So, 23. September 2018

Interessantes RPG

02.12.2015 14:20

Dungeon-Baukasten "Sword Coast Legends" im Test

In "Sword Coast Legends" können Rollenspieler seit kurzem auf den Spuren von Klassikern wie "Baldur's Gate" das Fantasy-Reich der Schwertküste erkunden. Neben einer Einzelspieler-Kampagne lockt der Titel vor allem mit seinem Dungeon-Baukasten und einem kooperativen Multiplayer-Modus, in dem vier Spieler Verliese erkunden und ein fünfter ihnen als Dungeon Master das Leben zur Hölle macht. Wie sich das spielt, hat krone.at getestet.

Auch, wenn "Sword Coast Legends" für viele Spieler vor allem wegen des Koop-Modus und Editors spannend sein dürfte, bietet das Game auch eine interessante Einzelspielerkampagne. Darin schlüpft der Spieler in die Haut eines der letzten Überlebenden einer Gilde, deren Mitglieder von mysteriösen Albträumen heimgesucht und von einem Ritterorden gejagt werden, der ihnen üble Machenschaften mit Dämonen vorwirft. Im Spielverlauf gilt es, den Vorgängen auf den Grund zu gehen.

Auf Zugänglichkeit getrimmt
Spielerisch gibt sich "Sword Coast Legends" auf den ersten Blick wie ein klassisches Dungeons- and Dragons-RPG à la "Baldur's Gate". Genreveteranen kommen aber bereits bei der Charakter-Erstellung dahinter, dass die Entwickler das Regelwerk "entschlackt" haben. Die Zahl der spielbaren Rassen ist geringer als in anderen Rollenspielen, die Zahl der Klassen ebenfalls und auch bei den Fähigkeiten und Charakterpunkten wirkt "Sword Coast Legends", als hätte man es auf Zugänglichkeit getrimmt. Rollenspiel-Puristen wird das stören.

Wie seine Urväter erlaubt auch "Sword Coast Legends", den Kampf zu pausieren und den vier Helden in der Gruppe des Spielers Befehle zu geben. Im Test war das auch nötig: Die Künstliche Intelligenz der computergesteuerten Mitspieler kämpft hie und da mit Aussetzern.

Spannende Geschichte mit Déjà-Vus
Spielerisch hinterlässt die Einzelspielerkampagne einen gemischten Eindruck. Die Geschichte ist gut geschrieben und erfreut mit vielen liebenswürdigen und schrägen Charakteren. Wenn man sich eine Weile mit ihr beschäftigt, kommt es allerdings zu Déjà-vus. Wenig einfallsreiche Quests im MMO-Stil, die sich in leicht abgewandelter Form wiederholen, könnten manche Spieler stören.

Möglichkeiten des Editors nicht unbegrenzt
Solide, aber nicht unbedingt übersichtlich, gibt sich der Editor von "Sword Coast Legends". Mit ihm dürfen Spieler Verliese entwerfen, mit Gegenständen, Gegnern, Charakteren und vielen anderen Dingen füllen und sie anschließend der Online-Community zur Verfügung stellen. Theoretisch sorgt das für unendlichen Nachschub an Dungeons und kleinen Kampagnen und im Test fanden wir in "Sword Coast Legends" tatsächlich hunderte nutzergenerierte Levels.

Der Teufel liegt im Detail: Mit dem Editor lässt sich zwar viel machen, zur Glückseligkeit fehlt aber etwa die Möglichkeit, Waffen und Rüstungen selbst mit Attributen zu versehen. Hier bietet der Editor nur die Möglichkeit, Schätze mit zufälligen Attributen in Levels zu verteilen. Auch die Möglichkeiten des Storytellings sind überschaubar, schon allein, weil die Zahl der Karten, die man aneinander reihen darf, enden wollend ist. Hinzu kommt: Völlig frei gestalten dürfen Nutzer die Levels nicht, sie wählen eher aus vorgefertigten Grund-Layouts, die sie verfeinern.

Multiplayer leidet unter limitiertem Editor
Das hat zur Folge, dass der Dungeon-Master-Modus nicht ganz halten kann, was man sich von ihm erhofft. Klar ist es unterhaltsam, sich durch nutzergenerierte Verliese zu schnetzeln und dabei von einem übermächtigen Dungeon Master beobachtet, sabotiert oder unterstützt zu werden. Wegen der Editor-Limitierungen sind die Verliese aber meist eher Schlachtfelder im "Diablo"-Stil, in denen Spieler massenhaft Gegner töten, plündern - und hoffen, niemand macht ihnen einen Strich durch die Rechnung.

Das macht mit Gleichgesinnten durchaus Spaß, ausufernde von der Community erstellte Geschichten sollte man sich aber nicht erwarten. Hinzu kommt: Richtigen Spaß macht das kooperative Spiel nur mit Freunden. Schließt man sich einer zufällig zusammengewürfelten Online-Partie an, hat man es oft mit Mitspielern zu tun, die der Gruppe mehr schaden als nützen.

Solide Optik, guter Sound
Optisch hinterlässt "Sword Coast Legends" einen gemischten Eindruck. Das Game bietet ansehnliche Umgebungen und hübsche Zaubereffekte, insgesamt könnte sich manch ein Spieler aber etwas mehr Abwechslung und einen höheren Detailgrad erhoffen. Am Sound haben wir nichts auszusetzen. Der Soundtrack untermalt das Geschehen passend, die englische Sprachausgabe (deutsche Untertitel vorhanden) ist gut umgesetzt, Soundeffekte sind passend.

Fazit: "Sword Coast Legends" ist nicht der erhoffte RPG-Baukasten mit nie versiegendem Nachschub spannender Erzählungen geworden, wohl aber ein unterhaltsames RPG mit guter Einzelspieler-Kampagne und reichlich Dungeon-Nachschub für Koop-Beutezüge. Dass sich manches wiederholt und der Editor übersichtlicher sein könnte, wird Genre-Fans nicht übermäßig stören. Sie sollten sich aber bewusst sein, dass sie es mit einem auf Zugänglichkeit getrimmten Game zu tun haben.

Plattform: PC
Publisher: Digital Extremes
krone.at-Wertung: 7/10

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