Do, 16. August 2018

Anti-IS-Einsatz

04.12.2015 20:34

Warum die deutschen Tornado-Jets so wichtig sind

Der Deutsche Bundestag hat mit großer Mehrheit einem Militäreinsatz der Bundeswehr gegen die Extremistenmiliz IS in Syrien und dem Irak zugestimmt. Die ersten Tornado-Jets sollen bereits nächste Woche in die Türkei verlegt werden. Die umstrittene Mission der Bundeswehr wird von den NATO-Partnern sehr begrüßt, denn die Bilder, die die Aufklärungsflieger machen sollen, haben eine Qualität, die derzeit offenbar kein anderer Allianzpartner bieten kann.

Das Geheimnis bestehe im Zusammenspiel erfahrener Auswertungsteams mit einer sehr guten Technik. "Unsere Auswerter sind NATO-weit bekannt und begehrt, sie haben ihr Können schon damals in Jugoslawien unter Beweis gestellt", sagt einer der Piloten. Eine Drohne könne diese Arbeit nicht so erledigen. Die unbemannten Fluggeräte hätten zwar eine lange Stehzeit in der Luft, seien aber meist nur mit Filmkameras unterwegs. Fotos lieferten dagegen eine viel bessere Auflösung.

Drohnen sind leichter abzuschießen
Dies sei unter anderem deshalb wichtig, um zivile Opfer bei Luftangriffen zu vermeiden, sagt ein anderer Experte. Schließlich werden auch die deutschen Bilder die Grundlage für Bombenangriffe bilden. Drohnen seien träge, langsam und könnten leichter abgeschossen werden. Zudem erledigten Drohnen und Aufklärungsjets grundsätzlich unterschiedliche Aufgaben: Drohnen kämen oft zum Einsatz, wenn es darum gehe, rasch Informationen über ein möglicherweise auch bewegliches Ziel für einen Luftangriff zu beschaffen. Ein Ziel dagegen wenige Minuten vor dem Angriff mit einem Jet aufzuklären, habe wenig Sinn.

Der Auftrag der Bundeswehr dagegen laute, ein Lagebild zu erstellen und Hauptquartiere, Munitionsdepots und Waffenlager oder IS-Stellungen in Syrien und dem Nordirak zu finden. Die Tornados könnten zudem den Auftrag erhalten, um nach dem Überflug einer Drohne detailliertere Aufnahmen von einem bestimmten Ort zu machen, Informationen aus anderen Quellen zu überprüfen oder festzustellen, ob ein Luftangriff sein Ziel zerstört habe.

"Sehr sinnvolle Ergänzung zu bisheriger Aufklärung"
"Wir bilden eine sehr, sehr sinnvolle Ergänzung zu den bereits vorhandenen Aufklärungssystemen", sagt auch der Kommodore des Geschwaders in Jagel, Oberst Michael Krah. "Gerade mit unseren Tornados können wir wirklich hoch detaillierte Bilder von sehr großen Flächen in sehr kurzer Zeit zur Verfügung stellen. Das ist eine Fähigkeit, die so vor Ort noch nicht da ist." Wie hoch die Tornados über Syrien fliegen werden, will in Jagel niemand verraten. Die übliche Flughöhe liege aber bei 15.000 bis 20.000 Fuß, also 4500 bis 6000 Metern.

Um sicherzustellen, dass die deutschen Bilder tatsächlich nur zum Kampf gegen den IS und nicht für andere Zwecke eingesetzt werden, wird bis Jänner auch ein deutscher Oberst in Katar Quartier beziehen. Er entscheidet dann zunächst darüber, ob die Aufklärungsaufträge dem Bundestagsmandat entsprechen - und später, ob die Bilder weitergegeben werden können. So soll ausgeschlossen werden, dass etwa die türkische Luftwaffe mit Hilfe deutscher Aufklärungsbilder Stellungen der Kurden bombardiert.

Abschussgefahr für Tornados durch IS ist "minimal"
Für die deutschen Piloten und ihre Waffensystemoffiziere ist der Einsatz nicht ungefährlich. "Die Bedrohung ist vorhanden, die ist real", sagt Krah. "Wir wissen, dass der Islamische Staat durchaus über Mittel verfügt, um gegen Luftfahrzeuge vorzugehen." Darauf seien die Soldaten aber vorbereitet. "Unsere Sensorik erlaubt ja gerade in Höhen zu fliegen, dass wir uns dieser Bedrohung nur minimal aussetzen."

NATO-Partner für Rettung abgeschossener Piloten zuständig
Die größte Gefahr für die deutschen Jets geht in niedriger Flughöhe nach den Worten des Piloten Alexander S. von Kämpfern mit Maschinengewehren und sogenannten Manpads aus, Luftabwehr-Raketen, die von der Schulter aus abgefeuert werden. "Wir werden unsere Einsatzprofile so planen, dass wir dieser Bedrohung aus dem Weg gehen", erklärt er dazu. Außerdem soll der IS nach Aussage von Experten über einige erbeutete Flugabwehrkanonen verfügen. Sollte ein deutscher Tornado abgeschossen werden oder abstürzen, sind US-Soldaten der Anti-IS-Koalition für die Rettung der Besatzung zuständig.

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