspielen entschied die Türkei fünf für sich, unter anderem gab es Ende März in Wien einen 2:1-Sieg gegen Österreich. "Wir haben in der Vergangenheit schon das Halbfinale erreicht. Warum sollten wir es in Frankreich nicht bis ins Endspiel schaffen?", fragte Terim in die Runde. "Wenn wir gegen Kroatien gut starten, können wir weit kommen."

Im Play-off für die EM 2012 wiederholte sich das brisante Duell, damals behielten die Kroaten mit 3:0 die Oberhand. In Polen und der Ukraine lief dann aber überhaupt nichts zusammen, die "Vatrenti" verpassten sogar den Aufstieg in die K.o.-Runde.

Frankreich ein guter Boden für Kroatien
In Frankreich will die Truppe die jüngsten EM-Misserfolge aber vergessen machen und an den bisher größten fußballerischen Erfolg anknüpfen. Bei der Weltmeisterschaft 1998 scheiterte man erst im Semifinale an den Franzosen und gewann anschließend das Spiel um Platz drei gegen die Niederlande. Außerdem holte sich Davor Suker mit sechs Treffern den Goldenen Schuh.

"Das war historisch. Was das Team erreicht hat, war außergewöhnlich. Ich hoffe, die Rückkehr nach Frankreich bringt uns Glück und wir können ein ähnliches Ergebnis schaffen", sagte Modric. "Ich denke, dass wir besser sind als vor vier oder auch vor acht Jahren", meinte Verteidiger Domagoj Vida. "Es gibt aber nur einen Weg, um das zu zeigen: Auf dem Feld."

Bei den Kroaten könnte Ex-Sturm-Graz-Verteidiger Gordon Schildenfeld in der Innenverteidigung beginnen. Der in Linz geborene Mateo Kovacic (Real Madrid) wird zunächst auf der Bank Platz nehmen.

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