Sandoz in Kundl

Hoher Druck von China auf Tiroler Pharmariese

Tirol
22.10.2026 17:00

Die Chefetage bei Sandoz in Kundl im Tiroler Unterland schlägt Alarm wegen der Billig-Produktion in Asien. LH Anton Mattle meint dazu: „Brüssel muss endlich aufwachen!“

Alarm schlägt einmal mehr die Geschäftsführung von Sandoz. Der Standort in Kundl im Tiroler Unterland könne kaum mehr mit der Konkurrenz aus China mithalten, heißt es. Das letzte vollständig integrierte Penicillin-Werk in Europa stehe vor einer ungewissen Zukunft. Grund dafür sind vor allem die deutlich niedrigeren Kosten, mit denen in Asien produziert werden könne.

Wenn der Standort in Kundl schließen müsse, wäre Europa bei dem lebenswichtigen Antibiotikum „vollständig abhängig“ von China, warnt Standortleiterin Stephanie Jedner.

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Ich stehe voll und ganz hinter dem berechtigten Aufschrei und appelliere an die Brüsseler Politik, endlich aufzuwachen.

LH Anton Mattle

95 Prozent der Wirkstoffe nicht in Europa produziert
Nachdem bereits mehrere Wettbewerber angekündigt haben, ihre Produktion einzustellen oder nach China zu verlagern, rückt Kundl zunehmend ins Zentrum einer Debatte über Europas Versorgungssicherheit. In einer Stellungnahme an britische Parlamentarier warnte Sandoz bereits Anfang des Jahres, dass die Produktion in Kundl „wirtschaftlich nicht tragfähig“ sei, wenn Regierungen nicht mehr für Penicillin zahlen.

Laut dem Unternehmen werden heute schon bis zu 95 Prozent der weltweiten antibiotischen Wirkstoffe außerhalb Europas produziert. Sandoz wirft China vor, den Markt mit billigen, staatlich subventionierten Wirkstoffen zu überschwemmen. Bereits im März reichte der Konzern deshalb in Brüssel eine Beschwerde ein.

Mehr Spielraum bei der Preisgestaltung gefordert
Die Europäische Kommission dürfte bald eine Antidumping-Untersuchung einleiten. Wann sie beginnt, ist wegen eines Rückstaus anderer Beschwerden allerdings unklar, sagten EU-Handelsexperten, europäische Beamte und China-Wissenschaftler. Sandoz-Chef Richard Saynor fordert ein grundlegendes Umdenken. Um zukunftsfähig zu sein, brauche es bei lebensrettenden Medikamenten mehr Spielraum bei der Preisgestaltung.

Unterstützung erhält der Konzern von Tirols LH Anton Mattle: „Ich stehe voll und ganz hinter dem berechtigten Aufschrei und appelliere an die Brüsseler Politik, endlich aufzuwachen.“

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