2,0 Prozent

Erhöhung frühestens 2026: Leitzins bleibt konstant

Wirtschaft
18.12.2025 15:11
Porträt von krone.at
Von krone.at

Die Europäische Zentralbank (EZB) belässt den Leitzins ein weiteres Mal – zum bereits vierten Mal in Folge – unverändert. In der Dezember-Sitzung hielt der EZB-Rat am Einlagensatz von 2,0 Prozent fest.

Diesen erhalten Banken für das Parken überschüssiger Gelder bei der EZB. Er dient als maßgebliches Steuerungselement für die Geldpolitik im Euroraum. Der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich Geschäftsbanken Geld von der EZB leihen können, bleibt bei 2,15 Prozent.

Leitzins seit Sommer unverändert
Die Währungshüter um EZB-Präsidentin Christine Lagarde hatten die Zinsen bereits im Juli, September und Oktober konstant gehalten. Im November lag die Inflation in der Eurozone mit 2,1 Prozent praktisch beim Zielwert der EZB von zwei Prozent. In Österreich lag die Teuerung allerdings noch bei vier Prozent. Von Mitte 2024 bis Mitte 2025 wurde der Leitzins wegen sinkender Inflationsrisiken von vier auf zwei Prozent halbiert.

Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten keine Veränderung am Zinskurs erwartet. „Die abwartende Geldpolitik ist folgerichtig in der aktuellen wirtschaftlichen Situation der Euro-Zone und bewahrt gleichzeitig die Flexibilität, Zinsen nach oben oder nach unten anpassen zu können“, sagte Ökonomin Lena Dräger vom Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW). „Diese Flexibilität sollte sich die EZB der weiterhin sehr hohen wirtschaftlichen und politischen Unsicherheit bewahren.“

Gegen eine weitere Zinssenkung spricht die vergleichsweise hohe Kerninflation von aktuell 2,4 Prozent. Hier werden die stark schwankenden Energie- und Lebensmittelpreise herausgerechnet. Gegen sie kann die Geldpolitik wenig ausrichten, da deren Weltmarktpreise eher von geopolitischen und klimatischen Bedingungen abhängen.

Rege Diskussionen hinter den Kulissen
Hinter den Kulissen dürfte es rege Diskussionen über den künftigen Inflationsausblick und die damit verbundenen Risiken geben. An den Finanzmärkten wird bereits über eine mögliche Zinserhöhung 2026 oder spätestens 2027 spekuliert. Preisdruck dürfte etwa von der expansiven deutschen Finanzpolitik ausgehen, die im kommenden Jahr viele Milliarden Euro für Infrastruktur und Verteidigung ausgeben will. Das könnte für neuen Inflationsdruck sorgen. EZB-Direktorin Isabel Schnabel hatte zuletzt signalisiert, dass der nächste Schritt eine Zinserhöhung sein könnte. Händler preisen inzwischen eine etwa 30-prozentige Wahrscheinlichkeit für einen solchen Schritt bis Ende 2026 ein.

Hinzu kommt, dass die Euro-Wirtschaft trotz Belastungen wie den hohen US-Zöllen in diesem Jahr um mehr als ein Prozent wachsen könnte. Auf neue Impulse durch billigeres Geld ist sie damit nicht so sehr angewiesen. „Bisher zeigt sich die Euroraum-Wirtschaft widerstandsfähig“, sagte Commerzbank-Ökonom Marco Wagner.

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