





Drei Großfamilien wollten in Sölden im Tiroler Ötztal von der Bergstation des Wildspitz-Sessellifts (2650 m) ins Tal wandern – mit Kleinkindern und Babys in Kinderwägen! Sie gerieten in Absturzgelände und mussten von der Bergrettung Sölden und Hubschraubern gerettet werden. Die geglückte Rettung stand Spitz auf Knopf, wie Einsatzkräfte der „Krone“ schildern.
Am Sonntag gegen 17.15 Uhr langte bei der Bergrettung Sölden die Meldung ein, dass sich zwischen 10 und 15 Personen in der Nähe der Bergbahn im Ortsteil Vent verstiegen hätten. „Ich habe daraufhin mit der Melderin telefoniert, sie teilte mir mit, dass alle Personen sicher seien, aber feststeckten“, schildert Einsatzleiter Jakob Fiegl von der Bergrettung Sölden.
Großeinsatz begann
Wenige Minuten darauf meldete freilich die Leitstelle Tirol, dass sich in dem Gebiet weitere Personen in Absturzgelände befänden, darunter auch ein Verletzter. Ein Großeinsatz startete.
Kleinkinder in höchster Gefahr
Fiegl alarmierte den Notarzthubschrauber Martin 8 und später zudem den Polizeihubschrauber Libelle Tirol. Kein Wunder: Wie sich herausstellte, waren drei Großfamilien mit insgesamt 36 Personen und zahlreichen (Klein-)Kindern teils in höchster Gefahr.
Mit Kinderwägen am Steig unterwegs
Die drei befreundeten Familien – darunter 17 Belgier, neun Briten, sieben Österreicher und drei US-Amerikaner – wollten laut Polizei ursprünglich von der Bergstation zurück ins Tal hinunterwandern. Aus unerklärlichen Gründen wählten sie dazu aber einen Fußweg bzw. Steig, der Richtung Nordosten führt. Das Unglaubliche daran: Der Gruppe gehörten auch zwei nicht einmal einjährige Babys an, die deren Eltern im Kinderwagen transportierten – auf einem für Kinderwägen absolut untauglichem Pfad!
Einige waren etwa einen halben Meter über dem Abgrund und konnten sich kaum halten. Sogar ein Kinderwagen war in dem Absturzgelände.

Einsatzleiter Jakob Fiegl
Bild: Privat
Gruppe zerstreute sich im Gelände
Es kam, wie es kommen musste: Die 36 offenbar völlig bergunerfahrenen Personen gerieten vom Pfad ab und in unwegsames Absturzgelände im Bereich einer steilen Rinne in rund 2300 Metern. „Wir standen vor der Herausforderung, dass sich die Wanderer außerdem im Gelände verteilt hatten auf. Sie befanden sich zum Teil rund zweihundert Höhenmeter auseinander“, schildert Einsatzleiter Jakob Fiegl.
Einen halben Meter vom Abgrund entfernt
Die Situation war äußerst kritisch: „Einige waren etwa einen halben Meter über dem Abgrund und konnten sich kaum halten. Sogar ein Kinderwagen war in dem Absturzgelände“, so Fiegl.
Dramatische Rettung von Brüderpaar
14 Personen wurden vom Notarzthubschrauber Martin 8 bzw. der Libelle Tirol geborgen – zahlreiche davon am Tau. Flugretter Stephan Kuen ("Martin 8") schildert im Gespräch mit der „Krone“ die dramatische Rettung von zwei Buben aus der steilen Rinne. „Ich habe mir einen Stand gebaut und dann einen der Buben, der sich gefährlich im Bereich einer Felsplatte befand, gesichert. Dann habe ich uns abgeseilt zum Bruder des Kindes, von dort wurden wir ausgeflogen“, erzählt Kuen.






Vater sah Rettung seiner Buben mit an
Der Vater der Buben musste die dramatische Rettungsaktion von etwas oberhalb mitansehen, wo er sich mit weiteren Familienmitgliedern befand – darunter ein Kleinkind. Diese Verstiegenen wurden von der Libelle Tirol ins Tal geflogen.
Alle unverletzt zurück in Vent
22 Wanderer brachten die Söldener Bergretter zu Fuß bzw. mit Einsatzfahrzeugen zurück hinab nach Vent, wo schließlich alle 36 Personen wieder vereint waren – unverletzt! „Diese Geschichte hätte auch ganz anders ausgehen können, die Rettung stand Spitz auf Knopf“, schildert Einsatzleiter Jakob Fiegl.
Immer mehr Einsätze für Unerfahrene
Der Ortsstellenleiter der Bergrettung Sölden, Franz-Josef Fiegl, kann sich an einen Einsatz für eine dermaßen große Gruppe nicht erinnern. Für ihn ist es auch völlig unverständlich, wie die Wanderer eine Route wählten, die für Kinderwägen komplett ungeeignet ist. Die Zahl der Einsätze mit unerfahrenen Wanderern nehme jedenfalls tendenziell zu.
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