Während die Modeschauen in Paris oder Mailand die Trends der Saison präsentieren, rollt Stefan Schrott den roten Teppich dort aus, wo man ihn kaum erwartet – im Altersheim.
Das Foyer im Pflegewohnhaus in Fernitz füllt sich an diesem frühen Nachmittag bis auf den letzten Platz. Alles blickt erwartungsvoll auf den roten Teppich, auf dem die farbenfrohe Frühjahrsmode präsentiert wird. „Wie habe ich einst die Modenschauen geliebt“, schwärmt Brigitte von längst vergangenen Zeiten, als die heute 85-Jährige eigenständig in den stationären Handel ging.
Ein Einkaufsbummel, das Anprobieren toller Mode, das gemeinsame Aussuchen der schicken Bluse – all das hat die gehbehinderte Dame nicht mehr. Genau hier setzt Stefan Schott aus Thal an. Der Wanderhändler (mode-rad.at) organisiert Modeschauen in Betreuungseinrichtungen und vor allem mit den Bewohnern selbst. „Ich habe im letzten Jahr damit gestartet und wie alles im Leben braucht es einen Lernprozess. Mit jeder Veranstaltung sammle ich Erfahrung, um zu wissen, was ankommt und benötigt wird und wie ich die Bewohner für den Laufsteg begeistern kann.“
Damit spricht der empathische Jungunternehmer gezielt Branchenkollegen an, die bislang diese Marktlücke als solche nicht gesehen und abwertend belächelt haben. „Ich bekomme aus ganz Österreich Anfragen. Mittlerweile bin ich auf der Suche nach Mitarbeitern, um überall anrollen zu können.“
Ich bekomme aus ganz Österreich Anfragen. Mittlerweile bin ich auf der Suche nach Mitarbeitern, um überall anrollen zu können.
Organisator Stefan Schott
Mode-Glamour im Pflegeheim ist ein Win-Win-Projekt für alle Beteiligten. Für die Einrichtungen ist das Event weit mehr als ein Verkaufstermin. Es ist ein gesellschaftlicher Höhepunkt. Angehörige werden eingeladen, das Personal hilft beim Styling, es wird gelacht, applaudiert und fotografiert. Für zwei Stunden verwandelt sich der Gemeinschaftsraum in einen Ort der Lebensfreude.
„Ich hätte mir nie erträumen lassen, dass ich mit 91 Jahren noch zum Model werde. Warum soll das erste Mal nicht im Pflegeheim passieren?“, lacht Cäcilia, die gemeinsam mit Hans am roten Teppich von den Heimbewohnern beklatscht wird. „Heute stellen wir einen neuen Weltrekord in der Modeszene auf“, scherzt das Laufsteg-Pärchen. „Wir zwei bringen es gemeinsam auf 181 Jahre am Oma-Opa-Catwalk.“
Stil kennt kein Alter
Zwischen Rollator und Laufsteg entsteht eine Atmosphäre, die beweist: Stil kennt kein Alter – und Lebensfreude schon gar nicht. „Ich habe mehr Stil als mein Enkel“ steht am Schild, das zwischen den Modegängen ins Publikum gehalten wird. Gleich darauf wird Edith (78) mit einer lilafarbenen Stola auf den roten Teppich geschickt, angekündigt als „eingeflogenes Top-Model aus Mailand“.
Was auf dem improvisierten Laufsteg gezeigt wird, kann im Anschluss natürlich auch gekauft werden. „Ich war immer gerne modisch gekleidet, warum soll das im Altersheim plötzlich vorbei sein?“, stellt die 91-jährige Maria trocken klar.
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