Di, 16. Juli 2019
20.11.2014 09:17

Schweizer Studie

Banken-Unternehmenskultur begünstigt Unehrlichkeit

Seit der Finanzkrise ist das Ansehen von Bankern ziemlich in Verruf geraten. Nicht ganz unbegründet, wie eine nun veröffentlichte Studie von Schweizer Forschern zeigt, an der auch der österreichische Ökonom Ernst Fehr mitgewirkt hat. Demnach sind Bankangestellte zwar nicht per se unehrlicher als Beschäftigte anderer Branchen, die Unternehmenskultur in Banken begünstigt aber implizit unehrliches Verhalten.

Für ihre Studie führten Wissenschaftler der Universität Zürich Experimente mit mehr als 200 Bankangestellten durch, davon 128 aus einer internationalen Großbank und 80 aus anderen Geldinstituten. Jeder Banker wurde dabei zufällig einer von zwei Gruppen zugeteilt. In der ersten wurde ihnen durch geeignete Fragen ihre berufliche Rolle und die damit verbundenen Verhaltensnormen in Erinnerung gerufen (z.B.: "Welche Funktion haben Sie in der Bank?"). In der Kontrollgruppe wurde den Teilnehmern dagegen ihre außerberufliche Rolle in der Freizeit und die damit verbundenen Normen bewusst gemacht (z.B.: "Wie viele Stunden schauen Sie pro Woche fern?").

Studie fingierte höheres Einkommen
Anschließend nahmen alle Studienteilnehmer an einer Aufgabe teil, bei der sie durch unehrliches Verhalten ihr Einkommen um bis zu 200 US-Dollar (umgerechnet 160 Euro) steigern konnten: Sie mussten unbeobachtet zehn Münzwürfe durchführen und anschließend berichten, ob sie Kopf oder Zahl geworfen hatten - wobei sie im Vorhinein wussten, welches Resultat ihnen pro Wurf 20 Dollar einbrachte. Darüber hinaus wurde ihnen gesagt, dass ihre Gewinne nur dann ausbezahlt würden, wenn sie zumindest gleich gute Ergebnisse wie in einer fiktiven Pilotstudie erreichten.

Dabei zeigt sich, dass jene Bankangestellten, bei denen zuvor die beruflichen Verhaltensnormen aktiviert worden waren, sich signifikant unehrlicher verhielten. Sie berichteten im Fachjournal "Nature" von 58 Prozent "Gewinn-Würfen", während es in der Kontrollgruppe nur knapp 52 Prozent waren.

Anschließend führten die Wissenschaftler eine ähnliche Studie mit Mitarbeitern anderer Branchen durch. Im Unterschied zu den Bankern wurden diese aber nicht unehrlicher, wenn ihnen ihre berufsbezogenen Normen in Erinnerung gerufen wurden. Die Resultate in dieser Gruppe waren mit jenem der Banker-Kontrollgruppe vergleichbar - also jener, in der die außerberufliche Rolle der Banker angesprochen wurde.

Mehr Toleranz für unehrliches Verhalten in Banken
"Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass die sozialen Normen in der Bankenindustrie unehrliches Verhalten eher tolerieren und damit zum Reputationsverlust der Banken beitragen", erklärte Michel Marechal vom Institut für Volkswirtschaftslehre in einer Aussendung. Die Forscher empfehlen der Finanzwirtschaft deshalb einen Normenwandel hin zur Förderung moralisch einwandfreien Verhaltens. Sie regen etwa - analog zu den Ärzten - einen professionellen Eid an.

Würde ein solcher durch entsprechendes Ethiktraining und passende finanzielle Anreize unterstützt, könnten Bankmitarbeiter dazu gebracht werden, "ihren Fokus stärker auf die langfristigen, gesellschaftlichen Auswirkungen ihres Verhaltens zu legen, anstatt sich auf ihren eigenen, kurzfristigen Nutzen zu konzentrieren".

Studie bestätigt in Bevölkerung herrschende Meinung
Die Banker bestätigten damit übrigens eine ohnehin in der Bevölkerung vorherrschende Meinung. Die Forscher befragten in einer weiteren Studie nämlich auch Personen aus der Allgemeinbevölkerung, wie viele "Gewinnwürfe" unterschiedliche Berufsgruppen melden würden. Die Banker wurden dabei mit 64 Prozent "Gewinnwürfen" als unehrlichste Gruppe eingeschätzt. Sogar Gefängnisinsassen kamen nur auf 61 Prozent, Ärzte etwa auf 53 Prozent.

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