„Schau nicht hin“
Amazon-Mitarbeiter mussten neben Leiche arbeiten
Ein Investigativmedium hat einen makaberen Fall in einem Amazon-Logistikzentrum in den USA aufgedeckt: Ein Mitarbeiter starb während einer Schicht – dennoch wurde der Rest der Belegschaft dazu aufgefordert, neben der blutigen Leiche einfach weiterzuarbeiten.
Nach Angaben des Magazins „The Western Edge“ habe es einen dumpfen Knall in dem Amazon-Lager in Troutdale im US-Bundesstaat Oregon gegeben – ein Mitarbeiter sei danach leblos auf dem Boden gelegen. Der Mann starb schließlich vor den Augen seiner Kollegen. Ein Mitarbeiter rief den Notruf, während der Krankenwagen auf dem Weg war, wurde der Anrufer über die Freisprechanlage in die Bedienung eines Defibrillators eingeführt.
Kollege habe „stark am Kopf“ geblutet
In einem weiteren Telefonat beschrieb ein Mitarbeiter die grauenhafte Szene: „Wir haben hier einen Kollegen, der vermutlich tot ist“, so der geschockte Amazon-Angestellte. „Diese Person blutet stark am Kopf“, hieß es weiter. „Sie sieht sehr blau aus.“
In diesem Video zeigt eine Mitarbeiterin ihren anstrengenden Arbeitsalltag in einem Amazon-Lager:
Trotz dieser Tragödie wurde kein Betriebsstopp eingelegt. Die Arbeiterinnen und Arbeiter wurden angewiesen, ihren Dienst weiter zu verrichten, während der Mann etwa eine Stunde lang tot am Boden lag. Amazon erklärte in einer Stellungnahme, dass der Mann an einer Vorerkrankung gestorben sei. Er wurde demnach nur 46 Jahre alt.
Kollegin mit Erste-Hilfe-Ausbildung durfte nicht helfen
Besonders tragisch: Eine Frau sei gleich zu dem Mann in Notlage gerannt und habe mit einer Herzdruckmassage begonnen. Doch die Helferin brach in Tränen aus und schrie um Hilfe: Eine Kollegin mit Erste-Hilfe-Ausbildung fragte ihren Vorgesetzten, ob sie helfen dürfe. „Ich fing an zu schluchzen und sagte: ,Ich will helfen, bitte!‘ Ich wusste, dass sie müde werden und ausgewechselt werden muss“, schildert die Mitarbeiterin die Situation.
Doch sie sei von der Führungskraft angewiesen worden: „Bitte geh wieder an die Arbeit.“ Der Vorgesetzte hätte zwar ebenfalls Tränen in den Augen gehabt aber lediglich gesagt: „Dreh dich einfach um und schau nicht hin.“ Als wenig später die Notfallsanitäter eintrafen, sei der Bereich mit dem Toten endlich abgesperrt geworden.
Amazon rechtfertigte die Fortsetzung der Arbeit im Logistikzentrum nach dem Tod des Mitarbeiters damit, dass man sich zunächst darauf konzentriert habe, „sicherzustellen, dass unser Mitarbeiter die benötigte Pflege erhielt, seine Privatsphäre zu schützen und die Sicherheit aller Anwesenden zu gewährleisten“. Eine sofortige Evakuierung hätte von diesen Bemühungen abgelenkt, wurde die Entscheidung begründet. Die Mitarbeiter wurden schließlich nach Hause geschickt – allerdings über eine Stunde, nachdem der Notruf getätigt wurde, wie die Recherchen zeigten.









Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.