Großer Preis von Wien

Doppelte Frauenpower als Höhepunkt in Schönbrunn

Sport-Mix
28.09.2026 01:41

Am Sonntagabend spielte sich vor dem Schloss Schönbrunn noch ein regelrechter Krimi ab. Schließlich setzte sich im Großen Preis von Wien die Deutsche Sophie Hinners (28) durch, im Sattel ihrer Stute „Iron Dames Combella“ quasi gleich mit doppelter Frauenpower.  

Wer den 1,60 Meter hohen Parcours des Großen Preis von Wien bei der Longines Global Champions Tour näher in Augenschein nehmen durfte, wusste sofort: Das wird keine leichte Aufgabe für die 40 Pferd-Reiter-Paare. Denn Parcoursdesigner Peter Schumacher (GER) und sein Team verlangten nicht nur Mut und Springvermögen, auch technisch hatte man einige Finessen eingebaut, um dem Fünf-Sterne-Turnier einen würdigen Abschluss zu bieten. 

Und so fielen bei einigen der weltbesten Reiter die Stangen, erst Katharina Rhomberg als siebte Starterin schaffte mit ihrem „Colestus Cambridge“ eine Nullrunde – und lange Zeit sah es so aus, als würde das so bleiben. Doch schließlich schafften es doch weitere sechs Teilnehmer, im Grundumlauf fehlerfrei zu bleiben. 

Hochspannung im Stechen bis zum Schluss
„Ein Grand Prix über 1,60 Meter verzeiht wenig. Im Grundumlauf geht es zunächst darum, technisch sauber und fehlerfrei zu bleiben. Im Stechen kommt das Risiko dazu. Wenn dann 40 Paare um Zehntelsekunden kämpfen, sieht man sehr deutlich, was diesen Sport ausmacht“, so Ex-Olympiareiter und Co-Veranstalter der LGCT Vienna Helmut Morbitzer.

Im Stechen wurde es dann noch einmal richtig spannend, Rhomberg musste leider einen Abwurf hinnehmen und landete im Endklassement auf Rang sieben: „In Summe bin ich natürlich zufrieden. Aber wenn du im Stechen bist, wünschst du dir natürlich mehr“, bilanzierte Rhomberg, die sich immerhin noch über mehr als 9000 Euro Preisgeld freuen darf. Sie lobte das Publikum: „Die Atmosphäre war unglaublich toll. Es ist wunderschön zu sehen, wie viele Reitsport-Begeisterte hier waren. Es hat richtig Spaß gemacht.“

Die 28-jährige Sophie Hinners, bekannt für ihr feines Reiten und ihre Nervenstärke, legte im Stechen eine Traumrunde hin und holte sich schließlich den Sieg – und damit auch ein Preisgeld von über 100.000 Euro – vor dem Schweden Peder Fredricson mit „Alcapone des Carmille“ und auf Platz drei dem Belgier Olivier Philippaerts auf „Hipster SV“. 

Frauenpower mit PS
Damit ist Hinners erst die zweite Frau nach Lucinda Diniz 2015, die im Großen Preis von Wien siegreich war. Denn der Top-Springsport ist immer noch männlich dominiert, doch Hinners hat ein starkes Team hinter sich stehen, und zwar „Iron Dames“. Dahinter steckt die französische Geschäftsfrau Deborah Mayer, die, ursprünglich im Autorennsport zu Hause, reine Frauenteams im Spitzensport fördert. Mayer unterstützt seit Jahren junge Frauen im Motorsport. Seit Kurzem dürfen sich auch die Springreiterinnen wie Katrin Eckermann (GER), Anastasia Nielsen (POL) oder eben Hinners über die Unterstützung der ehemaligen Rennfahrerin und Investorin freuen. Und wie man sieht: Das Konzept geht auf. 

Auch die Niederländerin Sanne Thijssen, 27 Jahre jung und am Sonntag siegreich im Springen über 1,45 Meter mit, war bereits Teil des „Iron Dames“-Teams gewesen, und zwar im Rahmen der Global Champions League im Team der Cannes Stars. Im selben Bewerb konnte auch Katharina Rhomberg wieder aufzeigen, die Vorarlbergerin wurde mit ihrem zweiten Top-Pferd „Cuma“ Fünfte, Max Kühner kam auf Rang 12. 

Video: Sehen Sie hier den Siegesritt von Sophie Hinners!

„Es ist unglaublich, so eine Ehre, hier zu gewinnen. Ich bin so glücklich mit meiner Stute, sie ist super gesprungen und hat bis zum Schluss für mich gekämpft. Die Atmosphäre hier in Wien ist wirklich außergewöhnlich. Ich möchte mich auch bei meiner Unterstützerin Deborah bedanken und der ganzen Iron-Dames-Familie, ohne die ich hier nicht stehen würde“, so eine freudestrahlende Sophie Hinners nach ihrem Sieg vor dem Schloss Schönbrunn. 

Österreichs Reiter zeigen auf
Im U25-Bewerb erklang sogar die österreichische Bundeshymne für den Sieger. Der 19-Jährige setzte sich gegen die Konkurrenz der Nachwuchsreiter mit seinem Hengst „Idiaal Special H.J.“ durch vor Corinne Sweeney (USA) und Ava Ferch (GER). 

Tobias Pfingstl gewann den U25-Bewerb.
Tobias Pfingstl gewann den U25-Bewerb.(Bild: HORSIC photography)

Eine rot-weiß-rote Doppelspitze gab es im Finalbewerb der Zwei-Stern-Tour, hier ging im Springen über 1,45 Meter der Sieg an Josefina Goess-Horstmann mit ihrer Stute „Ja Belle Stability“ vor Kevin Kazda mit „Centa Girl“. Platz drei ging an die Deutsche Brianne Beerbaum mit Kiss Mee. Der Bewerb war mit 25.000 Euro dotiert. In der Medium Tour über 1,30 Meter musste sich Jennifer Jaritz-Gnaser knapp Ava Ferch (GER) geschlagen geben. Mario Bichler landete auf Rang vier. 

Neben einer Vorführung der „Working Equitation“, einer der Arbeitsweise spanischer Rinderhirten nachempfundenen Disziplin, hatten auch die kleinsten Springreit-Stars ihren großen Auftritt. Die Mädchen zeigten im Sattel ihrer Pferde und Ponys, dass man sich um den Springsport in Österreich auch weiterhin keine Sorgen machen muss. 

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