„Ich schätze, die Lebenserwartung eines mobilisierten Russen hier liegt bei etwa zwölf Minuten – nicht mehr.“ Mit diesem Satz beschreibt ein ukrainischer Offizier die Lage in Stepnohirsk. In dem fast völlig zerstörten Dorf im Süden der Ukraine tobt ein erbitterter Häuserkampf um nur neun Hochhäuser. Drohnen, Artillerie und Nahkampf machen jeden Vorstoß lebensgefährlich – und die Schlacht könnte weitreichende Folgen für den weiteren Kriegsverlauf haben.
Das einstige Dorf mit rund 5000 Einwohnern ist heute vollständig entvölkert, wie die britische „The Times“ berichtet. Übrig geblieben sind ausgebrannte Häuser, Krater und neun schwer beschädigte Hochhäuser, die zwischen russischen und ukrainischen Truppen aufgeteilt sind. Gekämpft wird Stockwerk für Stockwerk, oft auf wenige Meter Distanz.
Russen wollen durch Nadelöhr
Ein weiterer Offizier schildert gegenüber dem Blatt die Kosten dieses Krieges in erschreckender Nüchternheit: „Und der Preis für sein Leben – gemessen an Granaten und FPV-Drohnen – liegt bei etwa 5000 bis 6000 Dollar (4250 bis 5100 Euro; Anm.).“ Jeder Angriff, jeder Vorstoß verschlingt Material – und Menschenleben.
Letzter Wall vor Saporischschja
Nach ukrainischen Angaben haben sich rund 20.000 russische Soldaten in und um Stepnohirsk zusammengezogen. Ihr Ziel ist ein Durchbruch nach Norden in Richtung Saporischschja, nur rund 22 Kilometer entfernt. Die Stadt ist ein industrielles Zentrum und für die ukrainische Kriegswirtschaft von zentraler Bedeutung.
Ein hochrangiger ukrainischer Offizier warnt vor den Folgen eines Verlustes: „Der Fall von Stepnohirsk würde es dem Feind erlauben, die natürliche Barriere zu überwinden, Artillerie und unbemannte Systeme vorzuziehen und Saporischschja rund um die Uhr zu beschießen.“ Das würde Panik auslösen und eine humanitäre Krise nach sich ziehen.
Drohnen, Wärmebilder und lautloser Tod
Über dem zerstörten Dorf kreisen permanent ukrainische Drohnen. Wärmebildkameras zeigen laut den Berichten Explosionen als weiße Hitzeflecken auf grauen Monitoren – ohne Ton, aber mit tödlicher Wirkung. Versorgungsdrohnen werfen Munition und Wasser ab, während Infanteristen zwischen den Trümmern um ihr Überleben kämpfen.
Hohe Verluste, kaum Durchbrüche
Dass selbst massive Angriffe keinen schnellen Durchbruch garantieren, deckt sich mit Einschätzungen des Institute for the Study of War. Trotz hoher Verluste habe Russland zuletzt keine operativ entscheidenden Geländegewinne erzielt. Langwierige und verlustreiche Schlachten wie jene um Pokrowsk hätten gezeigt, dass selbst monatelange Offensiven keinen automatischen Erfolg bringen.
Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.