Mi, 15. August 2018

Kino-Stars im Talk

20.10.2014 14:28

Schwarz & Bezzel über "Musterblinde" und Völlerei

Wo Franz Eberhofer drauf steht, ist bodenständige Ermittlungsarbeit drin. Der Dorfpolizist im fiktiven niederbayerischen Kaff Niederkaltenkirchen behält in "Winterkartoffelknödel" (die zweite Verfilmung der Rita-Falk-Romane ist seit 16. Oktober im Kino zu sehen, mehr dazu in der Infobox!) stets den Überblick - auch dank seines Freundes und Detektivs Rudi Birkenberger.

krone.at traf die beiden Hauptdarsteller Sebastian Bezzel ("Tatort") und Simon Schwarz (Brenner-Krimis) vor der Österreich-Premiere in Wien zum Talk und erfuhr, was ein "Musterblinder" mit ihrem ersten Zusammentreffen in Berlin zu tun hatte und warum es eine Kunst ist, bei Dreharbeiten nicht zuzunehmen.

krone.at: Herr Bezzel, wie würden Sie jemandem, der die Eberhofer-Krimis noch nie gesehen hat, Franz Eberhofer in wenigen Sätzen beschreiben?
Sebastian Bezzel: Der Eberhofer ist ein Mensch, der sich nichts scheißt. Er ruht in sich selbst, er ist erfrischend ehrgeizlos - also was die Karriere betrifft. Wenn er allerdings neugierig ist und einen Fall hat, dann entwickelt er einen Ehrgeiz. Er ist ein Mensch, der im Jetzt lebt. Was vergangen ist, kann man eh nicht mehr ändern, was Zukunft ist, kann man auch nicht beeinflussen, das ist ihm wurscht.

krone.at: Herr Schwarz, wie würden Sie Ihren Charakter Rudi Birkenberger beschreiben?
Simon Schwarz: Der Rudi ist ein komplett anderer Mensch als der Franz. Der Rudi hat nämlich nur einen Freund, und das ist der Franz. Der Franz meldet sich aber nur, wenn er was braucht. Der Rudi ist ein Einzelgänger, er ist aber glücklich damit. Er ist zwar in "Winterkartoffelknödel" auch mal verliebt, das ist aber nur von kurzer Dauer und geht auch wieder vorbei. Der Rudi ist sehr verbissen und weicht nicht von seiner Meinung ab. Und, was man nicht vergessen darf: Der Rudi ist ein Verschwörungstheoretiker, weil er jeder Verschwörungstheorie auch tatsächlich nachgeht.

krone.at: Welche drei Dinge bzw. Personen würde denn der Franz Eberhofer auf eine einsame Insel mitnehmen?
Bezzel: Die Oma, seinen Hund Ludwig und vielleicht eine AC/DC-Platte...

krone.at: Und den Rudi?
Bezzel: Ja, vielleicht...
Schwarz: Das ist wieder typisch... der Rudi würde den Franz natürlich als Erstes mitnehmen!
Bezzel: Eine Sache muss ich dazu sagen, weil das ist ganz wichtig: Der Franz ist kein Mensch, der andere Menschen besonders gern hat oder der Menschen vertrauen kann. Ich finde, es gibt nur zwei Menschen, denen der Franz zu 100 Prozent vertraut - das sind die Oma und der Rudi. Der Rudi nervt manchmal, aber verlassen kann man sich auf ihn. Und das weiß der Franz, deswegen liebt er ihn auch sehr.

krone.at: Und der Rudi: Was bzw. wen würde er neben dem Franz auf eine einsame Insel mitnehmen?
Schwarz: Er würde zwei Säcke voll mit kleinen Dingen mitnehmen, die wichtig sind. Abhörgeräte zum Beispiel, so Sachen halt, die man braucht...
Bezzel: Ja, auf einer einsamen Insel ist ein Abhörgerät schon wichtig...
Schwarz: Na ja, du weißt nicht, ob diese einsame Insel vielleicht doch nicht einsam ist.

krone.at: Herr Bezzel, was hat Ihr Kollege Simon Schwarz, was Sie nicht haben, aber gern hätten?
Bezzel:(zeigt auf Schwarz' Brille) Diese Brille! (beide lachen) Ich hätte gerne das Talent, egal wo ich auftrete, für so eine Rührung zu sorgen, wie es der Simon kann. Man denkt sich immer: "Mei, der Simon..." Ich muss dazu sagen, der Simon und ich haben uns im Dezember 2005 am Flughafen Berlin-Tegel kennengelernt - wir wurden für Bob-Anschubproben für den Film "Schwere Jungs" eingeflogen. Es hat eine Minute gedauert und wir haben das erste Mal schon blöd gelacht…
Schwarz: Und schuld daran war ein "Musterblinder"! Wir haben nämlich einen Mann gesehen, der eine Karo-Hose, ein Streifen-Hemd und lauter bunt gemischte Muster trug. Wir haben uns gerade "Hallo" gesagt und der nächste Satz war schon "Schau dir den an!", noch bevor wir uns vorstellen konnten. Von dem Moment wussten wir: Okay, wir sind auf der gleichen Wellenlänge.

