Berufslenker angeklagt

Tödlicher Bus-Unfall: 36 Sekunden nicht reagiert

Gericht
18.12.2025 16:22

Ein slowakischer Berufslenker (58) fuhr Mitte Mai 2024 auf der A1 in Thalgau zu schnell in eine Baustelle: Es gab neun verletzte Passagiere und einen Todesfall bei dem schweren Verkehrsunfall. Vor Gericht meinte der Lenker, dass er nicht zu stark bremsen wollte, weil Fahrgäste schliefen. Der Gutachter fand deutliche Worte.

Der 11. Mai 2024, kurz nach Mitternacht. Ein Reisebus der Marke Setra war mit zehn Passagieren auf der A1 in Richtung Wien unterwegs, als es im Bereich einer Baustelle in Thalgau krachte: Der Bus war gegen eine Beton-Mittelschutzwand geprallt, stürzte seitlich um und rutschte weitere 190 Meter über den Asphalt. Rund 100 Einsatzkräfte von Rettung, Polizei und Feuerwehr eilten zum Unfallort.

Einige Passagiere waren eingeklemmt.
Einige Passagiere waren eingeklemmt.(Bild: Markus Tschepp)

Einige eingeklemmte Passagiere mussten geborgen werden, andere wurden sofort ins Krankenhaus gebracht. Erst später stand fest: Neun Personen wurden verletzt – ein 77-Jähriger starb viereinhalb Monate später im Spital.

Verteidiger äußert Zweifel
Mehr als eineinhalb Jahre nach dem schweren Unfall musste sich der Chauffeur, ein Slowake (58), im Salzburger Landesgericht verantworten – wegen grob fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung. „Ein Aufmerksamkeitsfehler ist passiert. Er war im entscheidenden Moment zu schnell“, erklärte Verteidiger Hermann Hinterberger und kündigte ein „Tatsachengeständnis“ an. Denn: Eine „grobe Fahrlässigkeit“ zog der Anwalt in Zweifel. Zudem sei nicht klar, ob der 77-Jährige an den Unfall-Folgen gestorben sei, da dieser schon etliche Vorerkrankungen hatte. „Es tut mir sehr leid. Ich würde mich gerne bei den Opfern entschuldigen“, sagte der Berufslenker.

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Es ist bemerkenswert, wie lange er die Tafeln nicht gesehen oder ignoriert hat. Ich empfehle eine Überprüfung der Fahrtauglichkeit.

Sachverständiger Gerhard Kronreif im Prozess


Warum hat er damals das Tempo nicht reduziert? „Die meisten Passagiere schliefen, ich wollte nicht allzu stark bremsen.“ Dazu ergänzte er, dass er geblendet worden sei und die Schilder nicht registriert habe. Nicht möglich, erwiderte Unfall-Experte und Gutachter Gerhard Kronreif: „Der Angeklagte hat 36 Sekunden lang überhaupt nicht reagiert. Erst als die Baustelle erkennbar war, kam es zur Vollbremsung.“ Bis dahin war der Bus konstant mit Tempo 100 unterwegs. Bei der Baustelle war nur 60 km/h erlaubt. „Es ist bemerkenswert, wie lange er die Tafeln nicht gesehen oder ignoriert hat.“ Kronreif regte sogar eine Überprüfung der Fahrtauglichkeit an.

Die Richterin vertagte den Strafprozess zur Einholung eines Gutachtens. Ein Gerichtsmediziner soll die genauen Todesumstände beim 77-jährigen Opfer klären.

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