Den Faschingsnarren in der Steiermark ist heuer nicht zum Lachen zumute. Was früher mit Idealismus, Ehrenamt und einem vollen Saal zu stemmen war, wird zunehmend zur finanziellen und organisatorischen Zerreißprobe. Haben wir bald alle nichts mehr im Fasching zu lachen?
Was ein jeder mit der Teuerung zu spüren bekommt, trifft heuer auch die Akteure in ihrem Faschingstreiben, das auf Sparflamme dahinbrodelt. Der Ballkalender dünnt sich von Jahr zu Jahr aus, ähnlich verhält es sich mit dem Vereinsregister, der zumindest noch 40 steirische Faschingsgilden am Papier ausweist. „Corona hat zu Vereinsschäden geführt und dieser Verlust von einst aktiven Faschingsgilden lässt sich nicht so schnell aufholen, zudem fehlt es schlicht und ergreifend an der finanziellen Unterstützung. Wenn wir am 11.11. symbolisch die Gemeindekassa übernehmen, ist nun deutlich weniger drin als früher“, lässt Mario Krenn vom Bund österreichischer Faschingsgilden in die leeren Fördersäckel blicken.
„Tun uns den Aufwand bald nicht mehr an“
Die Gemeinden müssen sparen, auch beim Fasching. Sponsoren, einst verlässliche Partner, werden weniger oder ziehen sich ganz zurück. „Die jüngere Generation hat den Humor nicht und damit kaum Interesse, den Fasching in der bislang gelebten Tradition zu sponsern und zu unterstützen“, bedauert Peter Schiefer vom Gleisdorfer Faschingsverein. Die Pointen sitzen, das Publikum kommt und dennoch wird es von einer auf die andere Vorstellung riskanter, dass die hohen Spesen die Vereinskassa plündern. „Wir zahlen allein 6.600 Euro Saalmiete an die Stadtgemeinde, dazu AKM und die hohen Kosten für die Technik. In Summe stemmen wir heuer 40.000 Euro an Fixkosten“, rechnet Schiefer vor. „Ich bezweifle, dass wir uns Aufwand und Risiko auch im nächsten Jahr antun werden.“
Für die Gilden und Vereine ist der Fasching längst kein Hobby mehr. Wer heute ein zugkräftiges Programm auf die Beine stellt, braucht Ausdauer, Zeit und eine ordentliche Portion Besessenheit. Betroffen von der Kostenexplosion und dem unwürdigen Betteln um Unterstützung ist auch die Strasser Faschingsgilde mit Hannes Schöffmann, der sich ganzjährig ums Überleben der südsteirischen Faschingstradition schert und sein Netzwerk zum finanziellen Rettungsanker macht. „Wir Narren sind die letzten Deppen, die das noch durchziehen“, lässt er fallen und pocht auf Flexibilität und Zusammenhalt im Verein.
Faschingsumzüge stehen vor dem Aus
Besonders Faschingsumzüge, einst das Herzstück der närrischen Saison, sind fast nicht mehr zu stemmen. Hohe Auflagen, Sicherheitskonzepte, Absperrungen und behördliche Vorgaben verschlingen Summen, die ehrenamtliche Vereine schlicht überfordern. Ganz nüchtern rechnet Mario Krenn die Ausgaben für den Knittelfelder Faschingsumzug vor. „Diese Gaudi kostet an die 35.000 Euro, davon fällt ein Löwenanteil auf die Sicherheit und das Umsetzen der Auflagen.“
Die nackten Zahlen demaskieren das Hauptargument, warum Faschingsumzüge zum Auslaufmodell werden. Und damit verschwindet auch ein Stück gelebter Kultur, das weit mehr ist als nur Klamauk. Nämlich Spiegel der Gesellschaft, Ventil für Kritik und ein paar Stunden Leichtigkeit in oft schweren Zeiten. „Der große Zuspruch des Publikums stimmt mich positiv. Unsere Volkskultur mit dem Fasching wird es auch in den nächsten 100 Jahren noch geben“, ist Mario Krenn überzeugt. „Denn die Narren haben schon viel schlechtere Zeiten überlebt.“
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.