Der deutsche Filmemacher, Philosoph und Autor Alexander Kluge ist am Mittwoch im Alter von 94 Jahren in München verstorben. Noch im Februar war Kluge anlässlich einer Werkschau im Filmmuseum und seiner neuen Multimediaausstellung „Nachts träumen die Kulissen von ungesehenen Bildern“ im Atelierhaus der Akademie der bildenden Künste Wien zu Gast.
Der Filmemacher und Autor Alexander Kluge war ein herausragender, exakt beobachtender Erzähler, der durch seine Filme, Bücher und TV-Formate die deutschsprachige Kulturlandschaft bereicherte und prägte. Geboren am 14. Februar 1932 in Halberstadt, studierte Kluge Jus, Geschichte und Kirchenmusik. Er promovierte und arbeitete zunächst als Rechtsanwalt. 1958 volontierte er beim weltberühmten Wiener Regisseur Fritz Lang („Metropolis“) und fing bald darauf an, selbst Regie zu führen. 1962 war er einer der Filmemacher, die mit dem „Oberhausener Manifest“ ein Kino der Autoren forderten. Kluge inszenierte Filme wie „Abschied von gestern“, „Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“ und „In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod“.
1987 wurde Kluge Mitbegründer der Produktionsfirma dctp, die private Fernsehsender wie Sat.1 oder RTL mit wissenschaftlichen und kulturellen Beiträgen versorgt. Das Magazin „Spiegel TV“ stammt beispielsweise aus seinem Haus. Für seine Bücher und Filme erhielt Kluge unter anderem den Adolf-Grimme-Preis, den Georg-Büchner-Preis, den Heinrich-Heine-Preis sowie den Klopstock-Preis.
Mit dem gleichaltrigen Malerfürsten Gerhard Richter verbanden Kluge neben einem gemeinsamen Urlaubsziel in der Schweiz auch zwei Bücher. Er steuerte zu Richters Fotos die Texte bei. Dabei sei der Maler gelegentlich recht radikal mit seinen Texten umgegangen, wie Kluge berichtet. „Er zerschnitt manchmal aus ästhetischen Gründen meine Texte.“ Umgekehrt wäre das wohl eher nicht anzuraten: „Seine Werke sind generell etwas teurer.“
Und Kluge blieb bis ins vorgerückte Alter ein Quell der Begeisterung für neue Ideen und Herausforderungen, Projekte und Kooperationen. Beim Arbeiten spielten Befindlichkeiten und Alter keine Rolle, meinte Kluge einst. Und Angst sei immer schon ein schlechter Ratgeber gewesen. Es gebe immer Notausgänge, erinnerte sich Kluge an eine Episode aus seinem Leben als 13-Jähriger, als er bei einem Bombenangriff in Halberstadt verschüttet wurde. Nach einer Weile habe er einen Ausgang zum Nachbarhaus gefunden und von da aus ging es zum nächsten und zum übernächsten Haus, bis sich schließlich ein Weg nach draußen fand. „Es gibt immer einen Ausweg“, hat er daraus gelernt. „Um ihn zu finden, muss man locker lassen, oder man muss dafür sorgen, dass der Notausgang zu einem kommt. Man muss ihn zulassen.“
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