Do, 20. September 2018

Fund im Mühlviertel

30.12.2015 09:46

Wertvolles Jadebeil aus Jungsteinzeit entdeckt

Ein vor rund zehn Jahren im Mühlviertel entdeckter Fund aus der Jungsteinzeit hat sich bei näherer Analyse nun als wertvolles Steinbeil aus geschliffener Jade entpuppt. Der Stein stammt aus der Steiermark. Das gab der Steinzeit-Projektleiter des Kulturvereins "Landschaftsschule Donauschlinge", Gernot Krondorfer, nach der wissenschaftlichen Auswertung des Fundes bekannt.

Das nur 4,7 Zentimeter lange und 2,7 Zentimeter breite leuchtend grüne Stück wurde nahe der Gemeinde Niederkappel im oberöstereichischen Bezirk Rohrbach auf einer Siedlungsfläche der Chamer-Kultur (3300 bis 2700 vor Christus) gefunden. Ein Forscherteam der Universität Wien, des Universalmuseum Joanneum in Graz und der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) hat den Fund nun analysiert und zugeordnet.

Jade war in Jungsteinzeit Luxusobjekt
Demnach handelt es sich bei dem Material um Nephrit-Jade. Deren hohe Druckfestigkeit übertrifft oftmals jene von Stahl. Das für die Holzbearbeitung geeignete Schneidewerkzeug stellte schon in der Jungsteinzeit ein Luxusobjekt dar. Weil in Oberösterreich keine derartigen Vorkommen bekannt sind, war bald klar, dass es sich um ein Importstück handelte. Tatsächlich weist es eine sehr gute Übereinstimmung mit Funden in den Sedimentablagerungen der Mur in Graz auf. Somit dürfte das Rohmaterial oder das fertige Beil seinen Weg aus der Steiermark nach Oberösterreich gefunden haben. Als primäres Ursprungsgebiet der steirischen Nephritgeschiebe wird die Gegend von Zederhaus im Lungau im Salzburger Quellgebiet der Mur angenommen.

Rohstoffwanderungen wie diese liefern der Forschung wertvolle Hinweise auf die damaligen Kontakte und Handelsbeziehungen unter den jeweiligen Regionen. Man nimmt an, dass es sich bei solchen Raritäten um besondere Prestige- oder Statusobjekte handelt, die auch über weite Entfernungen transportiert wurden.

Fast bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren keine europäischen Vorkommen von Nephrit bekannt und die hier vereinzelt aufgefundenen Beile gaben der Wissenschaft Rätsel auf. Man sprach sogar von steinzeitlichen Importen aus China. Denn die Portugieser machten Ende des 16. Jahrhunderts in China Bekanntschaft mit Jade.

Jade diente als Heilstein bei Nierenproblemen
Zu Beginn des selben Jahrhunderts hatten die Spanier den Stein in Mittelamerika durch die Azteken kennengelernt. Auf sie geht vermutlich auch der Name Jade zurück. In beiden Ecken der Welt diente er angeblich als Heilstein bei Nierenproblemen. Sowohl "Jade" als auch der in der Mineralogie verwendete griechische Begriff "Nephrit" weisen auf "Niere" hin.

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