Umtriebe in U-Bahn

Rechtsextreme vermummte Miliz schockt Washington

Außenpolitik
05.07.2026 19:30
Porträt von krone.at
Von krone.at

In den USA wurde am Samstag das 250-jährige Bestehen zelebriert. Für Verunsicherung sorgte der Aufmarsch einer rechtsextremen Miliz: Hunderte vermummte Mitglieder trieben vielen die Sorgenfalten auf die Stirn.

Trump sprach vor tausenden jubelnden Anhängern. Die wie schon bei seinen Wahlkampfauftritten „USA, USA“ skandierten. Die Rede des Präsidenten hatte sich durch ein Gewitter verzögert und endete erst kurz vor Mitternacht. Weswegen die mit Zäunen abgeriegelte Nationalpromenade im Zentrum der Hauptstadt zeitweise evakuiert werden musste. Vor dem Gewitter hatte es eine mehrstündige Flugschau gegeben, die Kampfjets über Washington donnern ließ.

Der traditionellen Parade zum Unabhängigkeitstag in Washington hatte extreme Hitze einen Strich durch die Rechnung gemacht. Auch andernorts fielen bei Temperaturen um die 40 Grad Celsius die Paraden aus – darunter Philadelphia, wo Vertreter der 13 Ostküsten-Kolonien am 4. Juli 1776 die Unabhängigkeitserklärung von Großbritannien unterzeichnet hatten.

Schaurige Atmosphäre in einer U-Bahn-Station in der US-Hauptstadt
Schaurige Atmosphäre in einer U-Bahn-Station in der US-Hauptstadt(Bild: AFP/FINN GOMEZ)

US-Gesellschaft tief gespalten
Die tiefe Spaltung der US-Gesellschaft im Jubiläumsjahr machte ein Aufmarsch vermummter Mitglieder der rechtsextremen Gruppe „Patriot Front“, die Überlegenheit von Weißen propagiert, nahe des Kapitols deutlich. „Reclaim America!“ („Erobert Amerika zurück“) riefen die Anhänger provokant. Einige von ihnen schwenkten Konföderiertenflaggen – die Flagge der sklavenhaltenden Südstaaten im US-Bürgerkrieg (1861 bis 1865). Die heute als rassistisches Symbol gilt.

Fotografen der Nachrichtenagentur Reuters konnten zahlreiche Mitglieder in der typischen Kleidung der Gruppe in den U-Bahnen beobachten: khakifarbene Hosen, blaue Hemden und weiße Gesichtsmasken. In den sozialen Medien wurden Videos verbreitet, in denen die Gruppe zu Trommelschlägen in der Nähe des US-Kapitols marschierte.

Gruppe steht für „radikalen Neuanfang“
„Patriot Front“ hatte sich nach Angaben der Bürgerrechtsorganisation Southern Poverty Law Center im Jahr 2017 nach der „Unite the Right“-Demonstration in Charlottesville gebildet. Damals war eine Gegendemonstrantin ums Leben gekommen. In einem Manifest auf ihrer Webseite wird behauptet, die Demokratie habe versagt und es sei daher ein „radikaler Neuanfang“ notwendig.

Immer wieder wird Trumps Politik als Urheber für das Erstarken rechter Milizen verantwortlich gemacht. „Dass sie es wagen, ausgerechnet am Unabhängigkeitstag öffentlich zu demonstrieren, zeigt, welche Probleme dieses Land mit dem weißen Nationalismus hat“, bemängelt John Cohen, ein früherer Experte für Terrorismusbekämpfung im US-Heimatschutzministerium.

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