Die Wirtschaftskammer hat eine Analyse zur konjunkturellen Entwicklung des Vorarlberger Handels im Jahr 2025 in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse sind durchwachsen: Nach einem Rückgang im Jahr 2024 verzeichnete der Vorarlberger Handel 2025 zwar nominell wieder ein leichtes Wachstum, real bleibt die Situation jedoch angespannt.
Der Gesamtumsatz im Vorarlberger Handel stieg 2025 nominell um 1,2 Prozent bzw. rund 130 Millionen Euro auf insgesamt 16,5 Milliarden Euro netto. Preisbereinigt ergibt sich allerdings ein leichtes Minus von 0,3 Prozent. Was in der Conclusio auch bedeutet: Die moderate Preisentwicklung im Handel (+1,5 Prozent) wirkte letztlich zwar inflationsdämpfend, konnte aber die reale Kaufzurückhaltung nicht vollständig kompensieren. „Die Zahlen zeigen klar: 2026 ist ein Jahr der Stabilisierung, aber wir sehen noch keinen echten Aufschwung. Unsere Betriebe stehen weiterhin unter Druck – insbesondere durch die verhaltene reale Kaufkraft und die angespannte Beschäftigungssituation. Positiv stimmt uns, dass einzelne Branchen und die Kfz-Wirtschaft bereits deutliche Impulse setzen. Wenn Inflation und Sparquote wie prognostiziert sinken, kann 2026 tatsächlich zu einem Jahr der nachhaltigen Erholung werden“, fasst Carina Pollhammer, Obfrau in der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Vorarlberg, die Ergebnisse zusammen.
Wenn Inflation und Sparquote wie prognostiziert sinken, kann 2026 tatsächlich zu einem Jahr der nachhaltigen Erholung werden
Carina Pollhammer, Spartenobfrau Handel
Kfz-Wirtschaft im Aufschwung, Großhandel unter Druck
Auffallend sind die großen Unterschiede zwischen den einzelnen Sektoren: So hat sich etwa die Kfz-Wirtschaft tatsächlich erholt, das nominelle Plus liegt bei 5,8 Prozent, real sind es immerhin noch 2,9 Prozent. Der Einzelhandel wuchs nominell zwar ebenfalls (1,9 Prozent), real stagnierten die Umsätze allerdings. Weiterhin unter immensem Druck steht der Großhandel: In diesem Bereich gingen die Umsätze nominal um 0,3 Prozent zurück, das entspricht preisbereinigt einem Minus von 1,2 Prozent.
Ebenfalls groß sind die Unterschiede in den einzelnen Sparten selbst: So durften sich Bekleidungs- und Schuhgeschäfte über ein sattes Umsatzwachstum von nominell 7,7 Prozent freuen, dahinter folgen die Branchen Elektro-, Möbel- und Heimwerkerbedarf (+6,7 Prozent) sowie Uhren und Schmuck (+6,2 Prozent). Der umsatzstärkste Bereich – der Lebensmitteleinzelhandel – verzeichnete hingegen ein nominelles Minus von 2,4 Prozent, das sind real sogar 5,7 Prozent.
Sinkender Beschäftigungsstand
Die nur mäßig laufenden Geschäfte hatten auch Auswirkungen auf den Beschäftigungsstand. So sank 2025 die Zahl der Angestellten um 2,4 Prozent, das entspricht 547 Arbeitsplätzen. Insgesamt waren im Vorarlberger Handel Ende 2025 22.376 Personen beschäftigt. Besonders stark fiel der Personalabbau im angeschlagenen Großhandel (-3,8 Prozent) aus, gefolgt vom Einzelhandel (-2,1 Prozent). Gleichzeitig stieg die Zahl der arbeitslos gemeldeten Personen im Handel um 7,2 Prozent auf aktuell 1691 Personen – auf sie entfallen nur 515 gemeldete offene Stellen.
Hoffen auf ein besseres Konsumklima
Bezüglich der zukünftigen Entwicklung ist verhaltener Optimismus erlaubt: Für die Jahre 2026 und 2027 prognostiziert das WIFO eine reale Steigerung der Bruttowertschöpfung im Handel von 1,4 Prozent bzw. 1,7 Prozent. Auch die Konsumausgaben der privaten Haushalte sollen wieder leicht wachsen. Die Inflation wird sich voraussichtlich auf 2,6 Prozent (2026) und 2,4 Prozent (2027) abschwächen, die Sparquote soll sinken – beide Faktoren könnten dem Handel zusätzlichen Rückenwind geben.
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