Frauen im Interview

Eine ist Chefin, die andere sucht seit Jahren Job

Oberösterreich
09.03.2026 17:00

Stefanie Rieder leitet die Logistik beim Lebensmittelhersteller Spitz, die Linzerin Ali Sheren schreibt jede Woche vergeblich mehrere Bewerbungen. Dennoch eint die beiden 34-Jährigen nicht nur ihr Alter: Sie erzählen anlässlich des Weltfrauentages von ähnlichen Problemen in der Berufswelt.

Stefanie Rieder ist seit vier Jahren Logistikchefin beim Getränke- und Lebensmittelhersteller Spitz aus Attnang Puchheim – ausgerechnet in der ansonsten männerdominierten Industrie. Ali Sheren arbeitet übergangsweise in der Kleidersortierung der Volkshilfe Arbeitswelt in Linz, ist aber an sich seit zweieinhalb Jahren auf Jobsuche. Mindestens vier Bewerbungen pro Woche schreibt sie.

So unterschiedliche die Alltage der beiden sind – im „Krone“-Interview anlässlich des Weltfrauentages nennen die beiden 34-Jährigen ähnliche Schwierigkeiten, mit denen Frauen in der Berufswelt konfrontiert sind.

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Die Industrie und die Logistik haben ein männlich dominiertes Rollenbild. Es gibt Tätigkeiten, die man Frauen nicht zutraut, zum Beispiel Staplerfahren.

Stefanie Rieder, Spitz-Logistikchefin

Nicht einmal jede dritte Führungskraft ist eine Frau
Logistikchefin Rieder erzählt über ihre Branche: „Es ist ein sehr komplexes Aufgabengebiet. Wir müssen schnell entscheiden und das häufig unter Druck. Da ist mir wichtig, dass das empathisch passiert – gerade in einem so traditionell männlich dominierten Bereich möchte ich zeigen, dass es nicht immer Härte sein muss, um sich durchzusetzen.“

Rieder ist als weibliche Führungskraft immer noch in der Minderheit: Laut einer CRIF-Studie sind in Oberösterreich weniger als ein Drittel (32,7 Prozent) der Führungskräfte Frauen. Weshalb? „Frauen übernehmen den Großteil der Betreuungsarbeit zu Hause, damit kann man oft nicht den Karriereweg einschlagen, den man möchte“, antwortet Rieder.

23,7 Prozent Lohnschere in OÖ

Erst kürzlich veröffentlichte die Statistik Austria aktualisierte Zahlen zur Lohnschere. 2024 (neuere Daten liegen nicht vor) verdienten ganzjährig vollzeitbeschäftigte Männer in Oberösterreich durchschnittlich 67.396 Euro brutto pro Jahr. Bei Frauen lag derselbe Durchschnittsverdienst bei 54.496 Euro – um 23,7 Prozent weniger. Nur in Vorarlberg ist die Lohnschere zwischen den Geschlechtern mit 27,7 Prozent noch größer. In Wien ist sie am kleinsten (11,8 Prozent). Der bundesweite Schnitt liegt bei 18,4 Prozent.

Diese Ungleichheit ist laut Statistik Austria nur zu rund einem Drittel durch strukturelle Unterschiede erklärbar – darunter fällt etwa, dass Frauen öfter in schlechter bezahlen Branchen und Berufen arbeiten und kürzer im Unternehmen beschäftigt sind.

Fehlende Betreuung erschwert Jobsuche
Das Thema Kinderbetreuung erschwert auch für Ali Sheren die Jobsuche. Die Linzerin hat zwei Töchter, die jüngere braucht eine besondere pädagogische Betreuung – und die ist derzeit nur am Vormittag möglich. Deshalb sind die möglichen Arbeitszeiten von Sheren stark eingeschränkt. So kommt es, dass die 34-Jährige seit zweieinhalb Jahren vergeblich einen Job sucht. Bis Juni arbeitet sie zur Überbrückung in der Kleidersortierung, einem Arbeitsprojekt: „Die Sortierung ist nicht mein Traum, aber ich würde alles nehmen, was geht.“

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Frauen haben es schwerer im Berufsleben, zum Beispiel weil sie die meiste Erziehungsarbeit machen müssen. Es bräuchte mehr Kinderbetreuungsplätze.

Ali Sheren, auf Jobsuche

Nur jedes fünfte Kleinkind in Krabbelstube
Von der Politik wünscht sich Sheren „mehr Kinderbetreuungsplätze“, aber auch „mehr Förderung für Frauen durch das Land und mehr individuelle Lösungen durch das AMS.“ Ganz ähnlich formuliert Logistik-Chefin Rieder ihre Forderung: „Die Betreuungsoptionen müssen besser ausgebaut werden.“ Vor allem bei den Plätzen für Unter-Dreijährige hinkt Oberösterreich hinterher. So besuchte zuletzt nur jedes fünfte Kleinkind (22 Prozent) eine Krabbelstube – im Österreich-Schnitt waren es 32,8 Prozent.

„Aber auch in den Firmen sollte es eine echte Rücksichtnahme auf private Verpflichtungen geben, die Arbeitszeit sollte flexibel gestaltbar sein“, sagt Rieder. „Wir Frauen brauchen keine Sonderbehandlung, sondern einfach eine echte und faire Chance.“

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