Mi, 22. August 2018

Nach Anschlägen

11.01.2015 19:02

Frankreich: Millionen Menschen bei Gedenkmärschen

Bei einer der größten Kundgebungen in der französischen Geschichte haben am Sonntag alleine in Paris laut Schätzungen der Behörden 1,3 bis 1,5 Millionen Menschen der Opfer der islamistischen Anschläge der vergangenen Woche gedacht. Der Platz der Republik im Stadtzentrum war lange vor Beginn des Gedenkmarsches, an dem auch Dutzende Staats- und Regierungschefs teilnahmen, überfüllt. In ganz Frankreich waren rund drei Millionen Menschen auf den Straßen.

Demonstranten schwenkten am Sonntagnachmittag französische Fahnen und riefen immer wieder in Sprechchören: "Vive la France" und "Wir sind Charlie". Fast gleichzeitig wurde im Internet ein Bekennervideo eines der Attentäter veröffentlicht. Darin erklärt er, die Anschläge auf das Satire-Blatt "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt seien koordiniert geplant worden. Bei den Angriffen wurden 17 Menschen getötet, auch die drei Attentäter wurden erschossen.

Internationale Polit-Prominenz bei Gedenkmarsch
Angeführt wurde der Pariser Gedenkzug vom französischen Staatspräsidenten Francois Hollande. "Paris ist heute die Hauptstadt der Welt", sagte er in einer Kabinettssitzung vor Beginn des "Republikanischen Marschs". "Unser ganzes Land wird aufstehen und sich von seiner besten Seite zeigen." An Hollandes Seite waren untergehakt unter anderem Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel zu sehen - alle in Schwarz gekleidet.

Österreich durch Kurz und Mikl-Leitner vertreten
Dutzende Staats- und Regierungschefs hatten sich angesagt, unter ihnen der türkische Ministerpräsident Ahmet Davutoglu, Palästinenserpräsident Mahmoud Abbas und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon. Österreich war durch Nationalratspräsidentin Doris Bures, Außenminister Sebastian Kurz und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner vertreten. Die meisten Staats- und Regierungschefs verließen die Kundgebung nach einer Viertelstunde wieder.

Das französische Fernsehen sprach von der größten Kundgebung in Paris seit dem Ende Zweiten Weltkriegs. "Ich bin hier, um zu zeigen, dass die Terroristen nicht gewonnen haben" sagte die 34-jährige Franko-Marokkanerin Zakaria Moumni. "Im Gegenteil: Sie bringen die Menschen aller Religionen zusammen." Auf einem handgeschriebenen Plakat war ein Zitat des legendären US-Präsidenten Thomas Jefferson zu lesen: "Unsere Freiheit beginnt mit der Freiheit der Presse."

Neben französischen wurden zum Gedenken an die bei der Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt umgekommenen Menschen auch israelische Flaggen geschwenkt. Auf Transparenten hieß es: "Freiheit - Wir sind deinetwegen hier" oder "Charlie Akbar" - in Anspielung auf das islamische Glaubensbekenntnis "Allah ist groß".

Große Kundgebungen in anderen Städten Frankreichs
In Lyon nahmen 300.000 Menschen an einem Gedenkmarsch teil - das ist etwa ein Viertel der Bevölkerung des Großraums Lyon. Im südwestfranzösischen Bordeaux gingen 140.000 Menschen auf die Straße, im nordwestfranzösischen Rennes waren es laut Präfektur 115.000. In der Alpenstadt Grenoble sprach die Polizei von 110.000 Teilnehmern bei einem Trauerzug, in der Mittelmeerstadt Marseille zählte die Präfektur 60.000 Demonstranten, im zentralfranzösischen Clermont-Ferrand 50.000.

Laut Präfektur gedachten in der Loire-Stadt Angers 45.000 Menschen der Anschlagsopfer, im elsässischen Straßburg nahe der deutschen Grenze waren es 40.000.

Kundgebungen in ganz Europa
Nicht nur in Frankreich ist am Sonntag der Opfer der islamistischen Anschlagsserie gedacht worden. Auch in Wien, Berlin, Madrid, London, Brüssel und vielen weiteren Großstädten solidarisierten sich Tausende Menschen mit den Opfern.

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