Deutliche Steigerung

Krise: Arbeiternehmer klagen 19 Millionen Euro ein

Steiermark
10.03.2026 11:49

Die Wirtschaftskrise spiegelt sich auch in der Arbeiterkammer-Bilanz für 2025 wider: Bei arbeitsrechtlichen Fällen wurden mehr als 19 Millionen Euro erstritten – ein Plus von 4,5 Millionen Euro! Mehr Kopfzerbrechen bereiten auch die Bereiche Wohnen, Online-Bestellungen und Kredite. 

Als „Gegner der Wirtschaft“ will sich Josef Pesserl keinesfalls charakterisieren lassen. „Wir sind nicht gegen Unternehmer, wir brauchen sie“, betont der steirische Arbeiterkammer-Präsident. „Eine große Zahl an Unternehmen geht vorbildhaft mit ihren Mitarbeitern um.“ Doch es gibt auch das genaue Gegenteil.

Im Vorjahr hat die AK Steiermark im Bereich Arbeitsrecht 1168 Klagen eingebracht und insgesamt 19,4 Millionen Euro erstritten (57 Prozent davon wurden gerichtlich durchgesetzt) – das ist ein deutliches Plus von 4,5 Millionen Euro im Vergleich zu 2024! „Es haben sich vor allem die Streitwerte erhöht“, sagt AK-Direktor Johann Scheuch. Sprich, die offenen Summen aus Gehältern, Überstundenzuschläge oder Sonderzahlungen werden immer höher, die Arbeitnehmer müssen länger auf ihr Geld warten.

Scheuch führt das auch auf die Wirtschaftskrise zurück. Die Problembranchen sind altbekannt: Das Gastgewerbe steht mit mehr als 500 Fällen an der Spitze, es folgen Handel, Transport, Leiharbeit und Reinigung. „Zu 95 Prozent sind Betriebe ohne Belegschaftsvertreter betroffen“, hebt Pesserl hervor. Man prüfe jeden Fall seriös und gehe nicht leichtfertig gegen Unternehmen vor, daher werden nur acht Prozent der Gerichtsfälle verloren. 

102 Millionen Euro sind Rekordwert
In Summe war 2025 ein Rekordjahr für die steirische Arbeiterkammer, es wurden 102 Millionen Euro für die gut 500.000 Mitglieder herausgeholt. Ein gutes Drittel entfällt auf das Sozialrecht mit 33,3 Millionen Euro (Pensionen, Pflegegeld usw.). Schwierig ist laut Scheuch das Durchsetzen der Schwerarbeiterregelung – zunehmend sind aufgrund des steigenden Pensionsalters Frauen davon betroffen. Heuer hofft Scheuch auf Besserung, gilt doch Pflege seit 1. Jänner offiziell als Schwerarbeit. 

Aus der AK-Leistungsbilanz

  • 2025 gab es 304.000 Auskünfte und Beratungen durch das Team der steirischen Arbeiterkammer. In Summe wurden 102 Millionen Euro für die Mitglieder herausgeholt. 
  • Im Sozialbereich wurden 2689 Klagen eingebracht, das ist ein leicht rückläufiger Wert. 
  • Im Bereich Konsumentenschutz gab es 42.400 Beratungen, durch Interventionen und Gerichtsverfahren wurden etwa 1,6 Millionen Euro hereingebracht (plus 200.000 Euro im Vergleich zu 2024). 

Weitere 31 Millionen Euro wurden aus dem Insolvenz-Entgeltfonds ausgezahlt, auch das ist eine Folge der Wirtschaftskrise. „Wir gehen nicht davon aus, dass die Insolvenzen heuer zurückgehen“, meint Scheuch. Mit Wollsdorf Leder gibt es bereits einen großen Pleitefall mit mehr als 300 betroffenen Mitarbeitern.

Wohnen und Online-Bestellungen bereiten Sorgen
Im Bereich Konsumentenschutz bereitet das Wohnrecht zunehmend Probleme. Steigende Anfragen gab es auch zu Online-Bestellungen und Kreditgebühren, weniger Beschwerden kamen zur ORF-Haushaltsabgabe und zu Flugreisen, wo sich besonders bei Lufthansa und AUA die Situation verbessert hat.

Stolz sind Pesserl und Scheuch auf Erfolge bei Mietkaufwohnungen. Hier gibt es ja immer wieder Streitereien, wenn Mieter nach einer gewissen Zeit die Wohnung kaufen: Gilt der in der Regel viel höhere aktuelle Verkehrswert oder der Herstellwert plus einem vereinbarten Aufschlag (das „steirische Modell“)? Die Urteile sind nicht einheitlich, dennoch konnten 3,5 Millionen Euro für AK-Mitglieder erwirkt werden.

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