krone.at: Sie haben es in "Winterkartoffelknödel" mit einem Ferrari (diesen Spitznamen verpasst die Männerwelt von Niederkaltenkirchen der neu zugezogenen Schönheit, Anm.) zu tun bekommen. Was wäre der Simon Schwarz für ein Auto, Herr Bezzel?
Bezzel: Der Simon ist schon ein bisschen das Auto, das er selbst besitzt (ein Land Rover Defender älteren Jahrgangs, Anm.). Er wäre auf gar keinen Fall ein neues Auto, bei dem man die Tür zumacht und vom Motor nichts hört und gleichzeitig 1.000 Bordcomputer anspringen. Simon könnte eventuell auch ein Opel Admiral oder Kadett sein.
Schwarz: Der Sebastian wäre auf jeden Fall auch was Älteres, was sehr Bequemes und Familientaugliches. Und warum? Etwas Modernes wäre viel zu anfällig, und anfällig ist der Sebastian nicht. Er ist keine Diva, die bei jedem schlechten Hotelzimmer auf die Barrikaden geht. Ich könnte mir da einen alten Volvo 244 gut vorstellen.

krone.at: Nehmen Sie eigentlich während der Dreharbeiten der Eberhofer-Krimis viel zu? Wenn man sieht, was Sie so verputzen, müsste man fast davon ausgehen...
Bezzel: Ich muss sagen, dass ich in "Winterkartoffelknödel" Glück hatte. Wir hatten eine Schweinshaxn-Szene mit der Oma, ansonsten hielt es sich in Grenzen. Beim Blutwurst-Schmaus war mir schlecht, weil ich da grad vom Tatort kam und nichts essen konnte. "Dampfnudelblues" hingegen war eine brutale Völlerei für mich. Richtig schwierig wird es jedoch hinter der Kamera. Bei mir zu Hause kommt meine Frau ein paar Stunden nach dem Mittagessen nicht mit einer riesigen Süßigkeitenplatte vorbei, aber beim Drehen gibt es immer was.
Schwarz: Zuerst kommt das Obst, dann der Kuchen und dann die Süßigkeiten...

krone.at: Schauspieler zu sein ist offenbar ein schweres Los...
Schwarz: Das kann man so sagen (lacht).
Bezzel: Es ist einfach so, dass man beim Drehen diszipliniert sein muss, es aber nicht schafft.
Schwarz: Wenn man Szenen hat, in denen man isst, muss man einfach so konsequent sein und Frühstück bzw. - wenn man am Nachmittag dreht - das Mittagessen auslassen. Diese Essensszenen sind ein Wahnsinn, mir wird regelmäßig schlecht.
Bezzel: Ja, das kann sehr unangenehm sein, weil nach der zehnten Portion Schweinshaxn reicht's dann auch.

krone.at: Mögen Sie persönlich lieber die bodenständige Kost oder darf es auch etwas Exotischeres sein?
Bezzel: Ich bin aufgewachsen mit bayerisch-österreichischer Küche und das liebe ich über alles. Ich mag aber auch sehr gern ein gutes Thai-Essen. Das Einzige, das ich gar nicht mag, ist Sushi.
Schwarz: Ich mag die bayerische und österreichische Küche auch sehr. Aber ich bin kein Maßstab, weil ich einfach alles esse. Mit mir könnte man eine Serie machen, die man "Friss dich durch die Welt" nennt. Essen ist einfach was Tolles.

krone.at: Die bayerische Küche mögen Sie - könnten Sie sich auch vorstellen, in einem Kaff wie dem fiktiven niederbayerischen Niederkaltenkirchen zu leben?
Schwarz: Ich dachte immer, dass ich irgendwo auf einem Berg weit weg von allen Menschen leben möchte. Schlussendlich habe ich erkannt, dass das doch nicht das Wahre ist. Ich habe vor einiger Zeit fünf Wochen in Peking gedreht und habe erkannt, dass ich 22 Millionen Menschen um mich herum richtig gut finde. Es ist toll, wenn du flüchten kannst, und ich geh selbst jeden Tag in den Wald. Aber Stadt hat schon was - dieses Urbane, dieses bunte Leben, das mag ich.
Bezzel: Ich wohne in Hamburg und ich mag es, wenn es zum Beispiel im Kindergarten meiner Kinder bunt ist, dass da türkische und schwarze Kinder sind. Und zwar nicht, weil ich auf Gutmensch machen will, sondern weil ich das kulturell sehr spannend finde. Was ich aber noch dazu sagen muss: Wenn nicht Großstadt, dann lieber Niederkaltenkirchen. Was ich total gestrichen habe, sind so Klein- und Vorstädte, das and gehen.

krone.at: Herr Schwarz, Sie haben ja bereits mit den Brenner-Krimis in einem ähnlichen Genre mitgespielt. Wo sehen Sie Parallelen zu den Eberhofer-Filmen, wo Unterschiede?
Schwarz: Es gibt da schon Gemeinsamkeiten - beispielsweise auf der Humorebene ähneln sich beide Filmreihen schon sehr, es gibt da sehr viel schwarzen Humor. Die Art, dass man sich hintenrum durch einen Fall stolpert, irgendwie in den Fall hineingezogen wird, das ist bei beiden Formaten ähnlich. Es gibt einen Aufbau, der dramaturgisch gut funktioniert.
Bezzel: Wir haben nicht die Hightech-Möglichkeiten, keine Spurensicherung, kein digitales Ermitteln, kein CSI...

krone.at: Haben Sie vor und während der Dreharbeiten mit der Buchautorin Rita Falk engen Kontakt?
Bezzel: Die Rita steht am Set und sagt: "Mei, is des schön!" Sie ist insgesamt vielleicht dreimal am Set und freut sich einfach. Das hat aber sicher mit der Art und Weise zu tun, mit der sie zur Schriftstellerei gekommen ist. Der Erfolg ist ihr ja irgendwie passiert, da war kein Masterplan dahinter.
Schwarz: Für die Rita ist die Filmcrew eine Familie geworden.
Bezzel: Sie geht mit einer kindlichen Neugierde an die Sache ran und fragt sich dann: "Mei, wie haben sie das jetzt wieder umgesetzt?"

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