Nach gescheiterter Schlichtung ist die Klage bezüglich öffentlicher WCs, deren Gebühr oft nur Frauen entrichten müssen, eingebracht. Nun sollen sich weitere betroffene Wienerinnen anschließen.
Der Streit um Wiens kostenpflichtige WC-Kabinen geht in die nächste Runde. Nachdem das Schlichtungsverfahren von Melanie G. ohne Ergebnis geblieben ist, wurde die angekündigte Klage gegen die Stadt Wien nun eingebracht. Gleichzeitig startet die Wienerin gemeinsam mit ihrer pro bono tätigen Rechtsanwältin Petra Laback eine neue Aktion: Weitere betroffene Frauen sollen sich melden und gemeinsam ein Schlichtungsverfahren anstoßen.
Pissoir gratis, Kabine nicht
Der Stein des Anstoßes bleibt derselbe: Von 167 öffentlichen WC-Anlagen der MA 48 und MA 45 sind nach Angaben der Initiatoren 138 kostenlos. In 27 Anlagen kostet die Kabine während der Betreuungszeiten 50 Cent. Das Pissoir daneben kann gratis benutzt werden – und ist faktisch Männern vorbehalten.
Für Laback und ihre Mandantin liegt genau darin die Benachteiligung: Frauen können auf das kostenlose Angebot nicht ausweichen und müssen für die Kabine bezahlen. Volksanwältin Gaby Schwarz brachte die Kritik bereits 2025 auf den Punkt: „In Wien kostet Gleichberechtigung für Frauen extra, nämlich 50 Cent pro Erleichterung.“
Für Schlichtungsverfahren vormerken
Nun soll aus dem Einzelfall eine gemeinsame Aktion werden. Unter „50cent.at“ können sich betroffene Frauen für ein Schlichtungsverfahren vormerken lassen. Voraussetzung: Der betreffende WC-Besuch darf nicht länger als drei Jahre zurückliegen.
Das Wiener Antidiskriminierungsgesetz sieht bei einer Diskriminierung aufgrund des Geschlechts mindestens 1000 Euro Schadenersatz pro betroffener Person vor. Vor einer Klage ist allerdings ein Schlichtungsversuch verpflichtend. Scheitert dieser, muss binnen drei Monaten geklagt werden.
Präzedenzfall
Ob die Stadt tatsächlich diskriminiert, wird nun erstmals ein Gericht klären. Für Melanie geht es längst um mehr als 50 Cent: Aus einem Klo-Streit könnte ein Präzedenzfall werden.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.